Nach dem zügigen Fortschritt in den vergangenen Monaten pausieren die Tiefbauarbeiten in Friedrichstal vorerst. Stattdessen zieht die Telekom den Ausbau in Staffort vor. Grund dafür ist die geplante gemeinsame Verlegung von Glasfaser- und Stromleitungen. Unterdessen bietet mit 1&1 ein weiterer Anbieter Glasfasertarife in Stutensee an.
Aktuell: Was im Oktober passiert ist
In Büchig wird der Ausbau weiterhin durch die Insolvenz der ausführenden Tiefbaufirma ausgebremst. Wie die Stadtverwaltung in der Gemeinderatssitzung mitteilte, erhält die betroffene Baufirma keine weiteren Genehmigungen für Aufgrabungen, solange die bereits begonnenen Arbeiten nicht abgeschlossen sind.
In Friedrichstal ruhen derzeit die Tiefbauarbeiten. Die Telekom setzt ihre Kapazitäten stattdessen in Staffort ein, wo der Ausbau vorgezogen wird. Im bereits erschlossenen Gebiet gehen die Arbeiten an den Hausanschlüssen jedoch weiter. Auch die Inbetriebnahme der ersten Anschlüsse läuft. Zudem hat die Telekom ihre Ausbaukarte aktualisiert und weist dort Teile von Friedrichstal bereits als ausgebaut aus.
Den vorgezogenen Ausbau in Staffort begründete die Stadtverwaltung mit der geplanten Mitverlegung von Stromkabeln. Dabei stimmen sich verschiedene Versorgungsunternehmen ab, um ihre Leitungen gemeinsam zu verlegen. Im konkreten Fall arbeiten die Telekom und Netze BW zusammen. Das spart Kosten und vermeidet, dass Straßen und Gehwege innerhalb kurzer Zeit mehrfach aufgebrochen werden müssen.
Netze BW, der zuständige Verteilnetzbetreiber in Stutensee, hat auf Anfrage der Redaktion konkrete Zahlen genannt: Im nördlichen Teil von Staffort sollen bis Jahresende rund 450 Meter neue Stromleitungen entstehen. Im südlichen Teil ist die gemeinsame Verlegung von Glasfaser- und Stromleitungen auf einer Strecke von etwa 1,2 Kilometern geplant. Diese Arbeiten sollen bis zum ersten Quartal 2027 abgeschlossen sein.
Die Vorbereitungen für den Ausbau in Staffort begannen bereits im September. Von Friedrichstal aus verlegte die Telekom die Hauptkabel entlang der K3579 und der Büchenauer Straße bis zum Übergabepunkt an der Ecke zur Gartenstraße.
Der eigentliche Ausbau startet in der Wolfslachstraße und der Zollhausstraße sowie in Teilen der Gartenstraße. In einem bereits erschlossenen Abschnitt der Gartenstraße erneuerte die Baufirma im Zuge der Arbeiten auch den Gehwegbelag.
Ein weiterer Bautrupp arbeitet nördlich der Büchenauer Straße. Dort fanden bereits Arbeiten in den Straßen An der Nachtweide, An der breiten Wiese und Im Unterfeld statt. Da es in der Straße Im Unterfeld keine klassischen Gehwege gibt, müssen die Bauarbeiter die Glasfaserkabel teilweise direkt in der Fahrbahn verlegen. Dafür kommen alternative Tiefbauverfahren wie Trenching zum Einsatz. Wie dieses Verfahren funktioniert, erklären wir im Technikteil.
Neben der Telekom bietet inzwischen auch die 1&1 Telecom GmbH Glasfasertarife in Stutensee an. Ein eigenes Leitungsnetz baut das Unternehmen dafür nicht. In einem Werbeschreiben, das der Redaktion vorliegt, verweist 1&1 ausdrücklich auf die Zusammenarbeit mit GlasfaserPlus. Damit können Kunden auch bei anderen Anbietern als der Telekom einen Tarif über das vorhandene Glasfasernetz buchen.
Die angebotenen Konditionen sind mit denen der Telekom vergleichbar. Auch 1&1 wirbt mit einem kostenlosen Hausanschluss während der Ausbauphase, sofern ein entsprechender Vertrag abgeschlossen wird. Stichproben bei der Verfügbarkeitsprüfung mit Adressen aus verschiedenen Stadtteilen deuten darauf hin, dass das Angebot grundsätzlich in ganz Stutensee verfügbar ist.
