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Kandidat:innen zum Wahlausgang

Symbolbild

Bild: Ingo Bartussek/Fotolia.com

Von Martin Strohal | 16.03.2021 21:18 | 3 Kommentare

Die Landtagswahl ist vorbei, die Kandidatinnen und Kandidaten stehen vor den Ergebnissen ihrer Wahlkampfbemühungen. Wir haben sie gefragt, ob sie mit dem Erreichten denn zufrieden sind, ob sie positiv überrascht wurden oder bessere Zahlen erwartet hatten.

Im Folgenden werden die Kandidat:innen in der Reihenfolge wie auf dem Stimmzettel aufgeführt.

Andrea Schwarz (Grüne, Erstmandat)

Land: 32,6 %, Wahlkreis: 32,0 %, Stutensee: 33,6 %

Die Wahl hat gezeigt: Unsere Demokratie funktioniert trotz schwieriger Voraussetzungen durch die Pandemie. Dieses Wahlergebnis ist ein historischer Erfolg für uns Grüne. Ich danke allen Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfern, die unter erschwerten Bedingungen für die Ziele der Grünen geworben haben. Die Wählerinnen und Wähler haben meiner Partei und mir persönlich den klaren Auftrag erteilt die nächste Regierung im Land zu führen. Ich bedanke mich für dieses große Vertrauen. Die Wählerinnen und Wähler haben deutlich gemacht: Winfried Kretschmann soll weiter Ministerpräsident bleiben und unser Land führen. Sie haben ihm und uns Grünen einen klaren Auftrag zur Bildung der nächsten Landesregierung übertragen. Wir bedanken uns für dieses große Vertrauen.
Wir wissen heute Abend noch nicht, mit wem wir wollen. Aber wir wissen ganz genau, was wir wollen. Nämlich mehr Klimaschutz, mehr Innovation, mehr Zusammenhalt für Baden-Württemberg. Wir stehen vor entscheidenden Jahren: Das Klima schützen, unseren Wohlstand auf ein neues Fundament stellen, die liberale Demokratie verteidigen. Das Land braucht deshalb eine stabile Regierung, die die Veränderungen der Zeit aktiv gestaltet und dabei den Zusammenhalt unserer Gesellschaft im Blick behält und niemanden zurücklässt. Ich freue mich über das fantastische grüne Ergebnis in Stutensee. Mit 33,6 Prozent liegen wir hier über dem Landesschnitt. Stutensee ist grünes Kernland.

Ansgar Mayr (CDU, Zweitmandat)

Land: 24,1 %, Wahlkreis: 23,0 %, Stutensee: 24,5 %

Über meinen Einzug in den Landtag freue ich mich sehr und ich möchte in den kommenden fünf Jahren für die Menschen eine starke Stimme der Region in Stuttgart sein. Aber die CDU hat in Baden-Württemberg ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Das trübt die Freude natürlich stark. Die Gründe müssen jetzt analysiert werden und die Analyse darf danach nicht in der Schublade verschwinden. Die CDU muss die Gründe ernst nehmen, die zu diesem Wahlergebnis geführt haben. Sicherlich haben die Grünen mit Ministerpräsident Kretschmann eine Art Kultfigur. Aber es wäre zu einfach zu sagen, dass die CDU ohne Kretschmann die Wahl gewonnen hätte. Die CDU muss sich erneuern, inhaltlich und personell.
Bei den Umfragen zur Landtagswahl haben die Demoskopen ja auch die Frage nach der Wunschkoalition der Wählerinnen und Wähler gestellt. Bei allen Umfragen war die bisherige grün-schwarze Koalition auch die Wunschkoalition der Bevölkerung – die Ampelkoalition hingegen war dabei stets die unbeliebteste Variante. Grün-Schwarz hat unterm Strich erfolgreich und geräuschlos gearbeitet, wenn man von üblichem Wahlkampfgetöse mal absieht. Grün-Schwarz könnte auch ein Modell für die kommende Legislaturperiode sein und hätte breiten Rückhalt in der Bevölkerung.

