Gesangsfreude und Begeisterung

Gesangsfreude und Begeisterung

Bild: Sylvia Ganter

Von Sylvia Ganter | 26.10.2026 9:40 | Keine Kommentare

Chöre prägen das kulturelle Leben einer Stadt. Sie vereinen Menschen aller Generationen, bringen unterschiedlichste Stimmen zusammen und schaffen musikalische Begegnungsräume – von der festlichen Kirchenmusik bis zum modernen A-cappella-Ensemble. Ihre Vielfalt spiegelt sich in Repertoire, Tradition und Engagement wider und bereichert nicht nur das musikalische Angebot, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander. Mit dieser Beitragsreihe will meinstutensee.de die Chöre in Stutensee näher vorstellen: Wer singt hier? Was motiviert die Sängerinnen und Sänger? Welche Geschichten stehen hinter den Chören?

Konzert der Chöre

Andreas Nonnenmacher (Mitte)

Am Sonntagabend, 18. Oktober, fand in der vereinseigenen Sängerhalle in Blankenloch um 18:00 Uhr das Konzert „Tanzen und Singen um die Welt“ statt. Dabei präsentierten sich die beiden Chöre „Gemischter Chor“ und der Chor „Sing & Joy“ unter der Leitung von Eva Fodor mit einer bunten Mischung verschiedener musikalischer Genres.

So waren unter anderem Lieder wie Abschied vom Walde, Barcarole oder Kriminal-Tango vom „Gemischten Chor“ vor der Pause zu hören, während der Chor „Sing & Joy“ mit einem Medley von Liedern der Beatles, wie Yesterday, Here comes the Sun oder Hey Jude sowie And so It Goes von Billy Joel, Uptown Funk oder Pink Panther nach der Pause an den Start ging. Der „Gemischte Chor“ beendete den Abend mit The Lion sleeps tonight.

Birgit Heeger, Susan Anson, Rolf Heeger sowie Elke Litterst, Andreas Nonnenmacher, Amy Pegs und Anastasia Koreshkova sorgten als Solistinnen bzw. Solisten oder auch als Trio beim Publikum für Begeisterung. Am Klavier sorgten Tatjana Ulrich und am Schlagzeug Sebastian Wanyer für die perfekte Begleitung. Am Ende bedankten sich die etwa 100 Zuschauer mit lang andauerndem Beifall für dieses gelungene Konzert.

Eva Fodor, versteht es, ihre Chöre mit Temperament und Begeisterung durchgehend auf Niveau zu halten und beschloss das Konzert mit einer humorvollen kleinen Mitmachaktion als Zugabe. Danach konnte der Abend im Sängerheim bei Getränken und kleinen Snacks ausklingen.

Die Menschen hinter dem Chor

Rolf Heeger, Eva Fodor

Die Dirigentin Eva Fodor wurde in Siebenbürgen, Rumänien, geboren und musikalisch familiär geprägt: Der Vater war Geiger, die Mutter Souffleuse an der Oper. „Als ich fünf Jahre alt war, habe ich angefangen, Geige zu spielen, und als ich acht war, sind wir nach Israel immigriert. Dort bin ich mit zwölf Jahren zur Oboe gewechselt. Es folgten Musikschule, Musikgymnasium, Jugendorchester, Musikstudium in Jerusalem und Mitwirkung bei professionellen Orchestern als Oboistin“, erzählt Fodor. 

Im Jahre 2003 begann sie ihr Studium an der Hochschule für Musik in Karlsruhe und studierte dort Oboe und Dirigieren, welches sie mit Auszeichnung abschloss. „Schon während des Studiums in Karlsruhe haben sich mir tolle berufliche Perspektiven als Dirigentin in Deutschland gezeigt. Nun bin ich über 20 Jahre freischaffende Dirigentin bei Orchestern und Chören im Professionellen- und Laienbereich und Dozentin für Dirigieren“, erzählt Eva Fodor begeistert. Professionelle Dirigentin ist sie seit mehr als 25 Jahren. Vor drei Jahren kam sie zum Sängerbund Blankenloch und dirigiert dort die beiden Chöre „Sing & Joy“ und „Gemischter Chor“ des Gesangvereins.

Was motiviert sie für diese Aufgabe? „Die Liebe zur Musik und zwar Epochen übergreifend in allen Facetten und Stilen. Beim Dirigieren geht es mir darum, die Sängerinnen und Sänger einzuladen und energisch dabei zu führen! Musik mit Feingefühl, Präzision und Begeisterung zu machen, für sich selbst und fürs Publikum – das ist mir wichtig“, resümiert Fodor.

Rolf Heeger

Rolf Heeger, Erster Vorsitzender des „Sängerbund Blankenloch“, singt seit 1977 im Chor des Sängerbundes, war aber schon im Kindes- und Jugendalter Chorsänger beim Kinderchor der evangelischen Kirche sowie im Schulchor. Das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm er im Jahr 2007, nachdem er für einige Jahre stellvertretender Kassier und danach 1. Kassier des Vereins gewesen war. „Ich glaube, meine im weitesten Sinne bürokratische und musikalische Ausbildung sowie meine Kenntnis der Sängerbundfamilie führten mich in das verantwortungsvolle Amt. Ich war und bin seit 1978 auch Vizedirigent, nachdem ich eine einfache Chorleiterausbildung absolviert hatte“, beschreibt Heeger seinen Werdegang.

