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Lieblingsort: Heglachaue/Pfennigerswiesen – Mein Kraftort heißt Wasser

Bild: Olaf Matthei-Socha

Von meinstutensee.de | 01.05.2020 18:00 | Keine Kommentare

Neu hier: Wo geht’s denn Bitteschön zum Wasser?

Als Zugezogener verbinden mich mit Stutensee, mit meinem Wohnort Blankenloch, wohl andere Dinge, als diejenigen es tun, die hier bereits ihre Kindheit und Jugend verbrachten. Ich bin gerade einmal zehn Jahre hier und zudem ständig in der Weltgeschichte unterwegs. Aber auch ich habe die eine oder andere Stelle rund um die Hauptstraße und in den anderen Ortsteilen, die ich immer wieder gerne besuche.

Da ich von Berufs wegen zu den in der Welt Umherstreifenden gehöre, hatte ich mich auch hier gleich aufgemacht und versucht, mir die „Stadt“ und ihre Landschaften als solche zu erschließen. Hauptsächlich zu Fuß, mit dem Fahrrad. Nebenher steht die Ortschronik von Blankenloch, Büchig und Schloss Stutensee griffbereit, sozusagen eine kleine Pflichtlektüre.

Doch zunächst erlebte ich eine Überraschung: Rheinebene… ja, irgendwann hatten wir das mal in einer Schulstunde vor langer Zeit abgehandelt. Irgendwo weit im Westen, mäandernder Strom, riesige Sumpfgebiete, Malaria, begradigt, Rheinhochwasser, Sandoz, Fischsterben, aber tolle Altläufe und Auen und so weiter. Kennt man ja… oder… kennt man doch nicht?! Denn hier angekommen fragte ich mich gleich „Wo ist denn nun das unbändige Wasser? Ist doch die Rheinebene hier… Wollen die mir einen Bären aufbinden?“.

Warum Wasser für mich wichtig ist

Da hatte ich, ganz fahrlässig ohne den Blick genauer über die Karte schweifen zu lassen, geschweige denn etwas von Herrn Tulla gehört zu haben, etwas mehr erwartet, wusste ich noch nicht viel von Tief- und Hochgestade sowie Randsenke…

Nur dass die geneigten Leserinnen und Leser mich nicht falsch verstehen: Wasser ist für mich einfach eines der wichtigsten Naturelemente, vor allem eben die langgestreckten Seen meiner Kindheit im Bogen zwischen Havel und Spree. Unter unseren Füßen gefühlte 100 Meter märkischen Sandes auf dem Teltow, um uns herum irgendwo immer Wasser in Fußlaufweite… und bis auf die innerstädtischen Spreeabschnitte und die Kanäle ist das sogar heute noch verhältnismäßig naturbelassen. Mitten in der Großstadt!

Da sind wir an die Haveldünen oder die Spreemündung, den Lietzen-, Schlachten- oder Haste-Nich-Jesehn-See und konnten immer hübsch im Kreis oder ums Eck herumspazieren, allerlei Wasservögel beobachten oder auch mal mit dem Bötchen fahren. Später dann nach 1989 in den Spreewald oder an die Müritz.

Hier im Rheintal war alles hingegen auf den ersten – etwas eingeschränkten – Blick hin… ziemlich schmal und vor allem geradeaus. Also in Stutensee. Selbst die Alte Bach war im 17. Jahrhundert zum Ableitgraben für die Trockenlegung der Sümpfe ausgebaut und als solcher sogar im 20. Jahrhundert für die Ortserweiterung noch einmal verlegt worden… Ziemlich gerade alles. Pfinzkorrektion, Pfinz-Entlastungskanal. Ja und auch die namentliche Pfinz kommt heute an den meisten zugänglichen Stellen in Blankenloch und bei Büchig ziemlich… gerade daher. Da ich nun mal aber wenn es um Wasser geht ein Kurven- und Rundläufer bin, ist das ständige Geradeaus für mich ziemlich anstrengend.

Doch noch gefunden!

Dieses – vermeintliche – Einerlei hat mir keine Ruhe gelassen und so fand ich dann doch recht schnell heraus, dass die Heglach, sobald sie nur auf die Pfennigerswiesen hinaustritt ein ganz anderes Antlitz entwickeln kann. So, wie sie früher einmal als eines von unzähligen Fließen ausgesehen haben könnte, das von den aus den Bergen kommenden Hauptbächen gespeist wurde. Ihr ganzer Lauf im Landschaftsschutzgebiet „Heglachaue“, im Duett mit der Alten Bach und bis weiter hoch über die Ortsgrenze hinaus nach Graben. Hier meine ich die alte Kraft des einst ungebändigten Wassers besonders im Frühling und Herbst zu spüren und auch die brühenden Sommertage sind dort am Fließgewässer irgendwie frischer, erträglicher. Da hat das Auge so vieles zu sehen, das Ohr viel zu hören…

Fehlten mir nur noch die Seen… und da musste ich dann doch etwas länger suchen. Aber zu meinem Glück entdeckte ich schließlich den Weg vom Schloss zum Stafforter Baggersee. Mit seiner Tiefe und der sehr vielfältigen Uferzone kommt er an ein Naturgewässer sehr nah heran. Zwar fehlt mir das ganze märkische Netz aus Seen, Flüssen und Fließen wirklich sehr, aber wenn ich es gar nicht mehr aushalte und mehr Wasser will, dann fahre ich eben einfach kurzentschlossen an die Rheinauen, ins Murg- oder Monbachtal. Oder eben nach Berlin…

Und da berühren sich Herkunft und heutiger Wohnort also doch irgendwo auch im Naturräumlichen. Hier wie dort wurde entwässert, wurde die Mehrzahl der alten Sümpfe, Auen, Schwemmwiesen trockengelegt, um Acker- und Bauland zu gewinnen. Hier war es das System des großen Stromes mit seinen aus den Bergen kommenden Zuflüssen, das „gebändigt“ wurde, dort die Sümpfe und Schwemmwiesen des einst mehrere Quadratkilometer großen Mündungsgebietes der Spree in die Havel und die Nebenrinne der Grunewaldseenkette. Ohne all das hätten wir in Blankenloch wohl bis heute regelmäßige Überschwemmungen und hier wie dort wahrscheinlich auch die Malaria. Bei all diesem Wissen bleibt aber das naturbelassene Wasser der Heglach mein Kraftort, der mich auch in Stutensee fasziniert und mir immer wieder geistige und körperliche Entspannung bietet.

(Olaf Matthei-Socha, meinstutensee.de)

Tipp: Wer mehr über die “wässrig-sumpfige” Vergangenheit der Hardtdörfer, den alten Kulturtechniken und der Entstehung des heutigen Wässernetzes erfahren möchte, der/dem seien die erwähnte Ortschronik von 1995 ans Herz gelegt, sowie der wunderbare Band “Wässerwiesen. Geschichte, Technik und Ökologie der bewässerten Wiesen, Bäche und Gräben in Kraichgau, Hardt und Bruhrain” (erschienen in: Beihefte zu den Veröffentlichungen für Naturschutz und “Landschaftspflege” der Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg, Bd. 87, Ubstadt-Weiher/Karlsruhe 1995) mit unter anderem einem Beitrag unseres ehemaligen Stutenseer Umweltbeauftragten Reiner Dick.

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