Kommentar: Transparenz sieht anders aus

Sylvia Tröger

Beitragsbild: Landratsamt Karlsruhe

Von Martin Strohal | 31.05.2016 12:20 | 3 Kommentare

Ein Kommentar von Martin Strohal

Die jüngste Gemeinderatssitzung kann man gut und gern “historisch” nennen. Erstmals wurde mit Sylvia Tröger eine Frau an die Spitze des Stutenseer Rathauses neben Oberbürgermeister Klaus Demal gewählt (wir berichteten). Angesichts der Männerriege aus Amtsleitern und (Ober-)Bürgermeistern und der in der Politik oft geforderten Frauenquote längst überfällig. Doch nur Tröger stand dem Gemeinderat zur Wahl – der entsprechende Ausschuss hatte bereits in nicht-öffentlicher Sitzung aus sechs Bewerbern eine Auswahl getroffen.

Eine Erklärung, weshalb nur ein Kandidat zur Wahl stand, blieb Demal – natürlich – schuldig. Über Personalangelegenheiten kann er nicht einfach öffentlich plaudern. Er konnte nur versichern, dass es intensive Diskussionen gegeben habe. Dafür stellte sich Tröger selbst vor. Aufgrund ihrer Erfahrung vermutlich eine gute Wahl. Aber die Vorstellung glich einer Farce: Sie war mehr für die Zuhörer, denn für die Stadträdte gedacht. Die hatten dann auch keinerlei Fragen oder Anmerkungen, wenngleich Demal sie dazu aufforderte.

Wahl der wichtigsten Personalie: Ratsmitglieder fanden keine Worte

Zwar ist es üblich, dass Ausschüsse Entscheidungen vorbereiten, so dass der Gemeinderat nur noch zustimmen muss. Wie aus Kreisen des Rathauses zu hören war, soll Tröger den Fraktionen auch bereits im Vorfeld Rede und Antwort gestanden haben. Hinter verschlossenen Türen. Aber kein einziger Stadtrat wollte dem interessierten Bürger erklären, was denn die Vorzüge von Tröger gegenüber den anderen Kandidaten sind.

Dieselben Ratsmitglieder, die wenig später leidenschaftlich darüber diskutierten, ob die neue Mehrzweckhalle in Staffort ein oder zwei Spielfelder bekommen soll, und die detailliert die Kosten der Spöcker Jubiläumsfeierlichkeiten auseinandernahmen, fanden bei der Wahl der wichtigsten Personalie, die der Gemeinderat beschließen kann (der OB wird von der Bevölkerung gewählt) und mit der eine Amtszeit von 8 Jahren verbunden ist, keine Worte, um ihre Entscheidung den Bürgern zu erklären. Transparenz sieht anders aus.

forum Kommentare

Ja, das entspricht dem System Demal in Stutensee, alles im Geheimen, alles unter der Decke. Transparenz seit über 20 Jahren Fehlanzeige, denn dann könnte man ja nicht mauscheln. Es wäre schon Zeit gewesen, wenn sich der Bürger hier für diesen Ansatz. der in Stufensee zum System wurde mal bei einer Wahl ‘dankbar’ gezeigt hätte. Und da sind die Damen und Herren der Politik landauf landab verwundert, wenn der Bürger die Schnauze voll hat.

Indigo

Nicht nur ein Bewerber stand zur Wahl zum Beigeordneten von Stutensee, sondern sechs Bewerber hatten sich gemeldet. Von diesen sechs Bewerbern wurde die/der Beste ausgewählt. So einfach ist das.
Auswahlverfahren, wie sie in jedem wirtschaftlichen Betrieb auch stattfinden. Was wollen die Kommentatoren? Soll jeder Bewerber, der nicht ausgewählt wurde, namentlich und auch noch öffentlich in einer Stadtratssitzung vorgestellt werden nach dem Motto: “Seht, hier stehe ich, ich armer Thor”? Keiner der beiden Kommentatoren würde sich das für sich selbst wünschen. Hauptsache: gemeckert und gemault!
Aus Unzufriedenheit und Frust mit sich selbst andere Menschen, Mitglieder des Stadtrates, an den Pranger stellen? Meines Erachtens eine Unverschämtheit auch Herrn Demal gegenüber.
Ein Beigeordneter wird nach dem Gesetz übrigens nicht von der Bevölkerung gewählt, sondern hier greift schlichtweg die parlamentarische Demokratie! Meiner Ansicht nach spricht es absolut für ein Gremium, wenn Vernunft und Sachlichkeit oberste Priorität haben und parteipolitisches Denken bei einer solch wichtigen Entscheidung keine Rolle spielen!

….Eigentlich ist es halt nur eine Wahl, wenn man auch verschiedene Wahlmöglichkeiten hat….dieser Grundsatz zählt normalerweise überall, in Stutensee offensichtlich nicht. So war es halt eher eine Farce…