Rolf Heeger betont, dass ihn die Chormusik dazu antreibe, die vielen engagierten Sängerinnen und Sänger auf gutem Niveau zu halten und in angenehmer Atmosphäre in und für den Verein zu unterstützen und möglichst in die richtigen Bahnen zu lenken. „Wenn ein Konzert oder auch nur ein Auftritt gut gelingt oder ein Fest erfolgreich abläuft, ist das Bestätigung und weiterer Ansporn für das künftige Engagement. Nicht zuletzt können wir Sängerinnen und Sänger aus fünf verschiedenen Ländern als integriert vermelden“, erklärt er. 

Geschichte des Sängerbund Blankenloch

Die Gründung des Vereins fiel im 19. Jahrhundert in eine Zeit, in der Chöre in Blankenloch eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielten. Gemeinsames Singen bot den Menschen die Möglichkeit, sich regelmäßig zu treffen, musikalische Fähigkeiten zu entwickeln und das kulturelle Leben ihres Heimatortes aktiv mitzugestalten.

Der 1. Vorsitzende des Vereins, Rolf Heeger, erklärt, dass 1898 zunächst der „Männergesangverein Sängerbund Blankenloch 1898“ gegründet wurde und dass dabei in den ersten Jahren der mehrstimmige Chorgesang im Mittelpunkt stand. Die Chorleitung sei in den Anfangsjahren von Lehrern übernommen worden, weil diese die notwendige musikalische Ausbildung mitbrachten und ein Instrument beherrschten.

Musicalaufführung 2018

„Außerdem war das Singen im Chor damals ein preisgünstiges Freizeitvergnügen für die Männer und ein geselliger Ausgleich zur meist harten beruflichen Arbeit. Dass für manchen Sänger die Geselligkeit im Vordergrund der Chorprobe stand, ist dabei nicht zu kritisieren“, meint Heeger.  Die Anziehungskraft des Vereins sei auch nach dem 2. Weltkrieg erhalten geblieben, weil „einfach Geld für teurere Vergnügungen fehlte. Gesang war immer noch die verbreitetste Form, Musik zu machen, und es war früher auch üblich gewesen, in der Familie zu singen. Die Sportvereine und einige wenige andere Gemeinschaften ergänzten das noch knappe Vereinsangebot für Hobbys“, so Heeger.  Erst 1978 entstand der Frauenchor, der im Laufe der Jahre ebenfalls ein Aushängeschild des Vereins wurde.

Ab 1992 konnte der Verein im eigenen Sängerheim proben. Um auch jüngere Jahrgänge und deren Musikgeschmack anzusprechen, wurde im Jahr 2003 der moderne Chor „Sing & Joy“ gegründet. „Die rund 25 Sängerinnen und Sänger sorgten damals mit fünf großen zweitägigen Konzertevents und szenischer Musicalpräsentation für ein begeistertes Publikum“, erzählt der 1. Vorsitzende stolz.

Nachdenkliches…

Solistinnen Susan Anson und Birgit Heeger

„Früher war es so, dass man vor allem wegen der Geselligkeit in den Chor ging und dass die Musik eben dazu gehörte. Heute werden Geselligkeit und Musik eher getrennt voneinander gesehen“, so Rolf Heeger. Singen an sich erscheine vielen als überholte kulturelle Betätigung. PC und soziale Medien hätten in vielen Fällen die Freizeitbetätigung außerhalb der eigenen vier Wände abgelöst, der festgestellte Mangel an Bewegung und an kommunikativen Umgangsweisen zeuge ebenfalls davon. „Umso wichtiger erscheint es, dass die Kulturträger einschließlich der Politik dafür werben und sorgen, dass Musik allgemein und besonders das Singen in der Öffentlichkeit, wieder einen höheren Stellenwert einnehmen.“, sagt Rolf Heeger.

Er hält die Bereitschaft zum Engagement in Vereinen für ausbaufähig. Wer Vereinsveranstaltungen mag oder zumindest respektiere, sei herzlich eingeladen, sich aktiv in einer solchen Gemeinschaft einzusetzen. Die Mitwirkung dort vermittele wertvolle Kenntnisse und Fähigkeiten sowie Beziehungen für den Alltag.  Um öffentlichkeitswirksamer werden zu können, stelle er sich die Frage, ob es utopisch wäre, wenn sich z. B. vier oder fünf Chöre verschiedener Art, als echte „Zugpferde“ zusammenfänden und, finanziell unterstützt, für eine gewisse Zeit in der Region auftreten, um zu zeigen, wie schön, interessant und niveauvoll gute Chormusik sein könne.

Nach mehr als 125 Jahren Vereinsgeschichte steht der Sängerbund vor einer Aufgabe, die viele traditionsreiche Chöre kennen: Bewährtes zu erhalten und gleichzeitig offen zu bleiben für Veränderungen. Entscheidend sei dabei aber das ehrenamtliche Engagement, betont Heeger. Denn ohne Vereinsverwaltung und zahlreiche helfende Hände wären regelmäßige Proben und öffentliche Veranstaltungen gar nicht möglich.

Proben und Mitmachen

Die Chorproben finden wöchentlich dienstags in der Erich-Kästner-Straße 8 in Blankenloch statt:
Sing & Joy: 18:00 Uhr
Gemischter Chor: 19:45 Uhr

Weitere Informationen, aktuelle Termine und Kontaktmöglichkeiten finden sich auf der Website www.gsv-saengerbund.de

Bildquellen:

  • Konzert Sängerbund Blankenloch: Sylvia Ganter
  • Sängerbund Blankenloch: Sylvia Ganter
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  • Sängerbund Blankenloch: Sylvia Ganter
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