Zehn Jahre Braukunst: “Gamerbräu” feiert Jubiläum

Michael Gamer

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 08.06.2026 17:38 | Keine Kommentare

Seit zehn Jahren braut Michael Gamer sein eigenes Bier, seit fünf Jahren betreibt er die eigene Braustätte auf dem ehemaligen Bauernhof seiner Großeltern in Staffort. Doch hinter dem Erfolg des regionalen, unfiltrierten Gerstensafts steckt harte Arbeit – denn rund 60 Prozent des Braualltags bestehen nicht aus Bier trinken, sondern aus Putzen und Desinfizieren.

Betritt man das Gelände der kleinen Brauerei in der Stafforter Brühlstraße, steht man auf einem ehemaligen Bauernhof, auf dem früher die Großeltern des Inhabers noch Schweine, Hühner und Hasen hielten. Heute reift hier, in einer umgebauten Scheune, handwerklich gebrautes Bier. Michael Gamer feiert in diesen Tagen ein doppeltes Jubiläum: Vor zehn Jahren begann seine Reise als Brauer, und seit fünf Jahren betreibt er seine eigene Braustätte direkt im Ort.

Vom Technischen Gymnasium an den Sudkessel

Der Weg zum eigenen Bier war für Michael Gamer alles andere als geradlinig. Nach dem Besuch des Technischen Gymnasiums in Bruchsal und einem kurzen Abstecher ins Studium zog es ihn in die Praxis. „Ich bin dann doch eher der praxisorientiertere Mensch“, erzählt Gamer im Rückblick. Es folgte eine Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik in Blankenloch. Ein Fundament, das ihm heute bei der Wartung und Modifikation seiner Gerätschaften hilft.

Die Initialzündung für die Brauerei kam während dieser Ausbildungszeit durch reines „Learning by Doing“ und viel Fachliteratur. Als sein Schwager Paul, von Beruf Koch, vor zehn Jahren ein Restaurant planen wollte und nach Gamers Bier verlangte, nahm das Projekt an Fahrt auf. Mangels eigener Anlage mietete sich Gamer kurzerhand in einer Karlsruher Gasthausbrauerei ein, um nach eigenem Rezept den ersten großen Sud von 10 Hektolitern anzusetzen.

Das Restaurantprojekt zerschlug sich zwar, doch das Bier fand reißenden Absatz. Die Geburtsstunde der Marke: Die „Phono Bar“ in der Karlsruher Oststadt sprang spontan als erster Kunde auf – und hält der Brauerei bis heute, genau zehn Jahre später, die Treue.

Der Traum von der Unabhängigkeit: Harte Arbeit im Nebenerwerb

Der Wunsch, unabhängig zu sein und die Fäden selbst in der Hand zu halten, führte schließlich zum Bau der eigenen Braustätte in Staffort. Eine Phase, die Gamer rückblickend als „sehr krass“ und stressig beschreibt. Neben dem Hauptberuf, bei dem er ständig auf Montage unterwegs war, baute er parallel die Brauerei auf – eine logistische Meisterleistung, die zu einer 70-Stunden-Woche führte.

Anfangs konzentrierte sich der Betrieb ausschließlich auf den Verkauf von Flaschenbier. Erst als absehbar war, dass das Konzept langfristig tragfähig ist, reduzierte Gamer seine Stunden im Hauptberuf und baute die alte Hofscheune um.

Vor zwar Jahren kam eine Ausschankgenehmigung dazu. Seitdem können Besucher nun auch direkt vor Ort einkehren. Beliebte Veranstaltungen wie das „Bratwurst-Event“ – bei dem Schwager Paul an den Grill geladen wird – lockten in der Vergangenheit regelmäßig viel Publikum an, so dass die Kapazitäten auf dem Hof spürbar an ihre Grenzen stießen.

„60 Prozent ist putzen“: Der harte Alltag des Brauers

Wer glaubt, Handwerksbrauer verbringen den Tag primär mit dem Verkosten von Bier, wird von Gamer schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. „Etwa 60 Prozent ist wirklich putzen“, betont er. In der Brauerei gilt das Gesetz der absoluten Sauberkeit. Jede organische Verunreinigung, jeder unsaubere Schlauch birgt das Risiko einer Kontamination, die einen kompletten Sud von hunderten Litern unbrauchbar machen kann.

Flaschenreinigung über die eigene Waschanlage, mechanisches Vorreinigen hartnäckiger Verschmutzungen, das Desinfizieren von Abläufen und das Einlegen von Schläuchen in Lauge und Säure gehören zum täglichen, zeitraubenden Pflichtprogramm. „Da gibt es keine Zwischendrin. Da gibt es nur eins oder null“, so Gamers kompromisslose Philosophie.

Zudem fordert der eigentliche Brauprozess vollen Einsatz. 600 Liter Würze müssen erhitzt, 60 Minuten gekocht und anschließend schlagartig innerhalb von 40 Minuten abgekühlt werden. Ein langsames Abkühlen würde ab einer Temperatur von 35 Grad zur unkontrollierten Vermehrung von Luftbakterien führen – das Bier würde sauer. Nach der Hauptgärung, bei der die Tanks zunächst offenbleiben, um Gärungsnebenprodukte ausdünsten zu lassen, wird gegen Ende Druck aufgebaut, um die perfekte Menge an natürlicher Kohlensäure im Bier zu binden.

Naturbelassenes Bier in verschiedenen Sorten

Geschmacklich setzt Gamerbräu auf den “bewussten Kontrast zu industrieller Massenware”. Während Großbrauereien ihre Biere oft filtrieren und pasteurisieren, um sie extrem lange haltbar zu machen – wodurch laut Gamer wertvolle Geschmacksträger wie Hefe- und Trubstoffe verloren gehen –, bleibt hier alles naturbelassen im Glas.

Neben den festen Sorten wie Pils und Helles sorgt Gamer alle paar Wochen für Abwechslung auf der Karte: Ob Festbier, Weizen für den Sommer oder Spezialitäten wie Dreikorn oder Hafer – ein fester Kalender existiert bewusst nicht, um die Flexibilität und die Spannung für die Kundschaft zu erhalten.

Jubiläumsfest in der Dreschhalle

Das anstehende Jubiläum stellt logistisch die nächste Großaufgabe dar. Rund 4.000 Liter Bier hat Michael Gamer vorbereitet, um für den Ansturm der erwarteten Gäste in der Dreschhalle gerüstet zu sein. Unterstützt wird Gamer, der den Betrieb im Alltag allein mit seiner Partnerin führt, bei solchen Großveranstaltungen von Minijobbern.

Wenn das intensive Festwochenende vorbei ist und die Aufräumarbeiten erledigt sind, geht der normale Brauereibetrieb direkt weiter. Eine Pause gibt es für den Stafforter Familienbetrieb nicht. Erst im Januar gönnen sich die Macher hinter Gamerbräu zwei Wochen Urlaub.

Bildquellen:

  • 10 Jahre Gamerbräu: Martin Strohal
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