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Bundestagswahl: Bildung

Symbolbild

Bild: ArtsyBee/pixabay.com

Von Annalena Krause, Madita Steiner, Marcel Tritschler, Martin Strohal, Sofie Wirth, Sophia Rezazadeh Yazdi | 22.08.2021 11:37 | Keine Kommentare

Am 26. September ist Bundestagswahl. Wir haben die Direktkandidaten in unserem Wahlkreis Karlsruhe-Land befragt, wie sie zu derzeit wichtigen Themen stehen. Dabei haben wir uns auf die Parteien beschränkt, die derzeit im Bundestag vertreten sind. In diesem Beitrag geht es um das Thema Bildung. Wir wollten wissen: Welche Auswirkungen hatten die corona-bedingten Schließungen auf Schulen und Universitäten? Welchen Handlungsbedarf sehen Sie hier, auch im Hinblick auf den Herbst?

Nicolas Zippelius, CDU

Schüler, Auszubildende und Studenten mussten in den letzten knapp eineinhalb Jahren sehr starke Einschränkungen hinnehmen und haben mit ihrem solidarischen Verhalten einen großen Anteil daran, dass die Pandemie hier gut bekämpft werden konnte. Viele von ihnen mussten auf ihre Abschlussfeier in gewohntem Rahmen verzichten, konnten sich mit den Freundinnen und Freunden nur eingeschränkt über den abgeschlossenen Lebensabschnitt freuen und auch etwaige Auslandsaufenthalte, Praktika oder ähnliches haben durch die Pandemie nicht stattgefunden. Studienanfänger haben zwar das Studium begonnen, haben aber den Campus, die neue Stadt oder die Kommilitonen nie richtig kennengelernt, obwohl diese Dinge zur Persönlichkeitsentwicklung dazugehören. Mir ist wichtig, dass wir beim Unterricht und bei der Lehre in Präsenz bleiben bzw. dazu zurückkehren. In den Klassenzimmern und Hörsälen haben alle Kinder, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen die gleiche Chance am Unterricht und am Studium teilzunehmen. Der Austausch mit gleichaltrigen ist eminent wichtig und kann nur zu einem Teil durch Online-Formate ersetzt werden. Für eine Präsenzlehre im Herbst, braucht es auch die Solidarität der Älteren: Denn eine hohe Impfquote schützt die Kinder und Jugendlichen, die sich nicht impfen lassen können. 

Patrick Diebold, SPD

Die Coronakrise und der damit einhergehenden Schließungen von Schulen und Universitäten hat flächendeckend bisher zu zwei verlorenen Jahren in der Bildungspolitik geführt, denn Homeschooling kann auf Dauer den Präsenzunterricht einfach nicht ersetzen. Eine wissenschaftliche Forschung der Studierenden war nicht mehr möglich.
Leider war die Infrastruktur unseres Landes auch nicht darauf ausgelegt. Weder gab es verlässliche und durchführbare Konzepte noch modern ausgestattete Schulen, die das gewährleisten konnten. Und so trafen die Schulschließungen vor allem Schülerinnen und Schüler aus einkommensschwachen Haushalten am stärksten.
Viele Eltern fühlten sich hierbei auch völlig alleingelassen, die neben ihrem Beruf die Kinder zu betreuen hatten und oft viele Abende an den Hausaufgaben und dem Lernstoff verzweifelten. Kinder, die eine besondere pädagogische Betreuung benötigten, blieben über Wochen und Monate von dieser Betreuung abgeschnitten.
Nach den Sommerferien muss daher wieder gewährleistet werden, dass unabhängig von Inzidenzen, der Präsenzunterricht an Schulen und Universitäten wieder stattfindet, notfalls noch mit einer Maskenpflicht in den Innenräumen. Luftreinigungsgeräte sind so schnell wie möglich anzuschaffen, denn wir haben keine Zeit uns erst über den Nutzen Gedanken zu machen oder entsprechende Gutachten einzuholen.

