Von meinstutensee.de-Reporter Sebastian Raviol

Ein Handschlag, eine Geschenkübergabe – dann enden für Kurt Gorenflo 24 Jahre Amtszeit. Der Friedrichstaler Ortsvorsteher legt sein Amt in der Ortschaftsratssitzung am Donnerstag, 21. Juli, vorzeitig nieder. Seine fünfjährige Amtszeit hätte ursprünglich erst 2019 geendet. Gegenüber meinstutensee erklärt der CDU-Politiker: „Ich habe mir in den letzten vier, fünf Jahren schon Gedanken gemacht.“ Mit 65 Jahren sieht Gorenflo die Zeit für einen Nachfolger gekommen. „Man hadert immer, dass es in der Politik keine Jüngeren gibt. Aber solange man nicht abtritt, kommt auch keiner nach.“ Im Gemeinderat möchte der Friedrichstaler weiter aktiv bleiben.

Oberbürgermeister Demal: „Unbedingt das starke Engagement erwähnen“

Mit 29 Jahren stellte er sich das erste Mal einer Gemeinderatswahl und wurde sogleich gewählt. Sein Antrieb damals? „Mein Vater war 20 Jahre lang im Gemeinderat. Und Politik hat mich schon in der Schule interessiert.“ Für den gebürtigen Friedrichstaler war klar, dass er vor Ort in die Politik einsteigen möchte. „In der Kommunalpolitik hat man mehr Einfluss“, sagt er. Außerdem „war ich sehr mit den Vereinen in Friedrichstal verbunden“. Für die hat sich Gorenflo in seinen 24 Jahren als Ortsvorsteher besonders eingesetzt, wie Oberbürgermeister Klaus Demal gegenüber meinstutensee lobt: „Ich möchte unbedingt das überaus starke Engagement von Kurt Gorenflo für Ehrenamt und Vereine erwähnen.“

Freuen sich beim Spatenstich: Gesamtprojektsleiter der DB Dieter Eisele, Ortsvorsteher Kurt Gorenflo, Rainer Kempf aus dem Landesinnenministerium sowie Felix Schneider aus der Bauplanung.

Kurt Gorenflo hat gerne bei einem Aprilscherz von meinstutensee mitgemacht.

Dazu zähle auch, so Demal, dass Gorenflo „viele kulturelle und Vereinsangelegenheiten bestens koordiniert hat“. Dabei gehe es etwa um das Marktplatzfest, den Weihnachtsmarkt oder die Partnerschaftsbegegnungen mit St. Riquer. Seit 1992 leitete Gorenflo den Partnerschaftsausschuss, der sich um die Beziehung zur französischen Partnerstadt St. Riquier kümmert. Das Amt hat er im März ebenfalls niedergelegt.

Gorenflo aktiv bei Partnerschaft mit St. Riquier: „Freundschaft wird weitergehen“

„Ich baue so langsam alle Ämter ab“, sagt Gorenflo und lacht. Dann schiebt er nach: „Man sollte das in andere Hände legen.“ Er gibt zu: „Partnerschaften sind nicht der Renner.“ Etwa gebe es die Entfernung und Sprache als Barrieren. Zwischen St. Riquier in der Region Picardie und Friedrichstal liegen 484 Kilometer. Doch die Partnerschaft mit St. Riquier liegt im am Herzen. Und so sagt er trotz aller Barrieren: „Die Freundschaft wird weitergehen.“

In Friedrichstal selbst, sagt Gorenflo, „war mir das Projekt Pflegeheim besonders wichtig“. Mit dem Haus Edelberg habe er Gespräche geführt und es somit auf den Weg gebracht. „Es hat die Stadt nichts gekostet. Sonst wäre es nicht möglich gewesen“, sagt er. Stolz ist der 65-Jährige auch auf ein anderes großes Projekt: Der Stadtbahnanschluss für Friedrichstal. „Ein Jahrhundertereignis“, schwärmt Gorenflo. Auch die dritte Bahn-Unterführung innerhalb des Ortes fiel in seine Amtszeit. 2009 wurde das Sechs-Millionen-Euro-Projekt fertiggestellt. Ein Projekt mit Widerständen, wie Gorenflo sagt. „Der Ortschaftsrat der CDU gegen den Oberbürgermeister, der sich enthalten hat.“

Der Zeitpunkt des Abgangs ist taktisch geschickt gewählt

Bei Projekten wie diesen und seiner Arbeit als Ortsvorsteher allgemein hat Gorenflo „viel Leidenschaft und Zeit geopfert“. Wenn er innerlich Bilanz zieht, frage er sich: „Was hat man 24 Jahre lang getan?“ Beim Rückblick auf mehr als zwei Jahrzehnte als Ortsvorsteher „ist sicher Wehmut dabei“, sagt er, „aber auch Befreiung.“ Etwa müsse er nicht mehr für jeden Termin zur Verfügung stehen. Da wird Zeit frei. „Davon will ich mehr mit meiner Frau verbringen“, sagt Gorenflo. Darauf freut sich der 65-Jährige, der betont: „Es gibt keine anderen Gründe für mein Ausscheiden, keine Verärgerung.“

Eröffnung des Marktplatzfestes

Ortsvorsteher Kurt Gorenflo ist in vielen Ehrenämtern engagiert. (Foto: Martin Strohal)

Der Zeitpunkt ist taktisch günstig gewählt, wie der Friedrichstaler zugibt. Er hätte noch „ein, zwei Jahre“ weitermachen können – doch wollte er sein Amt vor der nächsten Kommunalwahl quasi übergeben. „Es ist immer besser, wenn man den neuen Mann im Hintergrund einarbeitet.“ Für einen Rücktritt benötige ein Ortsvorsteher einen wichtigen Grund. Da dürfte es keine Probleme geben. Ab 62 Jahren oder nach zehnjähriger Amtszeit könne man vorzeitig ausscheiden, erklärt Gorenflo – bei ihm trifft beides zu.

Gorenflo hat bereits einen Nachfolger im Visier

Einen Nachfolger haben Gorenflo und die CDU bereits im Visier: Lutz Schönthal. Die Zustimmung für den Polizeioberrat und bisherigen Stellvertreter Gorenflos, der bei der Friedrichstaler Ortschaftsratswahl 2014 bereits die meisten Stimmen erhielt, gilt als sicher. Am Montag, 25. Juli, werden die Gemeinderäte in einer Sitzung über Gorenflos potenziellen Nachfolger abstimmen. Gorenflo glaubt: „Er kann das Amt sicher ausführen. Aber er muss seinen eigenen Stil finden.“

 

Bildquellen

  • Spatenstich: Dirk Gebhardt
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