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Radfahren in Stutensee: Mit dem Rad durch den Hardtwald

Friedrichstaler Allee im Hardtwald

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 26.08.2020 21:27 | 3 Kommentare

Vor über einem Jahr, im Rahmen der ersten Stadtradelaktion, befragte die Stadtverwaltung den radfahrenden Teil der Bevölkerung, wo es Verbesserungsbedarf an der Fahrradinfrastruktur gibt. In einem Selbstversuch hat Reporter Martin Strohal die Strecken durch den Hardtwald getestet.

Berufspendler mit dem Rad

Viele Stutenseer:innen fahren zur Arbeit nach Karlsruhe. Ich wollte wissen, ob das eine ernsthafte Alternative zu Auto und Bahn ist.

Morgens um 7.15 Uhr schwinge ich mich in Friedrichstal auf das Rad. Der direkte Weg zu meinem Büro führt durch den Hardtwald über die Friedrichstaler Allee fast kerzengerade hin zum Karlsruher Schloss. Es soll ein heißer Tag werden, im Wald ist es jedoch noch ziemlich kühl. Viel los ist um die Zeit nicht, alleine bin ich aber auch nicht. Immer wieder überholen mich Rennrad- oder E-Bike-Fahrer:innen, Jogger:innen kommen entgegen. Die asphaltierte Strecke ist in recht gutem Zustand, eignet sich also für das zügige Fahren, wie man es als Pendler gerne macht. Als Radler im “Berufsverkehr” habe ich andere Ansprüche an die Strecke als in der Freizeit, möchte zügig ankommen.

Waldwege: Primär zur Bewirtschaftung des Waldes

Das behindern die Stellen auf dem Boden, an denen Baumwurzeln den Fahrbahnbelag in die Höhe drücken. Bei schnellerem Tempo können die einen durchaus aus der Bahn werfen oder zumindest zu einem spontanen Schlenker zwingen. Könnte man da nicht gelegentlich mal reparieren? Wer ist überhaupt dafür zuständig? Die Stadtverwaltung verweist mich an das Forstamt, das Forstamt im Landratsamt an ForstBW. Der Landesbetrieb Forst ist für die Koordination aller Aufgaben rund um den Wald und die Forstwirtschaft im Ländle zuständig. “Die Waldwege dienen primär der Bewirtschaftung des Waldes”, erläutert Christoph Weihrauch von ForstBW denn auch auf meine Anfrage hin.

Radfahrer:innen und Freizeitsportler:innen sind also nur geduldet. “Im Vergleich zu anderen Waldwegen ist durch die Asphaltdecke der Alleen ein überdurchschnittliches Qualitätsniveau vorhanden, welches auch den Radfahrenden zu Gute kommt”, so Weihrauch. Die Qualität der Waldwege werde laufend überprüft, ob sie den Anforderungen entsprechen. Das sei bei der Friedrichstaler und der Stutenseer Allee der Fall. Deshalb befänden sich derzeit auch keine Wegunterhaltungsmaßnahmen in diesem Bereich in Planung. Vor etwa zwei Jahren habe die letzte Sanierungsmaßnahme auf der Stutenseer Allee südlich der L 604 stattgefunden.

Stutenseer Allee

ForstBW als Eigentümer des Waldes hat also eine abweichende Vorstellung von Verkehrsinfrastruktur im Wald als ich. Dann nutze ich auf dem Rückweg doch einfach mal die Stutenseer Allee vom Karlsruher Wildparkstadion nach Blankenloch. Sie ist etwas schmaler. Und je weiter ich mich von Karlsruhe entferne, desto schlechter wird der Fahrbahnbelag. Wesentlich mehr Wurzelfallen verhindern hier kombiniert mit Schlaglöchern schnelleres Fahren. Auch das Überholen wird dadurch erschwert.

Unternimmt unsere Stadtverwaltung denn etwas, um ihren Rad fahrenden Bürger:innen eine gute Verkehrsanbindung auf dem Rad nach Karlsruhe zu ermöglichen? “Die Stadt Stutensee setzt sich für eine optimale Radverkehrsinfrastruktur ein”, so die sehr allgemein gehaltene Antwort aus der dortigen Pressestelle.

Gefahrenstellen: Querung der Schnellstraßen

Positives Highlight der Stutenseer Allee ist die Anbindung an Blankenloch, die eine sichere Querung der L560 über eine Brücke parat hält. Ich muss zwar strampeln, dafür aber nicht auf Lücken zwischen schnell fahrenden Autos warten.

Wie ist das denn auf der Friedrichstaler Allee geregelt?