Andreas Laitenberger (AfD)

Land: 9,7 %, Wahlkreis: 11,2 %, Stutensee: 9,8 %

Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, auch wenn es für mich persönlich nicht gereicht hat. Wir liegen in unserem Wahlkreis wieder über dem Landesdurchschnitt, obwohl die AfD ingesamt einiges verloren hat. Unter den Voraussetzungen einen Wahlkampf zu führen ist nicht einfach. Die drohende Beobachtung des Verfassungsschutzes, so kurz vor der Wahl, hat uns sicherlich viele Stimmen gekostet. Zudem kommt noch die Pandemiezeit, in der die Executive immer am längeren Hebel sitzt, und die Opposition medial untergeht. Der neu gewählten Fraktion wünschte ich natürlich alles erdenklich gute und viel Kraft für diese Legislatur, vielleicht kann ich nächstes Mal dabei sein. 

Stephan Walter (SPD)

Land: 11,0 %, Wahlkreis: 10,8 %, Stutensee: 10,3 %

Wir haben mit etwa 1,2% Verlusten im Wahlkreis fast die gleichen Verluste wie im Landestrend erfahren. Leider konnten wir uns nicht aus dem Kielwasser der Grünen im Pandemiewahlkampf genügend absetzen und der Wahlkreis steht wieder ohne SPD-MdL da. Dennoch blicken wir nun gespannt auf die Regierungsbildung – am besten mit der SPD. Im Falle von Grün-Rot gäbe es dann nur eine Abgeordnete aus den Regierungsfraktionen für den Wahlkreis.

Christian Jung (FDP, Zweitmandat)

Land: 10,5 %, Wahlkreis: 11,4 %, Stutensee: 9,5 %

Ich freue mich sehr über meine Wahl zum Landtagsabgeordneten im Wahlkreis Bretten, bedanke mich herzlich bei allen 8464 Wählerinnen und Wählern für das Vertrauen und für Platz 3 im Wahlkreis mit 11,4 Prozent. Die Freien Demokraten konnten im Wahlkreis bisher noch nie ein Landtagsmandat erringen. Meine bisherige engagierte Wahlkreisarbeit werde ich fortsetzen – ebenso wie meine Schwerpunkte Verkehrs- und Infrastruktur. In diesem Bereich gibt es in der Region Karlsruhe und in Baden-Württemberg viel zu tun.

Heinz-Peter Schwertges (Linke)

Land: 3,6 %, Wahlkreis: 2,8 %, Stutensee: 3,5 %

Die Wahlergebnisse meiner Partei DIE LINKE in Stadt und Landkreis Karlsruhe offenbaren offensichtlich zwei Welten. In den beiden Karlsruher Stadtkreisen lagen unsere Kandidatinnen Christina Zacharias und Anna Jahn knapp unter 7 Prozent. In der Karlsruher Südstadt erzielte Die LINKE sogar super 11,3 Prozent. Anders in den drei Karlsruher Landwahlkreisen, da blieben wir nur unter schlappe 3 Prozent.
Die LINKE ist sichtbar wahlpolitisch erfolgreich, wenn sie wie in Karlsruhe und vergleichbaren Städten, kommunalpolitisch verankert ist, aktiv außerparlamentarisch engagiert sowie sich auf eine linkslibertäre Bewegung – sozial, solidarisch, antifaschistisch und ökologisch – stützen kann. Im ländlichen Raum, wie im Landkreis Karlsruhe, wo diese Wahlvoraussetzungen garnicht oder nicht in der Quantität wie in Karlsruhe Stadt vorhanden sind, war es eindeutig schwieriger Wähler*innen zu mobilisieren.
Allerdings möchte ich auch Selbstkritik üben! Im Landkreis wäre (wahl)politisch mehr drin gewesen! So zum Beispiel am Beginn der Corona-Pandemie vor einem Jahr mit einer resoluten Kritik an den chaotischen Maßnahmen der Bundes-und Landesregierung. Wir hätten uns von Anfang an stärker solidarisch und öffentlich wahrnehmbarer auf die Seite der Menschen stellen müssen, die die Krise ausbaden: Eltern, Alleinerziehende, Studierende, Soloselbständige, Einzelhandel, Gastronomie, Kunst und Kultur usw. Radikal müssen die Proviteure der Krise angegangen werden! Es darf nicht sein, dass Konzerne wie Amazon, Aldi, Lidl und Co gestärkt werden, während mittelständische Betriebe den Bach runtergehen. Nachdem sich der offensichtliche Dilettantismus des Krisenmanagements der Bundesregierung noch durch Korruptionsskandale von CDU-Politikern erweitert hatte, gilt jetzt erst recht in Richtung Bundestagswahl: Knallharte Opposition und Klassenkampf für soziale Gerechtigkeit!

