Wer vor zehn Jahren gesagt hätte, dass sich ein inhabergeführter Blumenladen im kleinen Staffort dauerhaft behaupten könnte, hätte im Ort viel Skepsis geerntet. „Staffort und ein Blumenladen? Das funktioniert doch nicht“, hieß es damals oft. Dem florierenden Supermarkt-Angebot und schwindenden Strukturen im ländlichen Raum zum Trotz feiert Katharina Stober nun das 10-jährige Jubiläum ihres Fachgeschäfts „Fachwerk Florist“ – und zieht eine Erfolgsbilanz, die auf Qualität, Handwerk und regionalem Umdenken basiert.
Der Weg in die Selbstständigkeit
Der Traum vom eigenen Laden begleitete die Floristmeisterin schon lange, bevor sich die Gelegenheit in den ehemaligen Räumlichkeiten einer geschlossenen Sparkassenfiliale in Staffort bot. Nach ihrer Meisterausbildung sammelte Stober vier Jahre lang prägende Berufserfahrung in Nassau bei Koblenz. Als sich der Standort in ihrem Heimatort auftat, hatte sie bereits mehrere Räumlichkeiten in anderen Stutenseer Stadtteilen besichtigt gehabt. Doch nichts davon habe richtig gepasst. Erst die ehemaligen Geschäftsräume in Staffort waren “der Treffer”.
Während in den letzten Jahren in umliegenden Gemeinden wie Graben-Neudorf, Linkenheim, Eggenstein oder auch Blankenloch zahlreiche Blumenläden schließen mussten, baute sich Stober einen treuen Kund:innenstamm auf. Mittlerweile reiche ihr Einzugsgebiet weit über Stutensee hinaus und erstrecke sich auf einen Umkreis von 10 bis 15 Kilometern bis in die Karlsruher Stadtteile, erzählt sie.
Qualität als Antwort auf den Supermarkt-Druck
Der wirtschaftliche Druck durch Billigangebote von Discountern und Baumärkten sei in den letzten Jahren spürbar gestiegen. Stober begegnet dieser Konkurrenz mit einer klaren Positionierung: „Bei uns zahlst du nicht für Blumen, du erhältst Qualität, Handwerk und Individualität.“
Während der Lebensmitteleinzelhandel auf standardisierte Massenware setze, fokussiere sich ihr Betrieb auf hochwertige Schnittblumen mit hoher Haltbarkeit, individuelle Beratung und floristische Handwerkskunst. Insbesondere die Bereiche Hochzeits- und Trauerfloristik sowie Event-Dekorationen hätten sich zu wichtigen Standbeinen des Geschäfts entwickelt, die durch Mund-zu-Mund-Propaganda stetig wüchsen.
Krisenbewältigung und veränderte Marktbedingungen
Rückblickend erwies sich selbst die Corona-Pandemie, die viele Einzelhändler vor existenzielle Nöte stellte, für den Blumenladen als umsatzstarker Zeitraum. Durch den Rückzug ins Private entstand bei der Kundschaft das gesteigerte Bedürfnis, es sich „zu Hause schön zu machen“. Dank eines kontaktlosen Abhol- und Liefersystems konnte der Betrieb die Nachfrage durchgehend bedienen.
Dennoch ist die Branche unruhiger geworden. Der Ukraine-Krieg und die darauffolgende Energiekrise führten zu massiven Produktionsausfällen in den niederländischen Gärtnereien, was die Einkaufspreise für Schnittblumen dauerhaft in die Höhe trieb. Auch der steigende Mindestlohn wirke sich direkt auf die Kalkulation aus. Blumen, so Stober, seien und blieben ein Luxusgut, für das qualitätsbewusste Kunden jedoch nach wie vor bereit seien, Geld auszugeben.
Strategische Anpassungen für die Zukunft
Um den Betrieb auch in Zukunft wirtschaftlich stabil zu halten, plant Stober eine Straffung des Sortiments. Der Verkauf von Deko-Artikeln, Übertöpfen und Accessoires solle reduziert werden, da dieser Bereich durch die wachsende Konkurrenz von großen Deko-Ketten und dem Online-Handel an Umsatz verloren habe. Stattdessen setze „Fachwerk Florist“ verstärkt auf Nischenprodukte, wie beispielsweise exklusive, regional hergestellte Gewürze, die sich gut mit floristischen Geschenken kombinieren lassen. Zudem soll der Fokus noch intensiver auf das floristische Kerngeschäft und den Ausbau der digitalen Präsenz via Social Media gelegt werden, um auch neue Kundengruppen gezielt zu erreichen.
Zunächst wird jedoch in der kommenden Woche das Zehnjährige gefeiert im Rahmen einer Jubiläumswoche.
Bildquellen:
- 10 Jahre Fachwerk Florist: Martin Strohal
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- Fachwerk Florist: Fachwerk Florist
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