Thema: Glasfaser ist da – DSL und Kabel bleiben trotzdem
Wenn Glasfaser in einer Straße verlegt wird, bedeutet das nicht, dass die bisherigen Internetanschlüsse überflüssig werden. Ein bestehender DSL- oder Kabelvertrag muss deshalb nicht gekündigt werden. Auch neue Tarife über die bisherigen Netze bleiben zunächst verfügbar.
Das gilt auch für die Telekom: Selbst wenn das Unternehmen Glasfaser bis ins Haus verlegt hat, können Kundinnen und Kunden weiterhin DSL nutzen oder entsprechende Tarife buchen. In Stutensee steht außerdem das Kabelnetz von Vodafone als weitere Zugangsmöglichkeit zur Verfügung.
Langfristig dürfte sich die Bedeutung der Netze allerdings verändern. Die Telekom richtet ihre Ausbauaktivitäten zunehmend auf Glasfaser aus. Auch Vodafone modernisiert zwar sein Kabelnetz, baut aber andernorts ebenfalls Glasfaser aus. Welche Rolle die bisherigen Netze künftig spielen, hängt unter anderem von der Nachfrage ab.
Ein weiteres Zeichen für den Wandel ist die Umstellung klassischer Telefonanschlüsse. Die Telekom stellt rund 1,3 Millionen ältere Anschlüsse schrittweise auf eine andere Technik um. Je nach Standort erhalten die Kunden dafür eine Lösung über Mobilfunk, DSL oder Glasfaser. Die bisherige Anschlusstechnik soll bis Ende 2028 abgeschaltet werden. Quelle: inside digital
Auch das gesamte Kupfer-Festnetz der Telekom soll langfristig durch Glasfaser ersetzt werden. Die Bundesnetzagentur hat im Januar 2026 ein Konzept für den schrittweisen Wechsel vorgestellt. Eine Abschaltung soll demnach erst beginnen, wenn in einem Gebiet ausreichend viele Haushalte mit Glasfaser versorgt sind und andere Anbieter Zugang zum Netz erhalten. Einen konkreten Zeitplan für die bundesweite Abschaltung gibt es bislang nicht. Quelle: Bundesnetzagentur
Für Privatkunden in Stutensee heißt das: Glasfaser erweitert zunächst die Auswahl, ersetzt DSL und Kabel aber nicht unmittelbar. Langfristig dürfte sie jedoch zur wichtigsten Festnetztechnik werden.
Technikfrage: Was ist Trenching?
Beim Trenching werden Glasfaserkabel nicht in einem breiten, offenen Graben verlegt, sondern in schmalen Schlitzen im Boden. Dazu fräst oder sägt eine Spezialmaschine eine Nut in Asphalt, Gehweg oder Erdreich. In diese werden anschließend Leerrohre für die Glasfaserkabel eingebracht. Zum Schluss wird der Schlitz mit geeignetem Material verfüllt und die Oberfläche wiederhergestellt.
Je nach eingesetztem Verfahren unterscheiden sich Breite und Tiefe der Schlitze. Beim sogenannten Micro-Trenching kann der Schlitz beispielsweise bis zu zwölf Zentimeter breit und bis zu 30 Zentimeter tief sein. Andere Varianten arbeiten noch schmaler oder reichen tiefer in den Boden. Eine Übersicht der verschiedenen Verfahren bietet das Gigabitbüro des Bundes.
Für den Glasfaserausbau bietet Trenching einige Vorteile. Im Vergleich zum klassischen Grabenbau sind weniger Erdarbeiten erforderlich, es fällt weniger Aushub an und die Baustellen lassen sich abschnittsweise vorantreiben. Das kann Bauzeit und Kosten reduzieren. Gerade in engen Straßen oder dort, wo wenig Platz für größere Baustellen zur Verfügung steht, kann das Verfahren deshalb sinnvoll sein.
Allerdings hat Trenching auch Nachteile. Weil die Leitungen teilweise deutlich flacher liegen als bei der klassischen Verlegung, können spätere Bauarbeiten an derselben Stelle problematisch werden. Bei erneuten Aufgrabungen besteht ein höheres Risiko, die Glasfaserleitungen zu beschädigen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) beschreibt in ihren Informationen zum Trenchingverfahren unter anderem diese Besonderheiten.
Eure Meinung ist gefragt
Welche Themen sollen wir in den kommenden Ausgaben des Glasfaser-Updates näher beleuchten? Welche Technikfragen sollen wir beantworten? Schreibt eure Wünsche an glasfaser@meinstutensee.de.
Bildquellen:
- Material_Netze_BW: Jochen Pfeiffer
- Gartenstrasse: Jochen Pfeiffer
- Trenching_Maschine: Jochen Pfeiffer
- Hauptkabel_Staffort: Jochen Pfeiffer
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