Diese schneidet an mehreren Stellen Schnellstraßen, bevor man in Karlsruhe auf den Adenauerring trifft. Die erste ist die K3579 am Ortsrand von Friedrichstal. Hier ist die Geschwindigkeit der Autofahrer auf 70 Stundenkilometer beschränkt. Der Überblick ist gut, auch wenn im morgendlichen Berufsverkehr schon einiges an Links-Rechts-Bewegung des Kopfes erforderlich ist, bis sich mal eine freie Lücke auftut. Hoffentlich habe ich vor dem Bremsen in einen niedrigen Gang geschaltet, um schnell loszukommen. Weiter geht’s in den Wald.

Der nächste Übergang ist an der L559 zwischen Blankenloch und Halsabschneidersdreieck. Hier hat das Land die Fahrbahn erst kürzlich sanieren lassen. An eine Querungshilfe – eine Verkehrsinsel etwa – hat niemand gedacht, obwohl dieser und ähnliche Punkte in der Befragung durch die Stadtverwaltung vor gut einem Jahr durchaus mehrfach als Gefahrenstellen angegeben worden waren. Von Unterführung oder Brücke wollen wir da mal gar nicht reden.

Straßenüberquerung

Die Stutenseer Stadtverwaltung verweist auf vorhandene Geschwindigkeitsbegrenzungen und Warnschilder. Auf der L559 liegt die Begrenzung bei 80 Stundenkilometer auf der gesamten Strecke. Es ist nicht angenehm, mit dem Rad am Straßenrand zu warten, während Lkws an einem vorbeidonnern. Eine Lücke zu finden, wo von beiden Seiten keine Gefahr droht – nicht alle halten sich an Tempo 80 – ist schwieriger als bei Friedrichstal. Immerhin hat man einen guten Blick in beide Richtungen. “Eine weitere Reduktion der Geschwindigkeit wird seitens der Straßenverkehrsbehörde der Stadt Stutensee in Abstimmung mit dem zu beteiligenden Straßenbaulastträger sowie der Polizei aktuell geprüft”, so Lukas Lang von der Pressestelle. “Straßenbaulastträger” ist die Behörde, die für den baulichen Zustand einer Straße verantwortlich ist und Reparaturen bezahlen muss. In diesem Fall ist es das Regierungspräsidium.

Warnschild auf der L559

Die dritte Querung auf dem Weg zum Schloss Karlsruhe führt auf Höhe der Waldstadt über die L604. Aus meiner Sicht ist das die gefährlichste Stelle der Strecke. Wenn man nach rechts schaut, macht die Straße eine leichte Biegung und verschwindet hinter den Bäumen, so dass man als Radfahrer keinen sehr weiten Blick hat. Auch hier viel Verkehr. Immerhin ist hier der Bau einer Querungshilfe in Aussicht. Das Regierungspräsidium teilt mit, dass es deswegen mit der Stadt Karlsruhe im Gespräch sei. Für die L559 bei Blankenloch liege hingegen kein Planungsauftrag vor. Da ist Karlsruhe wohl weiter als Stutensee.

Radwege in Stutensee: Maßnahmen in Arbeit

Wie sieht es denn mit den Radwegen auf der Stutenseer Gemarkung aus? Wo sind die eigentlich? Einen Radwegeplan gibt es für Stutensee nicht. Auch das war ein Vorschlag aus der Fragebogenaktion gewesen. Immerhin seien die mit dem Rad gut benutzbaren Wege im Stadtplan rot gekennzeichnet und auch entsprechend vor Ort ausgeschildert, so Lukas Lang. Nur für Schüler der nördlichen Stadtteile gebe es einen Radschulwegeplan. Der städtische Bauhof habe zudem in den letzten Monaten Schlaglöcher auf allen Stutenseer Landwirtschafts- und Fahrradwegen ausgebessert. Im dritten Quartal soll der Weg zwischen Friedrichstal und Blankenloch entlang der Bahnstrecke durchgehend asphaltiert werden. In Staffort steht im vierten Quartal die Erneuerung der Pfinzbrücke an.

Radschnellweg: Wer plant?

