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Wo Blankenlocher früher “getauft” wurden

Bild: Olaf Matthei-Socha

Von Olaf Matthei-Socha | 19.09.2021 17:08 | 2 Kommentare

Auf den Spuren der Dorfbach in Blankenloch

Wer heute die Blankenlocher Hauptstraße entlanggeht wird kaum ahnen, dass sich hier vor etwa 60 Jahren noch ein kleines Fließgewässer befunden hat. Wo das Dorfbächlein ursprünglich verlief, aus welchen Wassern es gespeist wurde und was es mit “echten Blankenlochern” zu tun hat, das erfuhren interessierte Stutenseer:innen bei einer Führung des Heimat- und Museumsvereins Blankenloch am vergangenen Wochenende. Walter Scheidle begleitete die Gruppe fachkundig und kurzweilg durchs Gelände. Kaum jemand kennt die Materie so gut, wie der ehemalige Gewässerwart von Stutensee.

Die Dorfbach gehörte über Jahrhunderte zum Leben der Menschen in Blankenloch einfach dazu. Sie erhielt ihr Wasser aus der Pfinz und so führte Walter Scheidle die kleine Schar Interessierter auch zunächst hinter das Schulzentrum zu ihrem heutigen Bett. Ursprünglich war das Gelände östlich der Hardtplatte von den Sümpfen und Auwäldern der sich ständig ändernden Wasserläufe geprägt. Auf dem Weg über den Damm zum Einlasswehr in den Hinteren Wiesen erfuhren die Gäste so einiges über die Geschichte der Pfinz, der Fischteiche und der Alten Bach. Auch “Alte Pfinz” genannt wurde der Ursprung der Alten Bach im 17. Jahrhundert als Graben zur Entwässerung der Sümpfe zwischen Schloss Gottesaue und Hagsfeld neu kanalisiert.

In der Rheinebene war Wasser seit Jahrhunderten das große Thema. Unsere Vorfahren mussten die gewaltigen Fließmengen kontrollieren, wollten sie das Gelände ur- und besiedelbar machen. Auch in und um Blankenloch und den anderen Stutenseer Stadtteilen. Dabei wurde nicht nur der Rhein, sondern auch all die unzähligen Nebenflüsse und Bäche im Rheingraben umgebettet, begradigt, gelenkt. Bis heute zeugen zahlreiche Gräben und Wehre davon. Für die Landwirtschaft war das so bespielte System der Wässerwiesen sehr wichtig: Sämtliches anfallendes Wasser wurde über Gräben und Weiher von Häusern und Straßen weg, auf die Wiesen gelenkt und nach einem festgelegten Prinzip an die einzelnen Besitzer verteilt.

Vom Einspeisungswehr floss die Dorfbach Richtung Ort und querte am Rande der heutigen Siedlung Am Steinweg die Alte Bach. Südlich des heutigen Tolnaplatzes knickte der Lauf auf die Hauptstraße ein und entwässerte wenige Schritte vom Lindenplatz entfernt in die Alte Bach. Walter Scheidle illustrierte den Spaziergang vor Ort eindrucksvoll mit alten Karten und Photomaterial. Da waren Kinder beim Spielen in der Dorfbach, historische Straßenansichten und Bilder von Festen. Einen Zwischenstopp legte die kleine Gruppe zudem an der Wiesenstraße ein. Hier befand sich bis 1906 eine Pferdeschwemme, also eine aus der Bach ausufernde Tränke, die damals aus hygienischen Gründen geschlossen wurde.

Heute zeugt von der Dorfbach fast gar nichts mehr. Nur Eingeweihte wissen, wo das Betongerinne liegt, was sie über die Alte Bach führte. Der Bau einer Straßenkanalisation Anfang der 1960er bedeutete gleichzeitig ihr Ende. Auch der Lauf der Alten Bach ist heute anders. Keine 100 Jahre ist es her, dass ihr nördliches Bett in Blankenloch im Zuge der Pfinz-Saalbach-Korrektur um 200 Meter nach Osten verlegt wurde. Dort, wo wie einst hinter dem Alten Friedhof das Ende des Dorfes markierte fahren heute Autos auf der Badstraße und ensteht ein neues Wohngebiet.

