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Bahnausbau: “Gemeinsam mehr Durchschlagskraft”

Güterzug (Symbolbild)

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 29.03.2021 16:20 | 13 Kommentare

Etwa 90 Teilnehmer:innen hatten sich in die Zoom-Konferenz der Freien Wähler am Donnerstag Abend eingeloggt. Der große Andrang war dem brisanten Thema geschuldet: Es ging um den Ausbau der Bahnstrecke zwischen Karlsruhe und Mannheim. Die Diskutierenden waren sich einig, dass die Region geschlossen handeln muss, um Einfluss auf die Planungen der Bahn nehmen zu können.

“Die Bahn hat’s eilig”, stellte Gerd Hager, Direktor des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein, fest. Schließlich liege Deutschland im Plan den anderen Ländern am Streckenverlauf Rotterdam – Genua hinterher, und hier sei der Abschnitt Karlsruhe – Mannheim das Schlusslicht.

Vertreten waren auch die Bürgerinitiativen aus Karlsdorf-Neuthard und Graben-Neudorf. Deren Sprecher Daniel Metz und Dietrich Knoche betonten, sich nicht nur für ihre Heimatorte einsetzen zu wollen. Wichtig sei es vielmehr, dass die ganze Region zusammenhalte. Ebenfalls sei es nicht das Ziel der Inititiativen, die Trasse komplett zu verhindern. Vielmehr solle eine verträgliche Lösung für Mensch und Natur gefunden werden. Metz zeigte sich zudem positiv von der Transparenz und Präzision der Bahn überrascht.

Oberbürgermeisterin Petra Becker sprach sich insbesondere gegen eine Trasse aus, die durch oder nah an Stutensee vorbeiführen könnte. Sie wolle “mit Vehemenz gegen eine übermäßige Belastung der Bürger” vorgehen. Dabei seien auch die linksrheinischen Varianten zu prüfen. “Ich werde mich für die Interessen unserer Bürger einsetzen.” Ihr gehe es jedoch nicht um das “Sankt-Florians-Prinzip”. Im kommenden Jahr sollen ihrer Information nach noch zehn Varianten im Gespräch sein.

Anders schätzten die Bürgerinitiativen die zeitliche Dimension ein. Die jetzt gefundenen Grobkorridore seien die Grundlagen für die Trassenfindung. Wo kein Grobkorridor sei, werde auch nicht nach einer Trasse gesucht. Gleichzeitig seien die Korridore auf der rechtsrheinischen Seite teilweise so schmal, dass sie einem Linienverlauf entsprächen. Dietrich Knoche nannte Beispiele für Raumwiderstände, die ihm nicht schlüssig erschienen. Alles sei jetzt im Detail zu prüfen.

“Ich bin tief besorgt, wie das Dialogforum abläuft”, äußerte sich Graben-Neudorfs Bürgermeister Christian Eheim. Ihn störe, dass die linksrheinischen Varianten mit Verweis auf längere Streckenverläufe so schnell abgetan würden. Ebenso kritisierte er das “Bündelungsgebot”. Danach spielt der Raumwiderstand aufgrund eines Siedlungsgebiets keine Rolle mehr, wenn die neue Trasse mit einem bestehenden Verkehrsweg – Bestandstrasse, beispielsweise durch Blankenloch und Friedrichstal, oder Autobahn – gebündelt wird. “Wir brauchen viel mehr Zeit”, so Eheim. Was jetzt entschieden wird, sei Grundlage für den weiteren Prozess.

Hager dämpfte die Hoffnungen etwas. Das Beteiligungsformat sei auf zwei Jahre ausgelegt, und bislang halte die Bahn daran fest. Sein Regionalverband habe jedoch ein Planungsbüro beauftragt. Das koste zwar, aber nur so könne man mit der Bahn auf Augenhöhe argumentieren. Er forderte einen fairen Vergleich aller Varianten. Allerdings sei klar: “Irgendwo muss man durch.” Um bei der Bahn wahrgenommen zu werden, müsse die Region eine gemeinsame Linie verfolgen: “Unsere Durchschlagskraft ist groß, wenn wir zusammenhalten.”

Das betonte auch Eheim mit Verweis auf den Trassenbau in Südbaden mit dem Tunnel bei Rastatt. Dort hätten die Bürger gekämpft und vom Bundestag viele Millionen für mehr Lärmschutz erhalten. Es sei sogar durch Unterstützung von Land und Bund eine teurere Streckenvariante gewählt worden, die von der Region vorgeschlagen worden sei, ergänzte Hager.

