Paprikawurst, Großküchen und ein „Traumteam“: Nach 61 Jahren schließt die Metzgerei Schickl in Friedrichstal. Die Filiale im Penny-Markt hat am Mittwoch, 28. Oktober, ihren letzten Tag, der Stammladen folgt am Samstag, 31. Oktober. Wir haben mit Inhaber Werner Schickl auf mehr als sechs Jahrzehnte Metzgerei zurückgeblickt.
„Ich bin dabei, ein Geschäft abzuwickeln, das gut läuft und Geld verdient“, erzählt uns der gelernte Metzger.
Warum also schließen?
Werner Schickl, der im Februar 65 wird, nennt zwei Gründe: sein Alter und den Personalmangel. Eigentlich sollte ein Meister übernehmen, den der Betrieb selbst ausgebildet hatte, doch auch er habe kein Personal gefunden.
Schickl wolle aufhören, bevor die Qualität altersbedingt nachlasse. Finanziell und gesundheitlich gehe es ihm bestens.
Gründung 1965
Gegründet hat die Metzgerei sein Vater Josef Schickl 1965, Werner Schickl übernahm 1988. Ausgebildet worden sei er nicht im elterlichen Betrieb, er kam als fertiger Metzger dazu. Anfangs habe er die Wurst noch selbst gemacht, gemeinsam mit einem Mitarbeiter, erzählt er. Nach und nach habe er andere eingelernt, die für ihn produzierten, und die Arbeit nur noch überwacht: „Ich wurde vom Handwerksmetzger zum Kaufmann.“
Umsatz vor Ort nur 20 Prozent
Ein großer Teil des Geschäfts lief über den Großhandel. Nach seinen Angaben machte die Metzgerei nur rund 20 Prozent ihres Umsatzes vor Ort in Friedrichstal. Der Rest sei an Großküchen in Karlsruhe gegangen und zu Hochzeiten sogar an den Daimler-Standort in Germersheim. Habe eine Karlsruher Großküche angerufen, sei die Ware innerhalb von 20 Minuten da gewesen. Dieses System habe den Erfolg ausgemacht, davon ist Schickl überzeugt.
Filiale im Penny-Markt
1995 entschied er sich für eine zweite Filiale im Penny-Markt im Friedrichstaler Gewerbegebiet, nicht weit vom eigenen Laden entfernt. Auf den ersten Blick sei das unlogisch gewesen. Doch er habe damals gewusst, dass sich die bisherige Lage auf Dauer nicht halten lasse. „Ich war schon immer weit vorausschauend.“ Die Kundschaft im Penny komme vor allem von außerhalb, etwa vom KIT oder aus Spöck. Der Familie Hornung, die ihn dort über all die Jahre unterstützt habe, wolle er in diesem Zusammenhang danken.
Kontakt zum Kunden
Im Penny bediente das Personal, dort gab es vor allem Imbiss und Mittagsmenü. Im Stammladen standen Werner Schickl und seine Frau selbst hinter der Theke. Hier habe er sich auf Fleisch und besondere Zuschnitte spezialisiert, die er selbst gemacht habe – etwa wenn jemand zum Grillen ein bestimmtes Stück brauchte.
Weil die Metzgerei viel an die Gastronomie lieferte, habe es zudem hochwertige Fleischwaren gegeben. Bekannt sei das eher unter Kennern gewesen, und das sei gewollt gewesen: So habe er den Laden mit seiner Frau allein führen und dessen Charme erhalten können. „Wenn ich da drei Verkäuferinnen drin gehabt hätte, hätte ich zum Kunden keinen Kontakt mehr gehabt.“ Genau das habe ihm aber Spaß gemacht.
Das Ende der Paprikawurst
Als große Spezialität des Hauses nennt Schickl die Paprikawurst, deren Rezept er selbst entwickelt hat. Manche Kunden nennen ihn deshalb auch „Mister Paprikawurst“, erzählt er. Was aus dem Rezept wird? Da muss er nicht lange überlegen: „Das Rezept stirbt. Das gebe ich nicht her.“
Am wichtigsten seien ihm aber immer seine Mitarbeitenden gewesen. „Ich hatte enorm gute Leute, die mit mir Wurst machten. Es war ein Traumteam“, erzählt Schickl. „Für mich war immer das Wichtigste, dass es meinen Mitarbeitern gut geht.“ Niemand habe im Streit oder mit einem schlechten Gefühl nach Hause gehen sollen.
Ob in den Räumen im Penny-Markt bald ein anderer Metzger steht, ist noch offen. Ein auswärtiger Kollege habe Interesse. Für Werner Schickl ist am Samstag Schluss, und er blickt zufrieden zurück. Vom Handwerksmetzger wurde er zum Kaufmann, mit dem, wie er sagt, „richtigen Händchen, aufs Richtige zu setzen“. Auch beim Abschied setzt er auf den richtigen Zeitpunkt – oder, wie er es selbst sagt: „Ich gehe stehend raus aus dieser ganzen Geschichte.“
Bildquellen:
- Werner Schickl: Jannick Holste
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