Chöre prägen das kulturelle Leben einer Stadt. Sie vereinen Menschen aller Generationen, bringen unterschiedlichste Stimmen zusammen und schaffen musikalische Begegnungsräume – von der festlichen Kirchenmusik bis zum modernen A-cappella-Ensemble. Ihre Vielfalt spiegelt sich in Repertoire, Tradition und Engagement wider und bereichert nicht nur das musikalische Angebot, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander. Mit dieser Beitragsreihe will meinstutensee.de die Chöre in Stutensee näher vorstellen: Wer singt hier? Was motiviert die Sängerinnen und Sänger? Welche Geschichten stehen hinter den Chören?
Ein voll besetzter Saal im evangelischen Gemeindehaus, angenehme Sommertemperaturen und ein abwechslungsreiches Programm: Der Liederabend der Concordia Blankenloch bot am 8. Juli ein musikalisches Programm, das von Skandinavien bis nach Amerika führte.
Chorleiter Werner Pfaff hatte für den Abend ein breites Repertoire zusammengestellt. Das Publikum reiste musikalisch von skandinavischen und russischen Volksweisen über die Weltmeere bis nach Japan und Amerika. Dabei präsentierten der Männer- und der Frauenchor zunächst jeweils eigene Stücke, bevor sie für gemeinsame Lieder die Bühne teilten.
Nach der Pause setzte sich die musikalische Reise fort – diesmal mit Fokus auf menschliche Emotionen. Die Chöre besangen die „Stürme des Lebens“, den Geschlechterkampf und die Liebe. Den stimmungsvollen Höhepunkt und Abschluss des Abends markierte schließlich Leonard Cohens Klassiker „Halleluja“.
Der Gesangverein und seine Geschichte
„Concordia“ ist Lateinisch und bedeutet Einigkeit oder Harmonie. Der Gesangverein Concordia Blankenloch wurde 1884 im Gasthaus „Zum Lamm“ gegründet und zählt damit zu den ältesten Kulturvereinen der Region.
Zum Verein gehören heute mehrere Chöre, der traditionsreiche Männerchor, seit 1959 einen Frauenchor sowie ein gemischter Chor.
„Wir haben aktuell 16 Männerstimmen und 25 Frauenstimmen“, berichtet Chorleiter Werner Pfaff. Das Repertoire reiche von klassischer Chorliteratur über Volkslieder bis hin zu modernen, internationalen Werken.
Neben eigenen Konzerten gestalten die Chöre regelmäßig Gottesdienste und kulturelle Events in und um Blankenloch mit.
Neben der Musik steht bei der Concordia das Miteinander im Mittelpunkt. Vereinsfeste, Ausflüge und regelmäßige Proben schweißen die Mitglieder zusammen – was sich auch in den Stimmen aus dem Chor widerspiegelt: „Ich singe, weil es Spaß macht – und zwar nicht nur das Singen, sondern auch unser Miteinander“, erzählt eine der Sängerinnen.
Für eine andere hat das Singen im Verein sogar eine ganz persönliche Bedeutung: „Singen befreit einen innerlich und baut auf. Ich habe dadurch aus der Depression herausgefunden.“
Auch die Arbeit des Chorleiters schätzen die Aktiven sehr: „Unser Dirigent fordert uns und bringt uns viel bei – und das immer mit Humor. Wir haben einen hoch begabten Dirigenten und es ist toll, hier mitsingen zu können!“
„Ich singe seit über 50 Jahren bei der Concordia, und vor mir haben schon mein Vater und mein Großvater mit Leib und Seele im Chor gesungen”, berichtet ein Sänger aus dem Männerchor. “So war mir schon früh klar: Singen macht Spaß! Schade, dass wir so wenig junge Leute hier haben. Ich frage mich schon, wie lange sich das Vereinsleben noch halten kann!“
Die Menschen hinter dem Chor
Die musikalische Gesamtleitung liegt bei dem Chorleiter, Dirigenten und Musikpädagogen Werner Pfaff. Sein Weg zur Musik kam nicht aus der Familie, sondern entwickelte sich durch einen Aufenthalt in einem Auslandsinternat in Holland. Er studierte Klavier und Komposition in Trossingen, Dirigieren und Gesang in Karlsruhe sowie Musikwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Freiburg.
Pfaff ist seit 1978 Chorleiter. Damals gründete er den Universitätschor Karlsruhe und 1980 das „Studio Vocale Karlsruhe“, bis er im Jahr 1987 den Oratorienchor „Figuralchor Offenburg“ übernahm.
2019 übernahm Pfaff den Gesangverein Concordia. Hier wird wöchentlich mittwochs im evangelischen Gemeindehaus geprobt.
Pfaff scheinen die regelmäßigen Verpflichtungen mit seinen Chören Freude zu machen und Antrieb und Motivation für seine Arbeit zu sein.