Sascha Oehme (Die PARTEI)

Land: 1,2 %, Wahlkreis: 1,7 %, Stutensee: 2,1 %

Zunächst möchte ich mich bei allen Wähler bedanken, die ihre Stimme abgegeben haben.
Weiter muss ich leider auch mein Versagen zugeben. Mir ist es nicht gelungen, die Nichtwähler an die Wahlurne zu bringen. Hätten mich die 39.718 Nichtwähler gewählt, wäre ich im Landtag. Bei der nächsten Wahl wird das Ergebnis sicher nicht so knapp ausfallen *zwinkersmiley*
Dennoch zeigt sich meine sehr gute PARTEI mit dem Wahlergebnis hoch zufrieden: unser Ergebnis – im Verleich zur letzten Landtagswahl – hat sich vervierfacht
Dieses sehr gute einstellige Wahlergebnis garantiert uns eine Beteiligung an der Wahlkampfkostenerstattung! HURRA!!! Weiter stelle ich fest, dass die Parteien, die im Landtag vertreten waren, insgesamt 5,5 % an die außerparlamentarische Oppisition verloren haben. 
Die sonstigen Parteien erhielten sagenhafte 12,1 Prozentpunkte und sind somit drittstärkste Kraft im Land! Glückwunsch!

Bernhard Barutta (Freie Wähler)

Land: 3,0 %, Wahlkreis: 3,5 %, Stutensee: 3,8 %

Ein Stimmenanteil von 3,5 Prozent im Wahlkreis Bretten ist für mich ein persönlicher Erfolg. Immerhin liegt das Resultat um einen halben Punkt über dem landesweiten Ergebnis von drei Prozent. Noch besser ist es mit 3,8 Prozent in Stutensee gelaufen, was mich besonders freut. Zwar konnten die FREIEN WÄHLER den Sprung in den Landtag nicht schaffen, aber die Ergebnisse bilden eine gute Basis, um in fünf Jahren erneut anzugreifen.
Wir konnten mit unserer Programmatik viele Menschen ansprechen. Leider sind wir mit unserer Partei in der Öffentlichkeit nicht in einem ausreichenden Maße durchgedrungen. Daher war es schwierig, den Bekanntheitsgrad zu steigern. Erst in den letzten Tagen vor der Wahl änderte sich dies und wir erfuhren mehr und mehr Zuspruch. Jetzt geht es daran, die Bundestagswahl vorzubereiten und einen geeigneten Bewerber für den Wahlkreis zu finden.

Thorsten Gary (Die Basis)

Land: 1,0 %, Wahlkreis: 1,2 %, Stutensee: 0,8 %

Es war eine auf den ersten Blick eine fast vermessene Idee, dass ich mich entschied, nur 10 Wochen vor dem Termin zur Landtagswahl für die neue Partei dieBasis ins Rennen zu gehen. Aber zu groß war der Frust und das Unverständnis angesichts der Arbeit der etablierten Parteien, und deshalb habe ich zusammen mit einigen Kollegen in anderen Städten dieses Schritt gewagt, obwohl nur ein niedriger 3stelliger Wahlkampfetat und kaum Zeit zur Verfügung stand.
Umso bemerkenswerter der spontane Erfolg, den ich verbuchen konnte! Neben sehr viel unterstützenden Kommentaren, Mails, Anrufen, Gesprächen schon im Vorfeld konnte ich eine respektable Anzahl an Wählerstimmen verbuchen. Das hat mich darin bestätigt, dass unsere Partei die sich der basisdemokratischen Arbeit verschrieben hat und dabei kritisch die sich größtenteils bisher nicht bewährten Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus begleitet, ein Bedürfnis der Menschen erfüllt. Bemerkenswert ist auch der hohe Anteil an Frauen in unserer Bewegung, die sich die Gleichbehandlung aller Menschen ganz oben auf die Agenda geschrieben hat. Der Wähler hat es offensichtlich gemerkt und goutiert, ich bin hochzufrieden mit meinem Abschneiden und verspreche: Ich mache weiter! Danke an Alle, die mich gewählt haben und an die, die mich auch in Zukunft unterstützen werden!

