Geißler: Über 40 Jahre für Stutensee

Edgar Geißler

Beitragsbild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 27.06.2022 7:40 | Keine Kommentare

Edgar Geißler war über 40 Jahre in der Stutenseer Stadtverwaltung tätig. Erst als Sachbearbeiter, später als Hauptamtsleiter und zuletzt als Bürgermeister. Ende Juli wird er in den Ruhestand verabschiedet. Schon im April hat er seinen Resturlaub angetreten, der direkt in den Ruhestand übergehen wird. meinstutensee.de hat ihn zum Gespräch getroffen.

Von Neuthard nach Stutensee

“Ich empfehle jungen Leuten in der Verwaltung immer, sie sollen auch mal andere Luft schnuppern”, erzählt Geißler. Er selbst hingegen hat sein ganzes Berufsleben in Stutensee verbracht. Kleinere Gemeinden hätten zwar immer mal angefragt, ob er für eine Bürgermeister-Stelle kandidieren wolle. Das lehnte er jedoch stets ab. Er habe sich in Stutensee sehr wohl gefühlt und nie Bürgermeister werden wollen.

Geißler arbeitet lieber im Hintergrund, auch wenn er seine Rolle als zweiter Beigeordneter nicht nur hinter dem Schreibtisch ausübte. Er sei bei unzähligen Veranstaltungen gewesen und habe das gelebt, sagt er.

Edgar Geißler ist 1956 zu Hause in Neuthard geboren, wo er immer noch wohnhaft ist. Auch seine Eltern stammten aus dem Ort. 1974 gab es den ersten bewussten Kontakt zum späteren Stutensee: Da es in seinem Heimatort keine Fahrschule gab, musste er die “Glaubensgrenze” zwischen dem katholischen Neuthard und dem evangelischen Spöck überwinden, um das Autofahren zu lernen. Ein Jahr später lernte er in Spöck auch seine spätere Ehefrau kennen.

Erst Sachbearbeiter, dann Hauptamtsleiter

Nach Wirtschaftsgymnasium und Bundeswehr wollte er seinen Traumjob Lehrer anstreben. Doch die Lehrerschwemme der Siebzigerjahre brachte ihn davon ab. Sein Vater, selbst bei der Stadtverwaltung in Karlsruhe tätig, empfahl ihm eine Verwaltungslaufbahn. So absolvierte Geißler eine vierjährige Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt bei der Stadt Karlsruhe. Seine spätere Ehefrau war derweil bereits in der Verwaltung Stutensee tätig und wies den Berufsanfänger auf eine offen Stelle hin. Gesucht war jemand für Presse, Öffentlichkeitsarbeit und EDV. Am 1. Dezember 1981 begann Geißler in der Verwaltung der vergleichsweise jungen Gemeinde Stutensee. Zehn Jahre lang schrieb er Protokolle, stellte das Amtsblatt zusammen und baute die IT auf.

Als der damalige Hauptamtsleiter wegen nicht korrekten Verhaltens in den vorzeitigen Ruhestand ging, wurde das Ordnungsamt abgespalten und Geißler das Hauptamt angeboten. Seine Kollegen freuten sich damals: “Wir sind Hauptamtsleiter!” Nach den ersten Personalentscheidungen habe es erste Betroffene und nicht Berücksichtigte gegeben. “Der Kritikerpool wächst als Personalchef täglich”, so Geißler. Dennoch gebe es auch viele, die sich bei ihm bedankt hätten.

Gut vernetzt sei er. Schon in den ersten Berufsjahren hatte er wegen seiner Protokolltätigkeit engen Kontakt zum Gemeinderat und als Amtsblatt-Betreuer zu den Vereinen.

Rückblick auf die Amtszeit

Als bedeutsame Themen während seiner Amtszeit nennt der 65-Jährige den Bau der Stadtbahn, deren weiteren Ausbau nach Staffort und zum Forschungszentrum er sich wünsche. Dazu komme das große bürgerschaftliche Engagement in Stutensee, von den Agendagruppen bis zum Mehrgenerationenhaus. Nicht zuletzt liegen ihm die Kinder am Herzen, egal, ob sie Schwimmen lernen wollen oder in Kindergarten oder Schule gehen. “Ein Kind ist drei Jahre im Kindergarten. Wenn dort drei Jahre Baustelle ist oder es auf neue Toiletten warten muss, prägt das das Kind”, bringt er es auf den Punkt.