Der 1. Vorsitzender Mario Linder singt seit 1999 im Gesangverein der Concordia.
„Unser langjähriger Vorsitzender Hans Sand hat aus Altersgründen einen Nachfolger gesucht. Im Jahr 2003 habe ich dann das Amt ehrenamtlich übernommen“, erklärt er.
Als 1. Vorsitzender hat er umfangreiche Aufgaben, wie beispielsweise die Organisation und Planung chorischer Auftritte. „Nach der Sommerpause beginnt die Vorbereitung der gemeinsamen Weihnachtsfeier mit unserem Bruderverein Sängerbund“.
Wichtig sei hierbei auch eine funktionierende Verwaltung mit helfenden Händen. Freude entstehe, wenn öffentliche chorische Auftritte gelängen und man die Wertschätzung des Publikums spüren könne.
„Ein Motivationspunkt ist es, zu erreichen, dass die Chöre und der Chorleiter eine musikalische Einheit bilden und eine stetige Steigerung der Qualität zu hören ist. Ebenso wenn alle nach einer Probe zufrieden nach Hause oder zu einem gemeinsamen Umtrunk gehen”, so Linder. “Denn die Aktiven sind unser höchstes Gut und für uns alle ist es ein Hobby, das Spaß bringen soll.” Hierbei sei es auch entscheidend, einen einfühlsamen Chorleiter wie Werner Pfaff zu haben, der den Chor mit Geduld, aber auch Hartnäckigkeit durch das Sängerjahr führe.
Steven Drosterij ist seit 2009 als Kassier und seit kurzem als stellvertretender Vorsitzender der Concordia im Amt. „Die Verwaltungsmitglieder teilen sich viele der anfallenden Aufgaben, Schwerpunkte sind bei mir operationelle Aufgaben, während unser 1. Vorstand eher strategisch und organisatorisch unterwegs ist“, erklärt er.
Drosterij singt seit 2008 bei der Concordia, davor sang er beim ‘Gritznerchor Durlach’ und war dort ebenfalls 2. Vorsitzender.
Singen sei für ihn schon als Kind wichtig gewesen, denn seit seinem 8. Lebensjahr habe er bereits in Kirchen- und Schulchören mitgesungen. „Musik verbindet, bringt Menschen zusammen, harmoniert, verlangt höchste Konzentration und Zusammenhalt, ist aber auch Arbeit. Gemeinsam ein Musikstück einzustudieren und aufzuführen, um damit ein Publikum zu begeistern, ist wie ein Punktgewinn im Sport!“
Drosterij führt aus, dass er gerne verantwortungsvolle Aufgaben übernehme. Im Rückblick hätten ihn Funktionen wie Klassensprecher, Betriebsrat, Fussballtrainer, Karttrainer oder Kassier stets motiviert. Schließlich erfahre man hier eine Art Selbstwirksamkeit, die einen aufbaue.
Älteres Liedgut nicht mehr “woke”?
Das Problem der Überalterung betrifft nicht nur Blankenloch, sondern die gesamte Vereinslandschaft. Während Frauen vereinzelt noch den Weg in den Chor finden, falle dies Männern offenbar schwerer, beobachtet 1. Vorsitzender Linder.
„Generell ist die Vereinsarbeit für viele unattraktiver geworden. Das mag einerseits dem digitalen Zeitalter geschuldet sein, liegt aber vielleicht auch an veränderten Wertvorstellungen“, gibt 2. Vorsitzender Drosterij zu bedenken.
Das zeige sich auch bei der Auswahl der Stücke. Manches ältere Liedgut gelte bei jüngeren Menschen heute schnell als nicht mehr zeitgemäß oder „woke“. Viele Texte nutzten Begriffe oder Beschreibungen, die im heutigen Sprachgebrauch unüblich geworden sind.
Für Drosterij eine bedauerliche Entwicklung: „Es macht einen schon nachdenklich, wenn alte Sprachformen plötzlich negativ gesehen werden. Dabei transportieren sie wichtige Gefühle wie Romantik und den Wert von Nostalgie. Der Umgang mit dieser Tradition ist uns wichtig.“
Proben und Mitmachen
Die Chöre proben jeden Mittwoch zu unterschiedlichen Zeiten im evangelischen Gemeindehaus in der Blankenlocher Gymnasiumstraße:
Frauenchor: 18:45 Uhr
Männerchor: 20:15 Uhr
Gemischter Chor: jeden 1. Mittwoch im Monat um 19:00 Uhr
Weitere Informationen, aktuelle Termine und Kontaktmöglichkeiten finden sich auf der offiziellen Website gv-concordia-blankenloch.de.
Bildquellen:
- Gesangverein Concordia Blankenloch: Sylvia Ganter
- Gesangverein Concordia Blankenloch: Sylvia Ganter
- Gesangverein Concordia Blankenloch: Sylvia Ganter
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