Aus den Reihen der Veranstaltungsteilnehmer betonte Ludwig-Wilhelm Heidt, Ortsvorsteher von Staffort, dass für ihn aufgrund der jetzt schon hohen Lärmbelastung weder der Ausbau der Bestandsstrecke noch ein Neubau entlang der A5 in Frage kämen. Friedrichstals Ortsvorsteher Lutz Schönthal erklärte, dass die örtliche CDU bereits direkt mit dem Bundesverkehrsministerium in Kontakt stehe, um einen Ausbau der Strecke durch Stutensee zu verhindern. Der frühere Blankenlocher Ortsvorsteher Hanspeter Gaal hingegen rief dazu auf, positiver zu denken. Eine gute Lösung gebe es nicht nur beim Nachbarn.

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  • Güterzug: Martin Strohal

Kommentare

-kwg-

Die Schiene steht wie bereits kein anderes Verkehrsmittel für klimaschonende Mobilität. Das ist auch der Grund warum die Schiene weiter gefördert werden sollte. 60 % des verbrauchten Schienenstroms stammt heute aus erneuerbaren Energien. Die Bahn sorgt für höchste Lebensqualität, steht für sicheren Verkehr, fördet die Gesundheit, ist für uns als Exportnation unverzichtbar, der Flächenverbrauch der Bahn ist gegenüber PKW/LKW-Flächen fünfmal geringer. Aber trotzdem kommen jetzt die Vorbehalte aus der Bevölkerung- massiv. Und nicht nur bei neuen notwendigen Bahnlinienerweiterungen. Stromtrassen. Windkraftanlagenbau. Wasserstofflagerung. Wasserspeicher für Spitzenlasten. Auch Wohnraum in der Fläche lassen grüßen. Mehrheitlich wollten wir das einmal so haben. Große Kraftwerke sind eigentlich nur durch ihre dampfenden Kühltürme wahrgenommen worden. Meist weit draußen an Flüssen mit ausreichend Kühlmittelangebot gebaut. Jetzt sieht man was durch den Rückzug aus Kohle und Kernkraft entsteht. Windkraftanlagen ja- aber nicht bei mir in der Nähe. Auch nicht im Pfälzer Wald und auf der Zugspitze. Für diese ablehnende Haltung und die Meinungsbildung in unserer Gesellschaft gibt es keine Lösungen. Wer den Wohlstand erhalten will, muss sich das gefallen lassen. Muss in den sauren Apfel beissen. Demonstrierende Bürgerinitiativen bilden sich – welche diese Entwicklungen bereits vor langer Zeit so eingefordert haben. Jetzt ändert sich die Situation. Noch stehen keine riesigen Windkraftanlagen auf Stutenseer Gemarkung. Aber die Bahn will sich jetzt hier noch mehr einnisten. Mit weiteren dringend notwendigen Schienensträngen. Mehr Krach und Radau. Mehr Umwelt-Belastungen. Die Stimmung dreht sich. Auch in Stutensee. Bedenklich die Worthülsen: Die Bahn hats eilig. Die Strecke MA-KA ist das Schlusslicht beim Ausbau. Eine verträgliche Lösung für Mensch und Natur sollte gefunden werden. Mit Vehemenz gegen eine übermäßige Belastung der BürgerInnen vorgehen. Kein Sankt-Florians-Prinzip. Schon die engmaschigen, scheinbar in der Nähe zum Bürger liegenden Grobkorridore, machen verdächtige Sorgen. In Rastatt gabs für die harte Gangart – Lärmschutz. Na wenn es das sein soll, das ist ja schon was. Lärmschutz für Demo. Ein Satz macht Hoffnung, dass von Bund und Land bei Rastatt eine teurere Streckenvariante gewählt wurde. Das Handeln und das Nachdenken von Herrn Heidt durch vernünftige Lösungen zu einem Ergebnis zu kommen, gibt mir Hoffnung. Ob allerdings der vom Friedrichstaler Ortsvorsteher Schönthal bestehende Direktkontakt ins Verkehrsministerium zu einem Erfolg führen wird, ist aufgrund der bevorstehenden Bundestagswahl mit Coronawahlfaktor und der anschließend in diese Zeitphase einer Bahn-Entscheidung fallenden politischen Reinigungsprozesse als kritisch zu sehen. Solange im Königsee oder im Tegernsee noch keine „OFFShoreWindräder“ ihre Runden drehen, der Chiemsee nachts nicht zur Speicherung abgepumpt, und solange die Watzmann-Ostwand nicht zur Installation von Photovoltaikplatten genutzt wird, solange habe ich noch Hoffnung, dass die Grüne Frau Schwarz, sowie die Herren Mayr und Jung, nachdem sie ihr Büro eingerichtet haben, in Stuttgart und vielleicht? der Fischer-Nachfolger Zipelius in Berlin das machen, was man früher zum Betreiben von Zügen gebraucht hat — Ordentlich DAMPF. Dann wird sich auch zeigen, wie das vom kommunalerfahrenen positiven Denker Hans-Peter Gaal mit der aufzuteilenden Nachbarschaftslösung zu verstehen war. Geld darf keine Rolle spielen, hat @FH eingeworfen. Gut gesagt – aber es muss auch irgendwo in diesen Größenordnungen hereingewirtschaftet werden. Denn diese Bahnlinie endet nicht in KA und auch nicht in MA. Und da sind auch wieder welche, die das etwa genau so sehen, wie wir in Stutensee. Es gibt viel zu tun – Packen wirs an.

