Krokusweg: Investor entfernt unerlaubt Bäume

Alte Gärtnerei Krokusweg Blankenloch

Bild: Martin Strohal

Pressemitteilung von Stadtverwaltung Stutensee | 13.05.2022 21:08 | 7 Kommentare

Der Investor, der auf der Gewerbebrache im Blankenlocher Krokusweg mehrere Wohngebäude errichten will, hat auf dem Grundstück alle Laubbäume entfernt. Das berichtet die Stadtverwaltung. Sie erteilte dem Investor daraufhin eine Rüge und will im weiteren Bebauungsplanprozess Ersatzmaßnahmen fordern.

In der letzten Gemeinderatssitzung informierte die Stadtverwaltung über das geplante Vorhaben am Krokusweg. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung daraufhin mit der Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens. In der Diskussion sei es auch um die Erhaltung der Bäume auf dem Grundstück gegangen. Dazu sollten diese auf einem Baumerhaltungsplan dargestellt werden. Der Investor hat jetzt Fakten geschaffen. “Am 29. April musste die Stadtverwaltung im Rahmen einer Ortsbegehung feststellen, dass auch die Laubbäume auf dem Grundstück, entgegen der Absprache mit dem zuständigen Unternehmen, ohne Ausnahme entfernt wurden”, teilt das Rathaus mit.

Quelle: Stadtverwaltung Stutensee

forum Kommentare

Stutenseer

Tja was soll man sagen? Eigentlich müsste jetzt ein Sturm der Entrüstung losbrechen. Es wurden unschuldige, gesunde Bäume gefällt – mitten im Ort!
Wo sind sie jetzt alle – die ganzen Lachwald-Erhalter, Lachwald-Retter und Linden-Liebhaber? Wo der Aufschrei unserer ach so grünen Grünenfraktion im Gemeinderat?
Ich erwarte nicht viel weniger als Demos mit „Karl-der-Käfer“-Schilder, Unterschriftenaktionen und massive Entrüstung gegenüber dem Investor und gegenüber der Verwaltung und dem Gemeinderat, der sowas zulässt!
Man darf gespannt sein, ob und was passiert.

-kwg-

Es entsteht der Eindruck, dass es zumindest “einen STUTENSEER” gibt, der sich mit einer getroffenen bürgerlichen Mehrheitsentscheidung, immer noch nicht abfinden kann. In diesem Fall sind solche Eingriffe, in die sich nicht wehren könnende Natur, durch kommunal-landes-oder bundesrechtliche Gesetzgebung geschützt. Da bedarf es keiner großen Entrüstung in der Bürgerschaft, oder großen Demoaufmärschen, sondern im Fall einer gesetzlichen Missachtung, einer einfachen Anzeige bei der entsprechenden Behörde. Und es wäre auch angebracht, dass diese Anzeige dringend von der Gemeindeverwaltung ausginge, da sie ja diejenige ist, deren Vorgaben missachtet und wissentlich verletzt wurden. Aber vielleicht hilft auch die Zugehörigkeit zu einer dieser kommunalen Unterstützermitgliedschaften -GRÜNE STADT – GRÜNE WEGE- GRÜNE WIESE– oder wie auch immer der Stadt, dass ein dortiger Verantwortlicher, diese Art von SELFMADE-Holzfäller-Mentalität etwas einzubremsen versucht. Mit einer städtischen RÜGE scheint mir das Ganze doch etwas kommunal kleinkariert abgehandelt zu werden, wenn man sich die Höhe der ausgesprochenen Bußgelder für nachgewiesene Verstöße dieser Art einmal genauer anschaut. Doch da scheint mir Baden-Wü von gewissen Ausnahmen begleitet, denn entweder gibt es dort zu viele Bäume, dass es auf ein paar nicht ankommt, oder man spricht nur drüber, und das wars dann auch schon. Irgendwo im Naturschutz, im Artenschutz , oder im “kommunalen Einhaltungs- zum Anweisungsgesetz” wird ein Zusatz zu finden sein, der dieses uneinsichtige, zuwiderhandelnde, respektlose Vorgehen, nicht nur mit dem kostengünstigsten aller Rechtsmittel, einer RÜGE getadelt wird. Das scheint mir in der Situationslage am Krokusweg und einer späteren Präzedenz, in ähnlich gelagerten Mißachtungsfällen, nicht die notwendige Abschreckungswirkung zur Nachahmung zu entfalten.

Lachwald-erhalten

Der Investor hat mit seinen eklatanten Verstößen gegen das BNatschG und LNatschG vollendete Tatsachen geschaffen und der Stadt weitere Debatten im Gemeinderat erspart. Die Bäume wären irgendwann eh entfernt worden, weil die Mehrheit des derzeitigen GR immer noch für Abholzung steht.
Zuletzt haben die Stadträte*innen das mangelhafte Interesse für den Naturschutz im eigenen Zuständigkeitsbereich anlässlich der Auftaktveranstaltung zur Waldbehandlung gezeigt, indem rund die Hälfte der Mitglieder des Rates ferngeblieben sind…
Ein Spiegelbild dessen ist die jetzt erteilte „Rüge“ durch die Stadtverwaltung. Vermutlich sind die Vorschriften über den Naturschutz weitgehend unbekannt oder werden absichtlich ignoriert. Anstatt konsequenter Weise ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten, lassen sich mit einer erteilten „Rüge“ die weiteren Verfahrensschritte des Bauvorhabens einfacher „durchwinken“.
Immerhin werden wir durch die Tatsachenschaffung des Investors vor einer Herausgabe einer gemeinsamen Erklärung aller Fraktionen wie bei der Linden-Affäre verschont. Aber warten wir mal ab. Zukünftig sollten die Stutenseer Bürgerinnen und Bürger wachsamer werden. Ein Anruf bei der Polizei hätte die Abholzung in der gesetzlichen Schonzeit verhindert.