Zugegeben, die Situation könnte für Menschen, die mit dem Rad zur Arbeit von und nach Stutensee fahren wollen,  schlechter sein. In Richtung Karlsruhe verdanken wir das hauptsächlich der Friedrichstaler Allee. Bedauerlich nur, dass vernünftige Radverbindungen bei den Entscheidungsträgern scheinbar keine besonders hohe Priorität haben. Weder was die Beschaffenheit des Belags anbelangt, noch bei den gefahrenträchtigen Querungungen der Schnellstraßen oder bei der Ausschilderung im Wald. Gar nicht zu sprechen von der innerörtlichen Radinfrastruktur und deren Anbindung an andere Verkehrsmittel. Möchte man mehr Menschen auf das Rad bekommen – sei es aus gesundheitlichen und Klimaschutz- oder sonstigen Gründen – sollten die Verantwortlichen die Sache ernster nehmen als einen Freizeitspaß, dann ist die Alltagstauglichkeit von herausragender Bedeutung.

Ein Radschnellweg würde da andere Voraussetzungen schaffen. Angefangen von einer vorgegebenen Breite bis hin zur Vermeidung von Querungen und einer Trennung vom Fußverkehr. Eine solche Radtrasse wird es aber zwischen Stutensee und Karlsruhe in absehbarer Zeit nicht geben, auch wenn den Bürgern vor einiger Zeit Hoffnung diesbezüglich gemacht wurde. Aus Ressourcengründen hat die Planung dieser Strecke keine Priorität im Regierungspräsidium – es gebe ja schließlich die Friedrichstaler Allee. “Wenn einzelne Kreise oder Gemeinden einen weiteren Landes-Radschnellweg realisieren möchten, müssten sie das Vorhaben gegen Ersatz der entstehenden Planungs- und Verwaltungskosten selbst planen”, so die Behörde. Ob sich da jemand angesprochen fühlt?

Bildquellen

  • Stutenseer Allee im Hardtwald: Martin Strohal
  • Friedrichstaler Allee im Hardtwald: Martin Strohal

Kommentare

Vauef

Ich fahre die Strecke (ins selbe Bürogebäude wie Du) seit mehreren Jahren zu jeder Jahreszeit. Mal mit einem Trecking-, mal mit einem Gravelbike. Ich nutze die Friedrichstaler Allee bis kurz vor den Adenauer Ring, wo ich Richtung Westen über Schotterpisten auf den Kanalweg radle. Diesen fahre ich durch bis zur Erzberger und dann diese entlang. Weiter durch die Lessing und hinter dem ZKM entlang.
Dabei fahre ich meist in recht hohem Tempo.
Daher kann ich Deine Kritik am Belag nicht ganz nachvollziehen. Stimmt, es gibt einige Stellen an denen die Wurzeln den Belag anheben, aber nach der dritten Fahrt kennt man die und weiß, wie man diese am besten überfährt.
Auch die Straßenquerungen sind kein Problem und bremsen nur mäßig aus. Ich stehe selten länger als 10-20 Sekunden an einer dieser Querungen. Viel mehr als dieses mehrmalige Kopf schwenken und Wurzeln ausweichen würden mich andauernde Ausbesserungsarbeiten oder gar ein monatelanger Brückenbau behindern.

-kwg-

Wenn 10 nun über den Zustand schreiben, haben wir noch einmal andere Eindrücke des Zustandes. Der eine beurteilt so, der andere findet es gut. Sachlage ist aber, die Tatsache, dass Radfahren auf Radwegen von Stutensee nach Irgendwo, demnächst keine wesentlichen Veränderungen erfahren wird. Und das trotz den großen Versprechungen der Fahrradsympathisanten aus Stuttgart, Karlsruhe und Irgendwo. Ich gebe Martin Strohal recht. Alles ist nicht so vollkommen, wie es sein könnte, in den heutigen, hochstilisierten Radelzeiten.

maction

Wege, die von Radfahrern typisch abseits der Straßen genutzt werden (mehrheitlich Feld- und Forstwege), sind oft in nicht akzeptablem oder sogar gefährlichem Zustand. Dies wird oft durch Verwerfungen über Wurzeln und durch tiefe Schlaglöcher verursacht.
Abgesehen von millionenschweren Großprojekten (Radschnellwege) sehe ich bisher leider kaum zielführende Aktivitäten; ganz zu schweigen von Resultaten. Dies sehe ich leider auch in Stutensee so gegeben. Eine konsequente Pflege der Wege und selbst kleine Maßnahmen mit überschaubarem Budget gibt es anscheinend nicht. Abfräsen und Löcher stopfen kostet nicht die Welt. Kartierung und Veröffentlichung einer lokalen Radwegekarte kann durch Ehrenamtliche unterstützt werden Querungshilfen an stark befahrenen Straßen…
Ein Blick in die Niederlande zeigt was möglich ist und wie weit wir auch in Stutensee noch weg von einer fahrradfreundlichen Kommune sind.


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