FH...

… eine sehr gute Zusammenfassung, Herr Strohal. Es fällt auf, dass fast alle Teilnehmer argumentativ vorgehen (Planungsbüro beauftragt, vergessene Korridore suchen, verträgliche Lösung finden durch fairen Vergleich, nicht nur die eigenen Interessen vertreten, als Region handeln, gemeinsames Vorgehen, Kriterien und Zeithorizont hinterfragen, Erfahrungen anderer Streckenbauten einbringen, etc.) – bis auf unsere aktiven Lokalpolitiker Becker, Schönthal und Heidt, die außer „bei uns in Stutensee nicht“ nichts, und schon gar nichts Konstruktives, beitragen. Will man ernsthaft so in einen ergebnisoffenen Beteiligungsprozess gehen?

-kwg-

Wenn man sich die teils fertiggestellten Streckenverläufe zwischen Basel und Rastatt einmal aus der Luft genauer betrachtet, wird man feststellen, dass die alte Streckenführung eine hohe magnetische Anziehungskraft auf die Neubaustrecke ausübt. Die direkte Nähe zur bereits bestehenden Rheintalbahn wird regelrecht gesucht. Sollte das so sein, wird man über die zwei oder drei Flaschenhälschen in Friedrichstal sicherlich mit einer gut gefüllten Brieftasche verhandeln können. Die von Herrn Heidt entwickelte Vision vom Stelzenbau wäre dann wahrscheinlich nur noch bei querenden Strassenunterführungen angebracht. Eine teilweise Tunnelröhrenlösung mit abschnittbedingten, offenen Tiefverlegungen durch Friedrichstal und Blankenloch, scheint sich dann als Variante “Bürgerberuhigung” anzubahnen. Vielleicht könnte man noch, als Kleingedrucktes im dicken Vertragswerk, eine kleine städtische Schuldenabbaufinanzierung, in Form einer großzügigen Bahnspende, als Akzeptanzbeschleuniger, herausschlagen. Limburger stinkt auch schon, solange er noch verpackt ist. Und mir sticht ein komischer Geruch in die Nase.

Andreas Haßmann

Hallo KWG
ich freue mich über die Unterstützung bei meiner befürchteten Variante. Schnellste ,billigste und da einer Trasse folgend, mit wenig Raumwiderstand zurechnen .

-kwg-

Das wäre für den Ortsteil Staffort und seinen Ortsvorsteher Herrn Heidt eine akzeptable Linienführung. Aber wie Sie, Herr Hassmann, schon befürchteten, sind auch mir in den vielen abgegebenen Zwischentönen der Statements, und der Lage bereits vorhandener Bauwerke südlich von KA, mit einer Linienführung nah an die Bestehende heranzukuscheln, Zweifel aufgekommen. Die für die Bahn beste, schnellst umsetzbare und wahrscheinlich auch günstigste Variante, scheint in der Nähe der alten Bahnlinie zu liegen. Auch die grüne Zurückhaltung ist irgendwie bei dieser Thematik etwas urkomisch, zumal ja auch schon der Verkehrsminister Hermann das deutsche Schneckentempo anmahnte und Tunnelbau für zu kostspielig hält. Am Bauchgefühl gepaart mit durianartigem Limburger – Eau de Toilette – ist meist etwas dran. Mal sehen wann Ihre Vorahnung und der derzeit noch sehr leichte Gestank zum Himmel, weitere Geschmacksformen annimmt. Nachdem man bereits vor 12 Jahren mit einer Baufertigstellung rechnete, ist der Druck nun über eine schnelle Lösung zum Ziel zu kommen, enorm gewachsen. Das lässt großen Visionen und Schwärmereien keinen zeitlichen Raum. Der Raumwiderstand wird sich bestimmt im niedrigen Bereich bewegen, und der Bürgerwiderstand wird höchstwahrscheinlich auch nicht die Massen erwarten lassen, mit denen viele vielleicht rechnen. Wenn in den Niederlanden die bereits verlegten Schienenstränge nicht schon wieder verrostet sein sollen, wird jetzt Deutschland zu einer Verfahrensbeschleunigung angehalten. Spannende Geschichten warten auf die Bahnanlieger.

