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Friedrichstaler Autorin über einen Lehrer mit Wortmuseum

Autorin Birgit Jennerjahn-Hakenes

Bild: Klaus Eppele

Von Sofie Wirth | 23.04.2021 20:24 | Keine Kommentare

Ein Roman ohne Eile, eine Geschichte, die zum Erinnern einlädt, und ein Happy-End, das zufrieden stimmt – das alles verbindet die Friedrichstaler Autorin Birgit Jennerjahn-Hakenes in ihrem Roman “Zeit verteilt auf alle Wunden”.

Seit 2007 widmet sich die ehemalige Krankenschwester dem Schreiben, veröffentlichte bisher Kurzgeschichten in Anthologien und schrieb mehrere Wander- und Glücksbücher. Der frisch veröffentlichte Roman basiert auf einer ihrer eigenen Kurzgeschichte “Second Word”.

Seit Anfang Februar 2021 ist das Buch erhältlich und ermöglicht mit seinem Inhalt den Einblick in ein Leben, das vollkommen umgekrempelt wird. Mit dem Tod seiner Großmutter wendet sich das Leben des fiktiven Gymnasiallehrers Martin Wachs. Der Tod seiner Eltern ist der Grund, wieso Martin den Kontakt zu seiner Großmutter jahrelang klein gehalten hat, und nun ist es der Tod seiner Großmutter, der alte, verdrängte Erinnerungen wieder hochkommen lässt. Beim Ausmisten des geerbten Hauses wird der Gymnasiallehrer nach und nach mehr mit dem traumatischen Ereignis seiner Kindheit konfrontiert und macht damit einen persönlichkeitsverändernden Prozess durch. Er entzieht sich seinem Beruf als Lehrer, verliebt sich in seine Physiotherapeutin Anouk May und verwirklicht durch ihre Hilfe seine Kindheitsidee der Eröffnung eines Wortladens.

Der Fokus des Romans richtet sich dabei auf die Erfindung eines Wortladens. „Ja. Martin? – Wir machen einen Wörterladen auf.- Wie geht das? – Wir verkaufen unsere Worte. – Du hast recht, sie sind wertvoll“, die Erinnerung an ein Gespräch mit seiner Mutter ist es, die die Idee durch den Roman hinweg begleitet. Das ehemalige Wohnzimmer seiner Großmutter soll zum Wortmuseum werden, in welchem Wörter verkauft und gekauft werden können. Die Bezahlung erfolgt dabei nicht über Geld, sondern über den Wert der Worte. Wortwundertüten, eine Wortvitrine oder Wörter in den Regalen – der Gymnasiallehrer gibt den Worten seine Bedeutung zurück.

Der Entwicklungsprozess von Martin Wachs wird begleitet von Wortneuschöpfungen wie beispielsweise “Summdusche” und Sprichwörtern von seiner Nachbarin Agnes Wondra.

Der Roman richtet sich ganz unabhängig vom Alter an alle, die sich das Bewusstsein für Worte und Entwicklungsprozesse verinnerlichen und Revue passieren lassen wollen. Die Geschichte des Martin Wachs‘ zeigt, wie Erinnerungen aus der Kindheit uns prägen oder uns ein Leben lang begleiten. Die Person des ehemaligen Gymnasiallehrers könnte den einen oder anderen ebenso dazu inspirieren, seinen Wünschen und Träumen nachzugehen. Sein Faible für Sprache macht dem Leser außerdem wieder bewusst, welches Ausmaß Sprache haben kann und welche Bedeutung Worte besitzen.

“Ich mag das Skurrile”, sagt Autorin Birgit Jennerjahn-Hakenes. Die Idee zu einem Laden, der Worte anbietet, kam ihr als Kundin eines Second Hand-Ladens. In dem Roman habe sie auch ihre Lebenserfahrung verarbeitet. Dazu gehören Menschen in Extremsituationen, die sie in 15 Jahren auf Kinderintensivstationen kennengelernt hat. Für das Schreiben habe sie Disziplin und Sitzfleisch gebraucht. “Wer fleißig ist, den küsst die Muse ab und an – je nach ihrer Laune”, sagt sie.

An einem zweiten Teil des Romans arbeitet Jennerjahn-Hakenes nur zaghaft. Dafür wandert sie derzeit durch den Kraichgau. Ihn will sie in einem neuen Wanderbuch beschreiben, nachdem sie bereits “Schwarzwald – Der Norden. Wanderungen für die Seele” veröffentlicht hat.

Bildquellen

  • Birgit Jennerjahn-Hakenes: Klaus Eppele

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