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Schutzkonzept für Stadtwald

Lachwald

Bild: Jonas Riedel

Von Martin Strohal | 01.03.2021 14:01 | 1 Kommentar

In der letzten Gemeinderatssitzung Anfang Februar stellte das Forstamt die Planung für das laufende Jahr in Bezug auf den Stutenseer Stadtwald vor. Zudem wurde die Erstellung eines Schutzkonzepts beschlossen.

“Nutzungs-, Kultur- und Bewirtschaftungsplan” heißt das Werk, in dem festgehalten ist, welche Maßnahmen das Forstamt des Landratsamts im Auftrag der Stadt im Stutenseer Stadtwald vorgesehen hat.

Wie überall in Deutschland ist auch der Wald in Stutensee stark geschädigt. Das hat Auswirkungen auf die Einnahmen der Stadt aus der Forstwirtschaft. Nach einem Verlust von etwa 29.000 Euro im Jahr 2020 geht der Forst im laufenden Jahr von einem Minus von knapp 40.000 Euro aus. Grund dafür ist, dass Verkaufserlöse wegen geringerer Einschläge sinken und die Ausgaben im Bereich “Waldkulturkosten” steigen. Darin enthalten sind Pflanzungen und Sicherung. 850 Festmeter Holz sollen im Jahr 2021 gefällt werden. 490 Festmeter davon sind für Pflegehiebe vorgesehen. Das Forstamt geht davon aus, dass die übrigen 43 Prozent sich aus „Schadgeschehen“ ergeben. Die geplanten Maßnahmen sollen “auf Sicht” gefahren werden. Das Vorgehen wurde vom Gemeinderat mehrheitlich – bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen – gebilligt.

Um künftig Fördermöglichkeiten im Bereich Naturschutz zu erhalten, schlug das Forstamt die Erstellung eines Schutzkonzept vor. Dieses ist Voraussetzung dafür. Dem stimmte der Gemeinderat einstimmig zu.

Der Stutenseer Stadtwald besteht aus Lachwald (nördlich von Büchig), Lochenwald (östlich und südlich von Staffort), Hinterau (östlich von Blankenloch) und Büchiger Hart (südöstlich von Blankenloch). Nicht Teil davon ist der Hardtwald, der sich im Besitz des Landes befindet und von ForstBW bewirtschaftet wird.

Bildquellen

  • Lachwald August 2017: Jonas Riedel

Kommentare

Lachwald-erhalten

Die mehrheitliche Zustimmung zum oben genannten „Nutzungs-, Kultur- und Bewirtschaftungsplan“ steht für ein „weiter so“ in der industriellen Bewirtschaftung im Stadtwald Stutensee. Seit Bürgerentscheid und Amtseinführung von OB Becker 2018 sind in der Waldbewirtschaftung viele Missstände festzustellen. (S.: https://www.Lachwald-erhalten.de).

Bei der Abstimmung wurde vom Gremium die bisherige Überbewirtschaftung im Lachwald ignoriert, ebenso das bodenschädigende Vorgehen bei Holzfällungen in der Büchiger Hardt sowie die Kahlschläge im naturgeschützten Stafforter Lochenwald. Erneut wurde den Forstmärchen der ausführenden Förster Glauben und “Vertrauen” geschenkt.

Karlsruher Bemühungen zur Waldrettung waren den Förstern angeblich nicht bekannt; auch wurden Schutzmaßnahmen dortiger erfahrener Kollegen als unsinnig abgetan. Anstatt im Rahmen der Verkehrssicherung mal nur einen gefährlichen Ast abzusägen, wird in Stutensee gleich der ganze Baum gefällt.

Es wurde nicht darüber debattiert, dass das Stutenseer Forsteinrichtungswerk zur Makulatur geworden ist. Denn es ist 4 Jahre alt und somit sind die Waldschäden der vergangenen 3 Trockenjahre in Folge nicht berücksichtigt.

Ebenso fand keine Debatte über eine Reduzierung der Holzernte statt, wie es in Karlsruhe bereits praktiziert wird. Laut dortiger Pressemitteilung wird als Konsequenz aus den Waldschäden Wert daraufgelegt, Bäume weitgehendst zu erhalten. Beispielsweise wurden dort an alten Buchen Kronenteile von Baumkletterern und vom Hubsteiger aus zurückgeschnitten und die Bäume nicht gleich komplett gefällt. Ebenso lässt das Forstamt Karlsruhe häufig auch Stammteile als „Öko-Torso“ stehen. Sie bilden über Jahre oder gar Jahrzehnte wertvolle Lebensräume für Alt- und Totholz-Insekten. Speziell angeschaffte Geräte, wie fernsteuerbare Fällkeile und Spezialmaschinen, unterstützen die Forstwirte und sollen Unfallrisiken reduzieren. Insgesamt wurde aufgrund der Waldschäden die Holzernte in den vielen Karlsruher Stadtwäldern deutlich reduziert.

Deshalb von uns keine Vorschusslorbeeren für ein beauftragtes Naturschutzkonzept, das anderswo längst praktiziert wird. Insbesondere dann, wenn weiterhin so rücksichtslos abgeholzt wird, wie in den letzten 3 Jahren.
Daumen runter für diese schwerfällige Vorstadtpolitik in Stutensee.