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Corona: Ungewissheit bei Stutenseer Abiturienten

Symbolbild

Bild: pixabay.com

Von Martin Strohal | 26.03.2020 18:53 | Keine Kommentare

Die Corona-Pandemie bringt das öffentliche Leben zum Stillstand. Die Schulen wurden in ganz Deutschland geschlossen. Besonders davon betroffen sind die Schülerinnen und Schüler. Im April hätten die schriftlichen Prüfungen zum Abitur beginnen sollen. Dann wurde der Beginn auf die zweite Maihälfte verschoben. Schleswig-Holstein brachte die Idee ins Spiel, die Prüfungen in diesem Jahr komplett ausfallen zu lassen. Davon sind die Kultusminister inzwischen wieder abgerückt. Auf jeden Fall führt die Situation zu großer Unsicherheit, auch bei den Abiturient:innen im Stutenseer Thomas-Mann-Gymnasium. meinstutensee.de hat einige von ihnen befragt. Die meisten wollen anonym bleiben, weshalb die Namen in diesem Artikel großteils frei erfunden sind.

Viele Schülerinnen und Schüler sind trotz der Unsicherheiten noch recht entspannt. “Ich sehe keinen Grund dazu mir Sorgen zu machen”, sagt Sabine*. “Auf dem einen oder anderen Weg werden wir alle unser Abitur schreiben können.” “Objektiv gesehen finde ich die Entscheidung, das Abitur zu verlegen, sehr sinnvoll”, meint Alexandra*. “Alles andere wäre inkonsequent und unverantwortlich.” Aber nicht alle sind so entspannt. “Ich mache mir Sorgen wegen der Zeit nach dem Abi, da dann in kurzer Zeit sieben Arbeiten nachgeholt werden müssen”, so Tobias*. Diese Klausuren hätten eigentlich noch in der Zeit vor den Abiturprüfungen geschrieben werden müssen.

Aufgrund der Kontaktsperre sind nun keine Lerngruppen möglich. Auch der physische Kontakt zu Lehrern ist untersagt. Dennoch fühlen sich die Stutenseer Abiturienten nicht allein gelassen. Die Schule habe eine Cloud eingerichtet, über die sie den Schülern Materialien zukommen lassen. ” Der Austausch klappt bei den Lehrer eigentlich immer reibungslos”, sagt Alexandra*. Dennoch hätte sie Wiederholungen gemeinsam mit einem Lehrer, der anleiten und direkt Rückfragen klären kann, für effektiver gefunden. Digitale Lerngruppen nutzen wenige; der Kontakt zu Freunden bestehe natürlich. Ein konkretes Problem haben diejenigen, die Sport im Abi haben. “Ich würde gerne für mein praktisches Sportabi trainieren, jedoch haben die Schwimmbäder geschlossen”, bedauert Sabine*. Ich sehe die Notwendigkeit in dieser Situation, dennoch ist es für mich schon schwer, soziale Kontakte auf ein Minimum runterzuschrauben und auch sämtliche Sportarten auf ‘Pause’ zu stellen.”

Ein Problem ist es außerdem, die Motivation über die nun längere Zeit hoch zu halten. “Ich denke ich nutze die Zeit ganz sinnvoll, auch wenn ich sicherlich noch ein bisschen mehr für die Schule machen könnte”, meint Amelie. “Aber wenn ich ehrlich bin, war es von Anfang an schwer, immer etwas zu arbeiten, wo man jetzt fünf Wochen frei hat. Und jetzt, wo das Abi verschoben wurde und noch ein Monat mehr Zeit ist, macht es das sicher nicht besser.”

“Die Schulen sind auf diese Situation nicht vorbereitet, da sie noch in der Steinzeit steckten”, meint Dennis. “Das Thomas-Mann-Gymnasium ist hier im Vergleich zu anderen Schulen deutlich besser ausgestattet.” Trotzdem sei der Sprung, den die Schule bezüglich der Digitalisierung in dieser Krisensituation machen musste, enorm.

Mit dem Umgang ihrer Schule mit der aktuellen Situation zeigen sich die Abiturientinnen und Abiturienten zufrieden. “Ich habe gemerkt, dass sich vor allem Schulleiterin Frau Anzt, aber auch viele andere Lehrer wirklich um uns kümmern”, so Amelie. “Frau Anzt hat sich wirklich reingehängt, um uns Infos zukommen zu lassen.”

Die Schulleiterin des Thomas-Mann-Gymnasiums, Sylvia Anzt, zeigt sich glücklich, dass es rechtzeitig gelungen ist, das System aufzusetzen, über das Lehrer und Schüler miteinander kommunizieren und Materialien austauschen können. Gleichzeitig beruhige es sie, dass der Prüfungsstoff noch rechtzeitig vor Schulschließung durchgenommen werden konnte. Für die Schüler hat sie Tipps: “Nutzt die Zeit, die ihr habt, für das Lernen, vor allem auf eure Prüfungsfächer im Abitur, haltet dazu einen vernünftigen Tagesrhythmus ein, der sich an einem normalen Schultag orientiert.” Dazu gehörten auch Bewegung und gesunde Ernährung. “Wir wollen ja, wenn die Schule wieder offen ist, nicht lauter kurzsichtige, fehl-ernährte und dadurch übergewichtige und womöglich auch noch spielsüchtige Schüler hier begrüßen!” Das beziehe sich natürlich nicht nur auf den Abschlussjahrgang.

Was den Übergang zu Hochschulen angeht, hat Anzt wenig Sorge. “Wenn die Zeit verlängert werden sollte, werden nicht nur unsere Schüler das Problem haben, und man wird Regelungen finden können. Solange alles nur Hochschulen in Deutschland oder Europa betrifft – das ruckelt sich zurecht, da bin ich zuversichtlich.”

Die Abiturientinnen und Abiturienten nehmen für sich aus der gegenwärtigen Situation aber auch etwas mit. “Für die Zukunft nehme ich hauptsächlich mit, dass ich mir niemals sicher sein sollte bei Sachen, die eigentlich unerschütterlich wirken”, meint Amelie. Ganz praktisch sieht es Ines*: “Ich werde auch in der Zukunft versuchen, das Gesicht so wenig wie möglich anzufassen. Wenn das Kontrollieren der Hände ins Bewusstsein eingebrannt wird, bleibt es hoffentlich länger.” “Generell finde ich, dass man durch die Situation lernt, viel besser miteinander umzugehen und jederzeit für einen anderen einzuspringen, wenn er Hilfe braucht”, mein Sabine*. “Es zeigt auch, dass die Menschen stärker sind als sie gerne zugeben und sich von den verschiedensten Situationen nicht runterbringen lassen.”

“Dinge, die sonst im Alltag zur ‘Normalität’ gehören, ganz besonders die Planbarkeit, lernt man wieder bewusst zu schätzen”, stellt Alexandra* fest. “Und mir zeigt die aktuelle Situation auch sehr eindrücklich, was wirklich wichtig und wertvoll ist.”

* Namen von der Redaktion frei erfunden

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