Im Rückblick bereut er die getroffenen Entscheidungen nicht. Angesichts der heute “über Nacht” beschlossenen Entscheidungen im Zuge der Pandemie oder des Verteidigungsetats, fragt er sich jedoch, ob man früher für wichtige Dinge nicht ein paar Euro mehr Schulden hätte machen sollen. “Wir haben früher jede Mark oder jeden Euro zweimal umgedreht und den Seniorenausflug gestrichen oder Instandhaltungen verschoben, um zu sparen. Wenn ich sehe, wie man heute mit so Dingen umgeht, hätte man da früher mehr Mut haben sollen.”

Kindergartenplatz-Mangel und fehlende Jugendbeteiligung

Beim derzeitigen Kindergartenplatz-Mangel sieht er den Gemeinderat in der Verantwortung. Dass neue Kindergärten gebraucht würden, sei schon früh klar gewesen. Der Lachwald wäre als städtisches Gelände eine Möglichkeit gewesen, so Geißler. Danach seien viele Alternativen geprüft worden, aber nie eine Entscheidung getroffen worden. “Wir haben nur Container in Spöck zustande gebracht”, bedauert er. Dabei hält er auch die Einbeziehung von Investoren für den Bau von Kindergärten für eine sinnvolle Lösung.

Die Jugendarbeit in den nördlichen Stadtteilen, eines der Themen, die Geißler bei seinem Amtsantritt als Bürgermeister 2017 ausdrücklich erwähnte, ist bislang nicht vorangekommen. Die Zuständigkeit sehe er hier jedoch nicht bei sich. “Die Wiedereröffnung von Jugendzentren in Friedrichstal oder Spöck ist heute nicht mehr opportun”, meint er. Vielmehr bräuchten die Jugendlichen einen Treffpunkt, an dem sie ungestört sind. Er vertrete nach wie vor nicht die Meinung, dass alle Jugendliche eine Straßenbahnfahrkarte hätten und in das zentrale Jugendzentrum nach Blankenloch kommen sollten.

Bei der Beteiligung der Jugendlichen sieht Geißler Luft nach oben. Ein Sachbearbeiter könne nicht selbst entscheiden, bei welchem Thema die Jugend zu beteiligen sei. Dass zuletzt die Vergabe der Mensaverpflegung ohne Beteiligung der Jugendlichen über die Bühne ging, verteidigt er: “Es ging primär um rechtliche Dinge im Ausschreibungsverfahren.” Gleichzeitig gibt er jedoch auch zu, dass die Stadt viel zu spät dran gewesen sei mit der Ausschreibung und deshalb eine Beteiligung schon zeitlich nicht mehr möglich gewesen wäre.

“Ich wollte einer Neuorganisation nicht im Weg stehen”

In der Verwaltung hat Geißler viele Jahre mit Klaus Demal, dem langjährigen Oberbürgermeister zusammengearbeitet. Inzwischen wird die Verwaltung von einer weiblichen Doppelspitze angeführt: Oberbürgermeisterin Petra Becker erst mit Sylvia Tröger, jetzt mit Tamara Schönhaar. “Es kommt nicht darauf an, ob jemand Mann oder Frau ist”, meint Geißler auf die Frage nach Veränderungen durch den Wechsel. “Es geht um fachliche und persönliche Kompetenzen.” So habe er es für sich erlebt. Schon zu Beginn seiner Berufszeit, sei der Renteneintritt für seinen Jahrgang mit 65 Jahren und 10 Monaten festgelegt gewesen. Er habe das durch die Vakanzen nach den Rücktritten von Demal und Tröger etwas aus den Augen verloren. Allerdings habe er jetzt gespürt, dass die Mehrheit des Gemeinderats und die Oberbürgermeisterin die Verwaltung neu und modern organisieren wollten und dass da kein Platz mehr für ein drittes Dezernat und damit für ihn sei. Vor einem Jahr habe Becker ihn deshalb gebeten, sich über seinen Ruhestand Gedanken zu machen. “Ich wollte einer Neuorganisation nicht im Weg stehen”, so Geißler. Und so zog er jetzt die Konsequenz und bringt seine achtjährige Amtszeit als Bürgermeister nicht zu Ende. Einen Wunsch hat er noch, was die Neuorganisation der Verwaltung betrifft: Das Thema “Familie und Jugend” hätte wie in anderen Städten ein eigenes Amt verdient. “Das ist nicht nur eine Plakette, das muss man leben”, meint er. “Das halte ich für sehr, sehr wichtig.”

Stutensee werde er durch diverse Freund- und Bekanntschaften, die sein Berufsleben überdauern, jedoch weiter verbunden bleiben, auch wenn er erst einmal nicht regelmäßig auftauchen und sich einmischen wolle. Vielmehr wolle er sich jetzt seiner Familie, seinen zwei Enkeltöchtern, Haus, Garten und dem Sport widmen. Er freue sich auf Ausflüge und ausgedehnte Wanderungen.

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