Johanna Krischke (Klimaliste)

Land: 0,9 %, Wahlkreis: 1,3 %, Stutensee: 1,3 %

Dass die KlimalisteBW die 5%-Hürde am Sonntag nicht schaffen würde, war bereits einige Zeit vor der Wahl abzusehen.
Allerdings haben es neue Parteien immer schwer und zu Corona-Zeiten erst recht, da die Situation den Wahlkampf sehr erschwert hat.
Dafür bin ich mit meinen rund 1,3% im Wahlkreis Bretten ganz zufrieden.
Wir haben das Thema Klimaschutz verstärkt in den politischen Diskurs gebracht und das war unser Ziel.
An dieser Stelle möchte ich auch Frau Schwarz von den Grünen zu ihrem tollen Ergebnis gratulieren.
Damit steht eine Umweltpartei an Baden-Württembergs Spitze.
Nun ist es an den Grünen, zu beweisen, dass sie nicht umsonst mehr Stimmen als die Klimaliste bekommen haben und dass sie Klimaschutz effektiv umsetzen können.

Jürgen Beck (Wir2020)

Land: 0,8 %, Wahlkreis: 1,0 %, Stutensee: 0,8 %

Keine Antwort bis Redaktionsschluss.

Bildquellen

  • Andrea Schwarz: Grüne
  • Ansgar Mayr: CDU
  • Andreas Laitenberger: AfD
  • Stephan Walter: SPD
  • Christian Jung: FDP
  • Hans-Peter Schwertges: Die Linke
  • Sascha Oehme: Die PARTEI
  • Bernhard Barutta: Freie Wähler
  • Thorsten Gary: Basisdemokratische Partei Deutschlands
  • Johanna Krischke: Klimaliste BW
  • Jürgen Beck: Wir2020
  • Abstimmung Wahl: Ingo Bartussek/Fotolia.com

Kommentare

-kwg-

Wenn die CDU nun versucht, ihren seit vielen Jahren angezeigten Abwärtstrend durch eine weitere Juniorpartnerschaft, mit weiter so mit den Grünen, abzumildern um Herrn Strobl einen Job zu sichern, wird der befürchtete Aufwärtstrend noch lange auf sich warten lassen. So schnell wie möglich – SCHLUSS machen- mit lustig und schweren Minister-Dienstwagen, Ärmel hoch gekrempelt, der grünen Kultfigur mal ordentlich Dampf machen, alle Schubladen ausbauen aus den CDU-Schreibtischen, damit nichts darin verschwinden kann, und den sich immer wiederholenden, dauernden Sprüchen, endlich einmal große Taten folgen zu lassen. Die grün-schwarze Geräuschlosigkeit endlich überwinden und mit dem Getöse, wenn es sein muss, selber anfangen, auch wenn dann bei der nächsten Wahl der sichere Listenplatz mit Klappbett im Büro, einem nicht mehr gegönnt wird, von den sogenannten Parteifreunden. Das CDU – Modell der Zukunft kann nicht heißen viel grün – wenig schwarz, sondern muss heißen – zurück zu alter Stärke mit aller Kraft die wir noch haben. Nicht helfen fossile Kultfiguren in anderen Parteien aufzubauen, weil Demoskopen das so sehen, sondern selbst in den eigenen Reihen für Kultfiguren sorgen. So groß habe ich das Wahlkampfgetöse nicht eingeschätzt, wenn allerdings bereits Landtags-Newcomer schon auf die Knie fallen und eine Fortsetzung der Koalition für gut heißen, wird die Freude über einen Einzug in den Landtag nicht von langer Dauer geprägt sein. Ich will keine geräuschlose Landespolitik. Ich will was sehen und was hören für die abgebuchte Vergnügungssteuer. Ja wo sind wir denn da gelandet?

-kwg-

Kleiner Nachsatz noch: Und zu dieser Tarzanpolitik der freien Demokratie, mit der frei schwingenden Liane zwischen Berlin und Stuttgart, dazu sage ich nichts mehr. Das soll der Berater entscheiden. Dazu denke ich mir meinen Teil.

Lord Vader

Zitat Mayr: “Die CDU muss sich erneuern, inhaltlich und personell. ”

Mein Vorschlag: Mit gutem Beispiel vorangehen!