Otto L.

Der Anblick der umgesägten Bäume war für mich wenig überraschend.
Seit Beginn des Stutenseer Immobilienwahns ist hier nichts mehr heilig, weder Ortsbild noch Natur.

Go-Maps bietet die Gelegenheit sich das Ganze von oben anzugucken:

Kürzlich verschwundenes Biotop Krokusweg: https://www.google.de/maps/@49.0604175,8.4677363,82m/data=!3m1!1e3!5m1!1e1

Demnächst verschwindendes Biotop „Michaelisquartier“: https://www.google.de/maps/@49.064139,8.471934,41m/data=!3m1!1e3!5m1!1e1

Kürzlich verschwundenes Biotop Amolsch und Nagel: https://www.google.de/maps/@49.0645537,8.4636875,82m/data=!3m1!1e3!5m1!1e1

Kürzlich verschwundenes Biotop Bahnhofstraße 7: https://www.google.de/maps/@49.0674648,8.4651607,41m/data=!3m1!1e3!5m1!1e1

Und hier noch was besonders Hübsches zum Thema Blankenlocher Naturschutz:
Google hat das Gelände Bahnhofstraße 9 exakt nach einem mutmaßlich illegalen Bodenaustausch und vor der im Bebauungsplan vorgeschriebenen Amphibienumsiedlung im Bild festgehalten. https://www.google.de/maps/@49.0716602,8.4664535,164m/data=!3m1!1e3!5m1!1e1

-msm-

Die Vorgehensweise des Investors ist ohne “wenn und aber” völlig inakzeptabel! Ebenso inakzeptabel ist es, dass lediglich eine “Rüge” als Konsequenz seitens der Stadtverwaltung ausgesprochen wurde. So verliert der Bürger wahrlich den letzten Respekt vor der Verwaltung, den Ordnungshütern, vor Gesetzen und deren Auslegung! Also eine Anzeige ist das Mindeste! Darüberhinaus bedenke man doch bitte, dass man mit einem Investor, der schon vor der endgültigen Zusage ( oder hat er den Deal etwa schon in der Tasche ?) nicht um Recht und Ordnung schert, mit dem werden die Stadt und die Anrainer noch viel Spaß haben! Von daher: wehret den Anfängen!

FH...

… keine Frage, das Verhalten des Investors ist inakzeptabel – ob es allerdings gesetzeswidrig (illegal) war, ist so klar nicht.
Das Gelände befindet sich in Besitz des Investors. Es ist also kein städtisches Gelände, das erst an den Investor verkauft werden soll.
Die in Bundesnaturschutzgesetz §39, Abs. 5 Nr.2 ausgewiesene „Schonzeit“ u.a. gegen das Fällen von Bäumen gilt gerade nicht für u.a. „gärtnerisch genutzte Grundflächen“. Das sind z.B. private Zier- und Nutzgärten, Kleingartenanlagen, etc. Das Gelände des Investors fällt hier sicherlich darunter. Dort dürfen – entgegen landläufiger Meinung – grundsätzlich ganzjährig Bäume gefällt werden. Es sind dabei allerdings ganzjährig die artenschutzrechtlichen Verbote des §44 Abs. 1 BNatSchG zu beachten, die es z.B. verbieten, Bäume mit belegten Vogelnestern zu fällen.
Leider hat Stutensee keine eigene Baumschutzsatzung, die Eingriffe weitergehend regelt. Hier wollte man sich bislang nicht mit den hiesigen Hobbygärtner*innen anlegen, die dann ggf. einen Erlaubnisschein und behördlichen Ortstermin zum legalen Fällen eines Baumes im Garten benötigen würden.
Die Rüge der Stadt bezieht sich folgerichtig auch nicht auf Illegales, sondern auf das Nichteinhalten von Absprachen (Baumerhaltungsplan), die im Vorfeld der gerade gestarteten Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens getroffenen wurden. Dass dieser Bebauungsplan Ersatzpflanzungen – über den gerade gefällten Bestand hinausgehend – vorsehen muss, sollte selbst dem Abholz-Investor klar sein…

MfG☆☆

Die Stadtverwaltung erteilt dem Investor also eine Rüge….so kann man den “dummen Bürgern” bei Bedarf sagen es wurde doch reagiert und der “große” Investor wird sicher auch zufrieden sein. Er weiß auch gleich, dass er weiterhin so ziemlich alles machen kann was er möchte und zwar ohne Konsequenzen. Somit wurden mal wieder alle Seiten zufrieden gestellt, ohne dass eine Entscheidung getroffen werden musste. Stutensee orientiert sich da vorbildlich an der großen Politik.


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