Naturschutz im Stutenseer Wald

Gemeindewald Büchiger Hardt

Beitragsbild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 12.07.2022 9:42 | 1 Kommentar

Wie soll es mit dem Stutenseer Stadtwald weitergehen? Artensterben und Klimawandel sowie damit verbundene Trockenheit und Krankheiten sind zunehmend auch hier sichtbar. Das Forstamt des Landratsamtes, das die Stutenseer Wälder im Auftrag der Stadt betreut, hat eine Waldnaturschutzkonzeption erstellt. Die Grünen brachten eine Reihe von kleineren Änderungsanträgen ein, die im Gemeinderat jedoch keine Mehrheit fanden. Somit wurde die Konzeption des Forstamtes mit überwiegender Mehrheit beschlossen.

Lothar Himmel, Bereichsleiter des Forstamts, stellte die Konzeption in der Juni-Sitzung des Gemeinderats vor. “Wir müssen den Artenschutz ausbauen und die Diversität stärken”, meinte Thomas Hornung (CDU) und begrüßte das Konzept. Die Stadt habe noch nie einen Ertrag aus dem Wald erzielt, das sei man gewohnt. Sven Schiebel (Freie Wähler) legte Wert darauf, dass der Wald als Naherholungsgebiet weiter zur Verfügung stehe. Waldstücke, die sich selbst überlassen werden, dürften aus Verkehrssicherungsgründen nicht betreten werden. Er sehe hier deshalb einen Spagat zwischen Natur- und Umweltschutz sowie Naherholung. Das Konzept gehe in die richtige Richtung.

Änderungswünsche der Grünen

Susanne Suhr (Grüne) stellte detaillierte Nachfragen. Sie kritisierte, dass der Gemeinderat und der ehrenamtliche Naturschutz bei erforderlichen Maßnahmen im Wald nicht beteiligt würden. Bezüglich künftiger Pflanzmaßnahmen wies sie zudem darauf hin, dass die Douglasie nicht regionaltypisch sei und deshalb aus ihrer Sicht nicht nachgepflanzt werden sollte. Vielmehr sei die Eiche zu bevorzugen. Zudem kritisierte Suhr, dass Lachwald und Büchiger Hardt in dem Konzept nicht angesprochen würden. Alle verwendeten Fotos stammten aus den nördlichen Bereichen Stutensees. Darüberhinaus forderte sie, es solle künftig keine flächigen Kahlschläge mehr geben. Lothar Himmel erwiderte darauf, dass die Douglasie angesichts des veränderten Klimas sowieso schwächele und es deshalb keine Pläne zur Nachpflanzung gebe. Man wolle das aber auch nicht ausschließen. Die Waldbiotope seien bislang nur im nördlichen Bereich kartiert. Im südlichen müsse noch geprüft werden. Kahschläge führe der Forst grundsätzlich keine mehr durch. Kahle Flächen könnten jedoch durch großflächiges Absterben von Bäumen wie beim Eschentriebsterben entstehen.

Zielkonflikt zwischen Bauen und Naturschutz

“Schutz und Erholung stehen an erster Stelle”, betonte Wolfgang Sickinger (SPD). Erst dann folge die Holznutzung. Er begrüßte das Vorhaben der Stadtverwaltung, das Konzept in den Stadtentwicklungsplan-Prozess einzubringen. Dabei sei dann auch die Bevölkerung eingebunden und werde nach ihrer Meinung gefragt. Zudem skizzierte er einen Zielkonflikt: Altes Holz setze beim Verrotten wieder CO2 frei, während es bei Verwendung im Bau oder bei Möbelherstellung langfristig gebunden bleibe, was aus Klimaschutzsicht vorteilhaft wäre. Zudem sollten lange Transportwege bei der Holznutzung vermieden und lieber regionales Holz verwendet werden, statt es aus fernen Ländern zu importieren.