FH...

… bekanntlich ist die kürzeste Verbindung zweier Punkte eine Gerade. Daher besteht in der Tat die große „Gefahr“, dass die Strecke von Graben-Molzau (bis dahin gibt es schon 4 Gleise) nach Karlsruhe als Ergebnis des Findungsprozesses durch Graben-Neudorf, Friedrichstal, Blankenloch, Büchig und Hagsfeld entlang der schon liegenden Gleise führen soll. Darauf muss man sich vorbereiten und z.B. einen Blick über den Stutenseer Tellerrand wagen: Beispielsweise auf die Neubaustrecke Frankfurt – Mannheim, deren Planung jüngst fertig gestellt wurde. Von den knapp 15 km zwischen Lorsch und Mannheim werden gut 10 km aus Lärmschutzgründen in Tunneln verlaufen, obwohl die Trasse dort fast ausschließlich durch Wälder bzw. Ackerfläche führt, also auch oberirdisch verlaufen könnte. Wenn hier schon ein Tunnel gebaut wird, dann doch erst recht, wenn ggf. die Trasse entlang der bereits liegenden Gleise durch unsere Ortsteile und die der Nachbargemeinden verlaufen soll.

Frieder Demuth

Ich beobachte seit Jahren die Bahnausbaugeschichte zwischen Frankfurt und Basel. Zwischen Mannheim und Karlsruhe existieren 5 Gleisstränge. Die Herrn von der DB AG wollen aus Geschäftsgründen die neue “Bahnlinie” nicht durch das Bunddesland Rheinland Pfalz führen. Der Ausbau der Eisenbahn im Rheintal nach Basel ist eine Aufgabe der Republik Frankreich und der Bundesrepublik Deutschland. Ich habe schon in einem anderen Beitrag darauf hingewiesen. Wo ist der Einsatz der Europa Abgeordneten???

-kwg-

Fast mit “geübter Demut” lieber Herr Demuth, fallen die politischen Reaktionen im Schnellschußverfahren aus und die Hoffnungen auf Erfolg sind schon einmal etwas eingedämpft.
Es scheint so, dass gewählte Direktmandatler und nachstoßende Listengewählten derzeit andere, viel wichtigere Aufgabenbereiche abarbeiten. Maskendeals, Impfdosen, Spendendosen, Kaviar in Dosen usw. Mal sehen wann die ersten Erfolgsmeldungen zum aktuellen Bahngeschehen für die Bürger politisch hörbar oder lesbar werden. Bis auf den CDU-Ehrenvorsitzenden, ehemaligen Blankenlocher Ortsvorsteher, ehemaligen Kreisrat, ehemaligen OB-Vertreter, heute noch Eisenbahnliebhaber und ehrenamtlichen Dampf-Lokführer mit gültigem Einheizerdiplom, der mit seinem Aufruf zum positiven Denken und dem Nachbarschaftsschutz, schon die Linienführung mal etwas auslotet, ist es doch ungewöhnlich ruhig im Städtchen zu diesem in einigen Jahren einmal sehr geräuschvoll werdenden Bahnlinienthema.

-kwg-

EILMELDUNG—EILMELDUNG—EILMELDUNG—EILMELDUNG—EILMELDUNG—EILMELDUNG—Eilmeldung von Verkehrsminister ANDY SCHEUER zum Thema Bahnlinie zwischen MA-KA-BA.
Forschern ist es gelungen Güterzüge von MA nach KA + BASEL zu beamen. Kein Ausbau notwendig.
APRIL—APRIL—APRIL—APRIL—APRIL—APRIL—APRIL—APRIL—APRIL—APRIL—APRIL—APRIL—APRIL

Otto L.

