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Reisebüros ohne Einkünfte

Im Reisebüro Friedrichstal

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 13.05.2020 12:26 | 1 Kommentar

Wenn die Bevölkerung zu Hause bleiben soll, weltweit Grenzen geschlossen werden und Tourismus untersagt wird, trifft das nicht nur Reiseveranstalter und Fluggesellschaften, sondern auch viele kleine Reisebüros. In Stutensee gibt es zwei davon: Ute Winklers Reisemarkt in Büchig und Ulrike Joshanis Büro in Friedrichstal. Beide haben wir besucht, um mehr über ihre Situation zu erfahren.

“Ich stand rund um die Uhr in Kontakt mit meinen Kunden”, erinnert sich Ute Winkler an die Tage Anfang März. Ihre Kunden befanden sich überall auf der Welt und brauchten Beratung, wie es weitergeht. Vielfach wurden sie aus ihren Hotels geworfen und waren ohne Unterkunft. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie informiert Winkler ihre Kunden, deren Reisen noch bevorstehen, wöchentlich über die Situation. Selbst Reisende, die gar nicht bei ihr gebucht hätten, fragten bei ihr an. Diesen helfe sie auch, jedoch erst nach ihren eigenen Kunden.

Ute Winkler

Seit 35 Jahren ist Ute Winkler in der Reisebranche tätig. Ihr Verdienst ergibt sich aus der Provision, die Reiseanbieter zahlen. Diese bekomme sie nach Ende der jeweiligen Reise. Wenn keine Reisen stattfinden, gibt es auch keine Provision, obwohl sie viele Stunden in die Beratung investiert hat. In den vergangenen Jahren habe es bereits einige Insolvenzen von Veranstaltern wie Thomas Cook gegeben, weshalb sie Ausfälle bei den Provisionen gehabt habe. Staatlich abgesichert seien nur die Kunden von Pauschalreisen. Nun arbeite sie seit Mitte März ohne Verdienst, da keine Reisen mehr stattfinden. Vor September rechnet Winkler auch nicht mit Besserung. Sorge mache ihr eine mögliche zweite Krankheitswelle.

Winkler hofft, dass die Kunden, die sie jetzt vielfach kostenfrei beraten habe, nach der Krise beim Buchen einer Reise wieder an sie denken. Selbst wenn diese mit einem Internet-Ausdruck zu ihr kämen, könnte sie immer noch Tipps geben. Jetzt aufgeben kommt für sie nicht in Frage. “Das ist unser Leben, wir machen das mit Herzblut”, betont sie.

Auch Ulrike Joshani vom Reisebüro Friedrichstal ist seit Mitte März rund um die Uhr dabei, ihre Kunden zu unterstützen. Den Beginn der Krise habe sie kommen sehen, als die ersten Länder ihre Grenzen geschlossen haben. Viele ihrer Kunden hätten das anfangs nicht verstanden. Besonders getroffen habe es eine Dame, die lange auf ihre Neuseeland-Reise gespart hatte, und nun nicht fliegen konnte. Das Hauptgeschäft seien in ihrem Reisebüro die Fernreisen, berichtet Joshani, die seit 20 Jahren in der Branche tätig ist. Deshalb bringe ihr Inlandstourismus nicht sehr viel. Auch sie hat seit acht Wochen keine Einnahmen mehr. “Was soll ich auch verkaufen?” fragt sie. Bei Banken seien Reisebüros ungern gesehen. Ihre Mitarbeiterin befinde sich in Kurzarbeit. Derzeit ist Joshani damit beschäftigt, bei den Reiseveranstaltern das Geld ihrer Kunden zurückzuholen, was sich je nach Anbieter recht aufwändig oder gar unmöglich gestalte.

Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) gab es 2018 gut 11.000 Reisebüros in Deutschland. Sie erzielten knapp 27 Milliarden Euro Umsatz. Aufgrund der Corona-Pandemie werden die Reisebüros in diesem Jahr kaum Einnahmen haben. Staatliche Unterstützung speziell für Reisebüros gibt es bislang nicht. Das wird mutmaßlich zu einer Vielzahl an Insolvenzen führen. Die beiden Stutenseer Büros hoffen, dass sie nicht davon betroffen sein werden.

Bildquellen

  • Reisemarkt Ute Winkler: Martin Strohal
  • Reisebüro: Martin Strohal

Kommentare

Jörg Hecken

Wir werden auf jeden Fall bei Ute Winkler buchen. Eine bessere, professionellere und persönlichere Beratung habe ich noch nie erlebt, und ich bin schon viel rumgekomnen.