Wer mehr über die bewegte Geschichte der alten Hardtdörfer Blankenloch und Büchig erfahren möchte, ist beim Heimat- und Museumsverein im Kerns-Max-Haus genau richtig. Kontakt: museumsverein@stutensee.net

Bildquellen

  • Dorfbachführung: Olaf Matthei-Socha

Kommentare

-kwg-

Ich finde es SUPER, das diese Geschichten der Nachwelt so erhalten bleiben. Wir haben dort in dem Bach auch noch “Stecherlen” gefangen, oder uns mit einer Wanne in die rasante ” Wildwasserabfahrt” von Brücke zu Brücke begeben. Dem damaligen Klimawandel von heißen Tagen, wurde begegnet, indem die “Alten” mit großen Stilschaufeln, das Wasser aus dem Dorfbach zu Kühlzwecken, über die Hauptstrasse verspritzt haben. Nachdem die Häuser der Westseite, dann endlich abendlichen Sonnenschatten spendeten, wurden sie herausgeholt, die Holzbänke, auf denen dann vor dem Haus, sich bis spät in den Abend hinein, alle Generationen mit Nachbarn zum geselligen Plauschen versammelten. Das eine oder andere Häfelchen Most aus eigenen Bio-Äpfeln aus dem Garten zusammengebraut wurde verzuzelt. Wir Kinder haben uns dann immer gefreut, wenn wir noch ein Häfelchen aus dem Fass herausschläucheln durften. Das war das jugendliche Highlight damaliger Zeiten, zwei volle Backen Geschläucheltes. Wer sich dann noch wagte, zur Abkühlung in das Bachbett des Dorfbachs zu begeben um etwas kostenlos zu kneipen, wird sich heute noch an die schwarze, klebrige Schlammmasse und an deren Geruch, besser gesagt Gestank, erinnern, der uns dann im Bett noch ein Weilchen begleitete. Wenn ich jetzt daran denke, rieche ich es förmlich. Das war kein Schönheitsschlamm, aber in der heutigen Zeit kann man nie wissen, wie man heute daraus kosmetisch noch so machen würde. Trotz allem – es war eine schöne Zeit. Immer spannend und unterhaltsam- mit der schwerhörigen Oma und dem kurzsichtigen Opa, mit Hund und Katz, auf dem harten Holzbänkchen vor dem Haus, ohne Co2 freiem Fernseher und strahlendem Handy, einen Teil seiner Jugend in unaufgeregter Atmosphäre zu verbringen. Dafür bin ich noch heute dankbar. So etwas vergisst man nicht. Sein ganzes Leben lang.

Jens Richter

Zuallererst ein ganz herzliches Danke an Walter Scheidle für diesen interessanten Nachmittag und seine große Mühe, nicht nur in Blankenloch, vieles vor dem Vergessen bewahren zu wollen. Es waren einige sehr junge Mitbürger unter den Teilnehmenden, die ihm sehr interessiert zugehört haben. Hoffentlich können sie dieses neue Wissen auch in der Schule weitergeben.
Seinen Ausführungen zum aktuellen Zustand der Pfinz/Pfinz-Heglach war zu entnehmen, dass das von ihm mit größtem Engagement ausgeübte Amt des Gewässerwarts immer noch nicht neu besetzt wurde, seit er in den verdienten Ruhestand gegangen ist. Vor dem Hintergrund, dass das eingebaute Nadelwehr, das den Zulauf zu den Fischteichen, einem einzigartigen Biotop im Osten der Pfinz-H., regeln soll, nicht eingesetzt wird, da es entweder vollautomatisch gesteuert oder ständig manuell überwacht und angepasst werden müsste, erläuterte er, was das für den Abschnitt von eben diesem Wehr bis zum nächsten Wehr bei der Mühle nördlich der TSG bedeutet.
Der ständig notwendige hohe Wasserstand belastet die Dämme überdurchschnittlich. Dieser hohe Wasserstand ich zusätzlich auch dem Umstand geschuldet, dass das Flußbett verschlammt ist und seit Jahren nicht mehr ausgebaggert wurde.
Im Abstand von ca. 50m sollen wechselseitig eingebauten Blockaden durch dicke Pfosten auf der einen Uferseite im Zusammenspiel mit Ausbuchtungen des Dammes auf der anderen Seite den geraden Verlauf der Pfinz verändern und damit die Fließgeschwindigkeit reduzieren. Diese Engstellen sind größtenteils ohne ausreichende Funktion, da die dazwischen eingebauten Wurzeln und Äste mittlerweile verrottet sind. Was bleibt ist die Schwächung der Dämme. Die parallel dazu angelegten Kontrollgräben, die rechtzeitig durchsickerndes Wasser abführen und auch die Schadstellen erkennbar machen sollen, sind auf dem gesamten Verlauf so dicht zugewuchert, dass sie diese Funktion nicht mehr erfüllen können. Bleibt zu hoffen, dass Starkregenereignisse nicht irgendwann auch in Blankenloch zu einem Durchbruch führen, weil Defektstellen nicht rechtzeitig erkannt werden. Aufgabe des Gewässerwarts ist eben auch eine regelmäßige Begehung und Kontrolle, wenn meteorologische Warnungen ausgegeben werden sowie die Steuerung der Wehre, wenn die Situation dies erfordert. Betroffen von einem Dammbruch wären mindestens sowohl das Bildungszentrum mit den beiden Sporthallen als auch das neue Stutenseebad. Bleibt zu hoffen, dass uns das Glück nicht verlässt.