Ich habe den Eindruck, daß man sich hier gerade Manche den Ausbau der Bestandsstrecke schönreden wollen. Aber so einfach geht das nicht. Die Lage ist jetzt schon grenzwertig.

Als Anlieger der Bahnlinie in Blankenloch erlaube ich mir darauf hinzuweisen, daß wir hier neben den 90dB Schallpegel am Wohnzimmerfenster auch noch übelste Erschütterungen aus dem Bahnbetrieb haben.

Zur Zeit sind die Erschütterungen bei manchen Zügen erdbebenartig. Das heißt, man verspürt bei manchen Zügen schwerste Horizontalschwingungen des ganzen Hauses. Geschirr im Schrank und festinstallierte Küchengeräte resonieren lautstark. Der Computerbildschirm fängt an zu wippen. Die jüngste Gleisstopfaktion der DB war leider ohne Ergebnis. Ich glaube nicht, daß die Befürworter von Streckenausbau durch Wohnlagen sich vorstellen können, was das für die Anlieger bedeuten würde.

-kwg-

Das Gutachten zu den neuen Häusern absolut direkt am Rand der Bahnlinie habe ich aber anders gelesen. Ich bin nicht für einen großen Ausbau, aber ein Tunnel würde ihr Problem deutlich verbessern. Und das muss bei dortigen Streckenführung drin sein. Gibt es schon Widerstand in Ihrer Nachbarschaft?

Otto L.

Nur weil es hier angesprochen wird schreib ich da noch was dazu:

Es gibt eigentlich kein “Gutachten” zur Bebauung Bahnhofstrassse West.
Der Autor hat seine Arbeit wohlweislich nur als “Erschütterungstechnische Untersuchung” deklariert. Der Grund dafür wird zwischen den Zeilen ersichtlich. Er war mutmaßlich sauer auf seinen Auftraggeber, den Bauherren, aber mußte trotzdem liefern.

Das umfangreiche Werk ist gewiss zäh zu lesen, ersatzweise empfehle ich das Lesen nur der Seiten 16,17,18 und 31.

Seite 16: Bei der ersten Messung war am Messpunkt “Homogener Kies- bzw. Sandboden”.
Seite 17: Der Autor stellt fest, daß zwischen erster und zweiter Messung “bauseits ein Bodenaustausch stattfand”. Das klingt abenteuerlich!
Daß auch noch eine Horizontalsperre aus Plastikfolie eingebaut wurde, blieb ihm wohl verborgen.
Seite 18: Der Autor hat 80% seiner Messwerte verworfen, da er sie keiner bestimmten Zugart zuordnen konnte. Die standen wohl nicht im Fahrplan. Die “Untersuchung” und die Berechnungen basieren zuletzt nur auf 23 gemessenen Zugdurchfahrten, das ist kein Witz.
Seite 31: Der Autor fordert zur Wiederherstellung einen zweiten Bodenaustausch als Voraussetzung für die Bebauung.
Zitat: „Durch einen geeigneten Bodenaustausch sollten im gesamten Baufeld einheitliche, für die Erschütterungsreduktion günstige Bodenverhältnisse geschaffen werden.“
Ein solcher Bodenaustausch lies sich bis heute bei regelmäßiger Beobachtung und Fotodokumentation nicht feststellen.

Vom Tunnelbau ist nur dann eine Verbesserung zu erwarten, wenn abseits der Wohnbebauung untertunnelt wird. In Rastatt und Offenburg verlaufen die Tunnel ganz überwiegend unter Gewerbegebieten und nur unter sehr wenigen Wohnhäusern. Die Bahn weiss, warum sie diesen Aufwand betreibt. Bei einem Tunnelbau unter der vorhandenen Trasse werden bei Stutenseer Bodenverhältnissen und Grundwasserstand künftig auch die zweite und dritte Bauzeile von den Erschütterungen betroffen sein.

Zum Widerstand der Betroffenen kann ich noch nichts sagen, Blankenloch tut sich manchmal etwas schwerer als andere Gemeinden, wie Hagsfeld, Karlsfeld oder Graben.

-kwg-

Lieber Herr L. Otto. Ich habe meine Einschätzungen zu diesem Bauvorhaben “Westlich der Bahnhofstrasse” vom 8.5. 2018 klar verdeutlicht. Wenn es nun so kommt wie es aussieht, dann würde ich Ihnen empfehlen, speziell diesen Bericht von Mein Stutensee – nochmals auch auf die Kommentierungen hin zu durchleuchten und dann eine eigene Bewertung des dort ABGEDRUCKTEN zu machen.