Mut zur Alleinsamkeit: Ute Winklers Reise in den Norden

Von Jannick Holste | 06.04.2026 8:04 | Keine Kommentare

Minus 40 Grad und “du bist einfach allein.”
Knapp sieben Wochen auf sich gestellt in der verschneiten Natur von Lappland – diesem Abenteuer stellte sich Ute Winkler aus Stutensee. Von Huskytouren und völliger Abgeschiedenheit bis hin zu Rentiermärkten, der Sami-Kultur und einem Eishotel – die Bandbreite ihrer Erlebnisse ist groß. Da ist es nicht verwunderlich das sie manchmal noch heute denkt: “Mein Gott, was hast du da gemacht – Wahnsinn.“

Doch wie kam es überhaupt zu dieser außergewöhnlichen Abenteuerreise? Die Reisebürobetreiberin aus Büchig hatte schon lange den Traum, eine etwas ausgedehntere Reise nach Lappland zu machen – damals noch gemeinsam mit ihrem Mann. Das Land nicht nur sehen, sondern auch erleben, das war ihr Ziel.

Nachdem ihr Mann jedoch vor vier Jahren verstarb, bevor sie die Reise antreten konnten, fasste sie schließlich den Entschluss, die Reise ganz bewusst alleine anzutreten. Im Rückblick die absolut richtige Entscheidung, sagt sie. Denn auch wenn es nicht immer leicht war, ist sie sich sicher: „Es hat mir wahnsinnig viel Kraft gegeben und unvergessliche Momente!“

Akribische Vorbereitung

Den Erfolg der kürzlich stattgefundenen Reise schreibt sie nicht nur ihrem Mut zu, sondern vorrangig auch der akribischen Vorbereitung, mit der sie sich auf die extremen Temperaturen und die abgelegene Wildnis vorbereitete. So schaffte sie sich unter anderem extra ein neues Auto an, welches für die Temperaturen und zugeschneiten Straßen geeignet war, besorgte sich Signalraketen und plante sämtliche Unternehmungen. Denn die Eiseskälte im Norden Schwedens dürfe man nicht unterschätzen, verdeutlicht Ute Winkler: “Bei minus 20 Grad hältst du so fünf Minuten ohne Handschuhe aus, bei minus 30 Grad sind es zwei bis drei Minuten und bei minus 40 Grad habe ich eine Sturmhaube aufgehabt und die Augen mit einer Brille bedeckt, da ging nichts mehr ohne Bedeckung.”

Nach einer mehrtägigen Anreise, für die sich Ute Winkler ganz bewusst Zeit gelassen hatte, begann ihr Abenteuer in einem abgelegenen Haus in Schwedisch-Lappland. Das nächste Dorf war 25 Kilometer entfernt und um sie herum nur Natur. Dort war sie zwar auf sich alleingestellt, allerdings nicht einsam. Denn einsam wäre man nur dann, wenn man niemanden hätte, den man anrufen könnte, erklärt sie.

“Es war eine Alleinsamkeit, und allein zu sein, das ist auch manchmal nicht schlecht”, stellt sie fest. Auf dieser Reise hatte sie die Chance, sich all dem zu stellen, was sie ansonsten nicht zulasse, sowie sich auf sich selbst zu konzentrieren. Dafür brauche es manchmal eben Alleinsamkeit. “Es war ein ganz wichtiger Aspekt, auch mal Gedanken, die in deinem Kopf rumgehen, allein auszuhalten und eine Lösung zu finden.”

Doch sie war auch nicht dauerhaft allein. Denn neben dem Beobachten von Polarlichtern und Rentieren von ihrem Haus aus war sie fast täglich unterwegs. Sie traf Einheimische, Auswanderer und die verschiedensten Tiere.

Schneemobil und Husky-Schlitten

So fuhr sie beispielsweise Schneemobil durch die dichten, verschneiten Wälder und mit Husky-Schlitten über die weitläufigen, unberührten Hochebenen Lapplands. Anfangs habe sie großen Respekt vor Hunden gehabt und Angst davor, ihnen weh tun. Die Betreiber konnten ihr diese Zweifel jedoch nehmen und zeigten ihr genau, wie man den Schlitten lenkt, bremst und auf die Hunde achtgibt – mit Pausen und Blick auf ihr Wohlbefinden.

Im Nachhinein sei sie sehr stolz auf sich, dass sie sich dieser Herausforderung gestellt habe, sagt Winkler. Denn die Steuerung sei alles andere als leicht gewesen. Am Ende sei es jedoch ein wahnsinnig tolles Erlebnis gewesen und mit den Betreibern sei sie noch heute in Kontakt.

Übernachtung im Eishotel

Ein weiteres Highlight sei die Übernachtung im Eishotel sowie der Besuch des Rentiermarkts der Samen in Jokkmokk gemeinsame mit ihrer Tochter gewesen, welche sie im Norden zeitweise besucht hatte.

Die Samen sind die Ureinwohner Skandinaviens. Die zweifache Mutter erzählt, wie beeindruckend es war, die Traditionen und das Leben der Samen direkt mitzuerleben und die Nähe zu den Rentieren zu spüren. „Jokkmokk ist der älteste Markt der Samen im Nordland, da kommen Samen aus dem ganzen Nordland, also aus Norwegen, Finnland und Schweden zusammen – es ist ein wunderschöner Markt!”

Nachhaltig beeindruckt habe sie jedoch die Übernachtung im Eishotel. Ute Winkler schilderte, wie faszinierend es war, in einem aus Eis und Schnee gebauten Gebäude zu schlafen und zu erleben, wie jede Suite ein kleines Kunstwerk darstellte. Die Erfahrung im Eishotel gehörte für sie zu den besonderen Erinnerungen ihrer Reise – ein Ort, der Kunst, Natur und arktisches Leben auf einmal erlebbar machte.

“Viel Kraft gegeben”

Die nun erprobte Lapplandreisende ist sich sicher: „Es war traumhaft und eine einzigartige Erfahrung.“

Diese Wochen im verschneiten Norden hätten ihr nicht nur unvergessliche Momente geschenkt, sondern ihr auch „wahnsinnig viel Kraft gegeben.“

Was sie besonders bewegt habe, sei, dass sie diese Kraft an andere übermitteln konnte. “Ich habe viele Kundinnen und auch Bekannte und Freunde, die leider auch auf diese schnelle Art ihren Partner verloren haben wie ich, die teilweise sehr ängstlich sind, das Leben anzupacken, speziell was mit Reisen zu tun hat. Und da habe ich unheimliche Rückmeldung bekommen mit: Du gibst uns wahnsinnig Mut sowas allein anzufangen und sowas anzugehen!”

Für Ute Winkler ist das mehr als eine Motivation weiterzumachen und auch in Zukunft weitere Reisen dieser Art anzustreben.

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