Wiesenwässerung in Friedrichstal?

Wehr Pfinz-Heglach bei Friedrichstal

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 16.02.2022 22:52 | Keine Kommentare

Spätestens seit dem Hochwasser im Ahrtal ist Überflutungsschutz und Starkregenvorsorge vielerorts im Gespräch. So auch in Friedrichstal. Doch können die Alte Bach, deren Bett meistens trocken liegt, und die Heglach für Friedrichstal gefährlich werden? Der Ortschaftsrat hat im Januar darüber diskutiert, wie der Ortsvorsteher mitteilt.

Alte Bach fließt in Kanal unter Friedrichstal

Insbesondere bei Starkregen sei die Alte Bach ein Problem, so Ortsvorsteher Lutz Schönthal. Sie flie ßt parallel zur Pfinz-Heglach auf den Südosten von Friedrichstal zu, wird dann aber unter der Wohnbebauung hindurch geleitet. Ist das Flussbett stark zugewachsen, kann es wie im Jahr 2020 zu vollgelaufenen Kellern in umliegenden Häusern kommen. Für die Pflegemaßnahmen an dem meist trockenen Graben ist die Stadtverwaltung zuständig. Mahd und Gehölzrückschnitt seien in Absprache mit dem Naturschutz kürzlich erfolgt, wie das Landratsamt mitteilt.

Die Heglach hingegen führt dauerhaft Wasser. Mit Hilfe mehrerer Wehre, die auch heute noch existieren, wurde in früheren Zeiten das Wasser aufgestaut und über Bewässerungsgräben auf die danebenliegenden Wiesen und Äcker geleitet. Das lösshaltige Wasser der Heglach wurde dabei als natürlicher Dünger genutzt. Inzwischen sind die Bewässerungsgräben im Gewann “Abhau” östlich des Vogelparks allerdings zugewachsen und deshalb nicht mehr funktionsfähig. Schönthal könne sich vorstellen, diese kulturhistorische Wiesenbewässerung wieder aufzunehmen, teilt er mit, auch zum Hochwasserschutz.

Pfinz-Heglach bei Friedrichstal

Zuständig für dieses Vorhaben ist das Landratsamt. Aus wirtschaftlichen Gründen spiele die Wiesenwässerung heutzutage keine Rolle mehr, teilt Janina Keller von der Pressestelle des Landratsamts mit. Aus Naturschutzgründen könne diese jedoch im Einzelfall, wie zum Beispiel für den Artenschutz, sinnvoll sein. Die alten, teilweise noch gültigen Wasserrechte erlaubten eine Wasserausleitung aus Fließgewässern an wenigen Tagen im Jahr. “Ausleitungen zum Zweck des Hochwasserschutzes und Naturschutzes werden durch diese Rechte nicht abgedeckt und müssten dementsprechend fachlich und rechtlich bewertet werden”, so Keller.

Gewann Abhau

Durch das geringe Rückhaltevolumen der Wiesenflächen sei allerdings nicht von maßgeblichem Einfluss auf den Hochwasserschutz auszugehen. Auch der Ortschaftsrat sieht in der Wiesenflutung neben der kulturhistorischen Bedeutung für Friedrichstal noch weitere Handlungsfelder im Bereich Hochwasserschutz.

Die Entfernung des Schlamms aus der Heglach, um deren Fließgeschwindigkeit zu erhöhen, sei eine weitere Maßnahme, so Schönthal. Allerdings sei eine solche Maßnahme aufgrund aufwändiger Prüfungen und Genehmigungen nicht kurzfristig umsetzbar. Generell müsse der Hochwasserschutz überregional angegangen werden. Dazu gehörten auch Wehranlagen der Pfinz sowie Regenrückhaltebecken.

Für das Starkregenmanagement ließen sich Berechnungen auf Basis statistischer Daten erstellen. Diese sollen im Laufe des Jahres dem Gemeinderat vorgestellt werden. Schließlich müsse auch das Kanalsystem in der Lage sein, entsprechende Wassermengen aufnehmen zu können.

“Die Planungen sind bereits im Gange, nachhaltige Lösungen sind jedoch nicht kurzfristig zu erreichen”, so Schönthals Fazit.

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