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Gemeinderat vertagt Entscheidung über gemeinsames Nahwärmenetz in Friedrichstal

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 21.05.2021 18:12 | 1 Kommentar

In Friedrichstal soll ein gemeinsames Versorgungsnetz für städtische Gebäude und Einrichtungen der evangelischen Kirche entstehen. Über das Vorhaben sollte der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung entscheiden. Die endgültige Abstimmung musste aber aufgrund eines Vetos der Grünen verschoben werden. Die Fraktion begrüße das Vorhaben prinzipiell, lehnte die gemeinsame Planung von Kirche und Stadt in der vorliegenden Form aber ab. Sie kritisierte vor allem, dass es zum Thema keine Ausschutzsitzung gegeben habe und sich die Stadträt:innen so nicht gut genug auf das Thema haben vorbereiten können.

Im alten Ortskern von Friedrichstal befinden sich mehrere Gebäude, deren Heizungsanlagen veraltet sind und erneuert werden müssen. Auf der einen Seite sind das Einrichtungen der evangelischen Kirchengemeinde – das Pfarrhaus, das Gemeindehaus und die Kirche selbst -, auf der anderen Seite städtische Gebäude wie das Oskar-Hornung-Haus und das alte Rathaus. Die Kirche ist auf die Stadt mit der Idee zugegangen, ein gemeinsames Nahwärmenetz zu erstellen. Der Gemeinderat konnte sich in seiner Sitzung am Montag jedoch noch nicht zu einer Entscheidung durchringen. Die evangelische Kirchengemeinde beginnt aber dennoch mit den bereits machbaren Arbeiten.

Sie hatte bereits vor zwei Jahren mit der Planung einer neuen Heizungsanlage mit Holzpellets für ihre eigenen Gebäude am Friedrichstaler Marktplatz begonnen. Finanzielle Unterstützung für die Sanierung bekommt sie noch für kurze Zeit von der Landeskirche. Alternativen wie eine Wärmepumpe seien geprüft worden, erläuterte Pfarrer Lothar Eisele dem Gemeinderat. Da die Gebäude jedoch schlecht isoliert seien und eine Dämmung für die Kirche finanziell und zeitlich nicht realisierbar sei, sei die Wahl in Absprache mit dem Oberkirchenrat und einem Fachplaner auf eine Pelletsheizung gefallen, die ökologischer als die alte Ölheizung wäre.

Ein erstes Gespräch mit der Stadtverwaltung 2019 ergab noch keine Zusammenarbeit, weshalb die Kirche die Planung weiterhin alleine betrieb. 2021 zeigte sich die Stadt schließlich offen für die Idee, das Oskar-Hornung-Haus an das von der Kirche geplante Nahwärmenetz anzuschließen. Zudem sollte die Heizungszentrale sogar im dortigen Keller untergebracht werden, wo sie die alte Gasheizung ersetzen würde. Die Machbarkeit wurde vom Planungsbüro der Kirche bestätigt.

Stadt und Kirche hätten den Vorteil, sich die Kosten für den Betrieb künftig zu teilen. Die Stadt baue die Pelletanlage, es gebe Zuschüsse von Kirche und Staat. Eine spätere Erweiterung um das alte Rathaus sei möglich, auch wenn an kalten Tagen dann möglicherweise die Gasheizung zur Unterstützung einspringen müsse.

Die Investitionskosten werden auf rund 200.000 Euro netto geschätzt. Durch staatliche und kirchliche Fördermittel von jeweils rund 65.000 Euro verblieben bei der Stadt etwa 70.000 Euro.

Der Friedrichstaler Ortschaftsrat hatte das Projekt im Vorfeld bereits einstimmig unterstützt. “Das ist ein optimales Beispiel einer Zusammenarbeit”, meinte Ortsvorsteher und Stadtrat Lutz Schönthal (CDU). Auch die Freien Wähler begrüßten das Projekt. “Das ist eine innovative Idee der Kirchengemeinde”, urteilte Klaus Mayer (Freie Wähler). Allerdings sei der Zeitrahmen bis zu Beginn der nächsten Heizperiode ehrgeizig.

Ludwig Streib (Grüne) brachte die Kopplung der Anlage mit einer thermischen Solaranlage ins Spiel und bedauerte, dass es diesmal keine vorberatende Ausschusssitzung gegeben habe, um sich mit dem Thema bereits vertraut zu machen. Volker Stelzer (Grüne) lehnte das Vorhaben ab. “Holzpellets zu verbrennen, entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Technik”, befand er. Holz lasse sich nicht CO2-neutral verbrennen. Eine mit Ökostrom betriebene Wärmepumpe würde er bevorzugen. “Es ist enttäuschend, dass nur eine energetische Lösung präsentiert wurde”, so Susanne Suhr (Grüne).

Oberbürgermeisterin Petra Becker wies darauf hin, dass der Gemeinderat zu entscheiden habe, ob sich die Stadt an dem Nahwärmenetz der Kirche beteiligen solle oder nicht. Wenn die Stadt ablehne, baue die Kirche alleine. Es gehe nicht darum, die Planung der Kirche zu bestimmen.

Die SPD könne der Lösung zustimmen, so Wolfgang Sickinger. Holzpellets seien nicht so unökologisch, zumal die Jugendeinrichtung Schloss Stutensee nach Beschluss des Kreistags eine solche neue Anlage bekommen solle. “Ich kann nicht verstehen, warum das so runter gemacht wird.”

Auf Antrag der Grünen wurde die Entscheidung wegen der fehlenden Vorberatung auf die nächste Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik am 7. Juni vertagt. Dafür werde es keine neue Beschlussvorlage mit Alternativen geben, betonte Baubürgermeisterin Sylvia Tröger. Projektplaner sei die Landeskirche, nicht die Stadt. Auf Wunsch der Grünen soll bei der Sitzung Birgit Schwegle von der Energieagentur des Landkreises dabei sein, um ihre Expertise beizusteuern.

“Ich hatte auf ein anderes Ergebnis gehofft”, bedauerte Pfarrer Lothar Eisele. Der Planer dränge angesichts des knappen Zeitrahmens. Die Zusammenarbeit werde jedoch nicht an drei Wochen scheitern, so Eisele. Schließlich blieben 90 Prozent der Anlage gleich, ob sich die Heizung nun im Oskar-Hornung-Haus oder einem kirchlichen Gebäude befinde. Die Kirche werde nun mit den Arbeit beginnen, die in jedem Fall anfallen. “Auf diese Art und Weise geht keine wertvolle Zeit verloren, der Stadt bleibt aber so auch genügend Zeit, noch einmal die einzelnen Punkte gut zu bedenken”, so Eisele gegenüber meinstutensee.de.

Bildquellen

  • Evang. Kirche Friedrichstal: Martin Strohal

Kommentare

FH...

… das kommt dabei heraus, wenn eine Sitzung schlecht vorbereitet wurde. Die „Schuld“ liegt nun aber nicht bei einer Fraktion, die sich aufgrund der Sachlage nicht in der Lage sah, abzustimmen, sondern bei der Stadtverwaltung, der die Sitzungshoheit obliegt, und die keinen vorberatenden AUT vorgeschaltet hatte. Herr Eisele (bzw. sein Projekt) kam da gewissermaßen „unter die Räder“…