Sebastian Grässer, Grüne

Die Pandemie hat tiefe Einschnitte in unserem Bildungssystem hinterlassen, aber auch viele bereits vorhandene Schwächen und Probleme aufgezeigt und verstärkt. Zunächst müssen wir die verlorene Bildungsqualität der Corona-Schließungen abmildern. Dafür muss das Nachhilfeprogramm der Bundesregierung mit zusätzlicher Sprachförderung, Sport-, Erlebnis-, und Kulturangeboten sowie Beratung und Einzelfallhilfe durch Mentoring, psychologische Beratung und Schulsozialarbeit ausgebaut werden.
Darüber hinaus müssen wir aber auch die unterlassenen Investitionen der letzten Dekade aufholen: Insbesondere brauchen wir eine Neuauflage des DigitalPakt Schule, um unsere Lehrkräfte mit Weiterbildungen zu fördern, aber auch der Breitbandausbau muss endlich ernsthaft voranschreiten, damit alle Menschen unabhängig vom Wohnort die Lernmöglichkeiten durch das Internet uneingeschränkt nutzen können.

Hans-Günther Lohr, FDP

Die Schulen und Unis dürfen keinesfalls wieder geschlossen werden. Kinder haben Priorität und Bildung kann schlecht nachgeholt werden. Das Land muss hier endlich investieren in Digitalisierung und auch in die Klassenzimmer und dazu zählen Luftfilter.Lehrer können und müssen in Krisen besser funktionieren können, so dass es zu keinen ausfällen kommt. Die Ausfälle der Schulen sind auch für die Familien und deren beruflichen Gestaltungen nicht tragbar.
Unser Bildungssystem muss offener und flexibler werden und die kleinsten Kinder und deren Familien dürfen nicht die größten Opfer einer Pandemie sein. Alle Maßnahmen müssen jetzt getroffen werden, damit es nie mehr zu Schulschließungen kommt!

René Rotzinger, AfD

Die Corona-bedingten Schließungen haben das Bildungsniveau um ein Jahr zurückgeworfen. Es sind massive Defizite und Lernrückstände in den Naturwissenschaften festzustellen, aber auch in den Fächern Musik und Sport. Beim Schwimmunterricht spricht die DLRG sogar davon, dass zwei Schuljahrgänge komplett ohne Unterricht aufgewachsen seien. Alarmierend ist auch der steigende Bedarf an psychiatrischer Hilfe für Kinder und Jugendliche. Wir fordern daher die komplette Öffnung im Herbst, ohne Einschränkungen und Maskenpflicht. Es müssen wieder eine komplette Präsenzschulungen auch an den Universitäten stattfinden. Nachschulungen oder Mehrunterricht kann den Schülern nicht zugemutet werden, weil dann auch die Vereine darunter leiden würden. Es hat sich ebenfalls gezeigt, dass wir in Sachen Digitalisierung massiven Nachholbedarf haben und es keine gemeinsame Verknüpfung der Schulen untereinander gibt. Individuelle Insellösungen an Schulen sind nicht zielführend, wir brauchen eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur.

Jörg Rupp, Linke

Es gibt teilweise erhebliche Lücken bei individueller Bildung. Schulen und Universitäten fehlen als sozialer Lernort. Da Kinder unter 12 Jahren nicht geimpft werden können, müssen andere Sicherungsmaßnahmen in den Schulen vorgenommen werden – dazu gehört der Ausbau mit Luftreinigern in jedem Klassenzimmer. Ein breites Impfangebot für Kinder ab 12 Jahren an den Schulen sollte es trotz fehlender Empfehlung der STIKO geben. Nach den Ferien sollten zunächst Lernlücken geprüft und geschlossen werden und Inhalte, die über die Kerninhalte hinaus gehen, nicht mehr unterrichtet werden. Wichtig bleibt dabei aber, dass weder Sport noch musische und kreative Fächer dabei reduziert werden. Nicht zu vergessen: es braucht endlich auch sinnvolle Maßnahmen für die SBBZ – die Familien dort sind wärehnd der 1,5 Jahre weitgehend sich selbst überlassen worden. Wir sollten nicht nur Milliarden für die Lufthansa und Daimler ausgeben – sondern auch und vor allem für die Bildung. Dass die technische und anwendbare Digitalisierung an Schulen und Universitäten nicht ausreicht und es hier große Bildungslücken bei der Lehrerschaft gibt – auch das eine Lücken, die schnellstens geschlossen werden muss

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