Ablehnung der Änderungsanträge

Oberbürgermeisterin Petra Becker lobte das Konzept des Forstamts und empfahl dem Gremium, den Antrag der Grünen abzulehnen. Selbstverständlich erfolge die Waldpflege immer in Zusammenarbeit mit der Stadt. Allerdings müsse man handlungsfähig bleiben und könne sich nicht durch Beteiligungsverfahren einschränken lassen.

Die Änderungsanträge der Grünen erhielten hauptsächlich nur die Stimmen der eigenen Fraktionen und wurden somit abgelehnt. Karl Mittag (Grüne) stellte daraufhin klar, dass er die Entwicklung der letzten Jahrzehnte für äußerst positiv halte und er trotz anderer Meinung in einigen Punkten generell sehr zufrieden sei. Das Gesamtkonzept wurde daraufhin auch bei drei Enthaltungen von Seiten der Grünen angenommen.

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Lachwald-erhalten

Die „Waldnaturschutzkonzeption“ ist eine Mogelpackung.

In den kommenden Tagen werden wieder Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius in der Rheinebene erwartet. Eine Hitze, die große Trockenheit und extreme Dürre mit sich bringen wird. Weil durch die erhöhten Temperaturen auch mehr Wasser verdunstet und zugleich der Wasserbedarf steigt, sinkt vielerorts der Grundwasserstand. Im Extremfall trocknen Wälder, Bäche und Feuchtbiotope aus. Aber das ist nichts Neues. Seit Jahren verspüren wir in der Rheinebene diesen Klimawandel. Ungeachtet dessen, hat der Gemeinderat mehrheitlich einen Wirtschaftswald mit lediglich kleinen Waldrefugien beschlossen, die verschont bleiben sollen. Durch die Baumentnahmen entstehen sonnendurchflutete Waldbestände, wodurch die Funktion als Klimaschutzwald verloren geht.

Der Lachwald findet in der neuen Waldnaturschutzkonzeption gänzlich keine Erwähnung, weil er laut Aussage der zuständigen Förster nicht „schützenswert“ sei. Ein Affront für alle Wähler, die sich vor 4 Jahren mit ihrer Stimme für den Erhalt des Lachwalds eingesetzt haben. Nach unserer Auffassung ist der komplette Stadtwald schutzwürdig, auch wenn der Naturschutz schwieriger zu begründen ist, als im Schonwald Lochenwald. Insbesondere nachdem im Lachwald schutzwürdige Biotopbäume rechtwidrig in der Amtszeit von OB Becker entfernt wurden. Siehe hierzu die Bilder auf unserer Homepage:
https://www.lachwald-erhalten.de/Aktuelles/

Seit Jahren kritisieren wir beispielsweise die Kahlschläge im Schonwald Lochenwald, auf die wir auch in unserem Video „Forst – Exzesse im Stadtwald Stutensee“ auf YouTube hingewiesen haben. Immerhin soll es ab sofort keine Kahlschläge mehr geben. Die Försterin will jedoch mit Eichentrupppflanzungen auf Freiflächen experimentieren, anstatt auf kostenlose Naturverjüngung bzw. bei Eichen auf kostengünstiges Saatgut zu setzen. Wir fragten die Försterin, wo die Freiflächen im Stadtwald eigentlich sind. „Diese müssen noch gesucht, bzw. geschaffen werden.“ Wir kombinieren: Kahlschläge werden nicht mehr vorgenommen, dafür werden Freiflächen geschaffen? Wo ist der Unterschied?

In der Konzeption sind eigentlich Dinge aufgeführt, die längst naturschutzrechtlich vorgeschrieben sind. Völlig unverständlich ist deshalb, einerseits den Erhalt und die Förderung der Biodiversität vorzusehen, andererseits nicht den Rat des Naturschutzes vor beabsichtigten Forstmaßnahmen einzuholen. Es stellt sich die Frage, was Stadt und Forst zu befürchten haben, wenn der Naturschutz ein Auge darauf hat, ob alles vorschriftsmäßig abläuft?


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