meinstutensee.de


Tiere auf Koppeln: Nicht füttern

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 06.05.2020 11:40 | Keine Kommentare

Emma

Die Erlebnisse des vergangenen Dienstags beschäftigen Meike Greulich noch heute. Am Morgen war sie bei ihrem Pferd Emma gewesen. Da war noch alles normal. Um 12 Uhr kam sie außerplanmäßig nochmals bei ihm vorbei. Da lag die elfjährige Emma flach im Stall, röchelte und verdrehte die Augen. Der Verdacht einer Kolik lag nahe. Eine Tierärztin verabreichte entkrampfende und schmerzlindernde Medikamente, anschließend musste das Tier sechs Stunden bewegt werden. Meike Greulich verbrachte die ganze Nacht im Stall bei ihrem Pferd, damit es in Bewegung blieb. Da sich die Situation nicht besserte, kam Emma in eine Tierklink, aus der sie mittlerweile wieder entlassen werden konnte. Sie grast wieder gemeinsam mit Pony Max auf einer Koppel am Ortsrand von Spöck. Dass die Ursache für die Kolik unsachgemäße Fütterung gewesen ist, steht für Meike Greulich fest. Von Nachbarn sei schon öfter beobachtet worden, wie Spaziergänger die Pferde auf ihrer Koppel fütterten. Es sei sogar schon vorgekommen, dass Kinder die Koppel betreten und die Pferde geschlagen hätten, erzählt die Spöckerin.

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet Petra Schönthal, die mit ihrem Mann einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Pferden, Eseln und Galloway-Rindern in Friedrichstal besitzt. Direkt am Weg zwischen der Kirche und der Brücke nach Spöck gelegen, gibt es viel Publikumsverkehr entlang ihrer Koppeln. Insbesondere jetzt, wo coronabedingt Zoos und Tierparks geschlossen haben, suchten sich Familien Alternativen, so Petra Schönthal. “Die Tiere sind kein Allgemeingut”, erklärt sie. Sie hat mit ihrem Mann extra Schilder an der Koppel angebracht, die auf die Folgen unsachgemäßer Fütterung hinweisen. Doch diese würden häufig ignoriert werden. “Unser Herz hängt an den Tieren”, so Schönthal. Bei den Rindern sei es aber auch ein wirtschaftlicher Faktor. Ein Bulle sei nach drei Jahren Aufzucht kurz vor dem Verkauf qualvoll an Futter, das über den Koppelzaun geworfen worden war, verendet.

Jedes Tier bekommt das jeweils passende Futter, auch abhängig vom Körpergewicht, verabreicht. Manche Tiere vertragen keinen Fruchtzucker, manche keine Karotten oder Äpfel. Selbst das lange Gras, das am Rand der Koppel wächst, würden die Tiere von alleine nicht fressen. Bei Hühnern könnte sich das um den Kropf wickeln und sie dadurch ersticken. Mancher Spaziergänger mag denken, dass ein einziger Apfel doch kein Problem für ein Pferd darstelle – aber er wisse nicht, wie viele vor und nach ihm dasselbe denken.

Deshalb der dringende Aufruf von Tierhaltern wie Petra und Tobias Schönthal sowie Meike Greulich: “Füttern Sie bitte keine fremden Tiere!”

Bei einer Kolik handelt es sich um eine Fehlfunktion des Verdauungstrakts eines Tieres. Wenn diese nicht zeitnah behandelt wird, kann das zu einem Kreislaufzusammenbruch und damit zum Tod des Tieres führen. Im Notfall wird eine Operation am offenen Bauch des Tieres durchgeführt. Die Behandlung koste ohne entsprechende Versicherung schon mal 5000 Euro, berichtet Petra Schönthal. “Die Überlebenschance bei einer Kolik ist immer sehr ungewiss”, erklärt Tierärztin Dr. Kathrin Schmidt. Abhängig vom jeweiligen Fall treffe es ‘fifty-fifty’ sehr gut. Im tierärztlichen Alltag kämen Koliken häufig vor, jedoch nicht nur aufgrund von Fremdfütterung.

Petra Schönthal will den Besuchern am Zaun keine Böswilligkeit unterstellen. “Vielfach ist es einfach Gedankenlosigkeit oder Unwissenheit”, vermutet sie. Um entsprechende Aufklärung zu leisten, wollte sie Trekking-Touren mit ihren Eseln anbieten. Meike Greulich hatte vor, mit ihrem Pony einen Spöcker Kindergarten zu besuchen, um schon die Kleinen zu sensibilisieren. Beiden Aktionen hat die Corona-Pandemie jedoch vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun hoffen sie auf Vernunft und Einsicht der Spaziergänger. Anschauen ja, Streicheln und Füttern bitte nicht!

Bildquellen

  • Pferd Emma: Martin Strohal
  • Tierkoppel: Esel: Martin Strohal
  • Tierkoppel: Füttern verboten: Martin Strohal

Kommentare

Kommentare sind geschlossen


X