Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

„Lediglich Bürgermeister Philipp Hornung hatte mit 37 Jahren eine längere Amtszeit als du“, begann Ortsvorsteher Lutz Schönthal seine Begrüßung, „und das war von 1780 bis 1817.“ Angesprochen war Kurt Gorenflo, der 24 Jahre lang die Geschicke Friedrichstals entscheidend lenkte und der im Sommer sein Amt niedergelegt hatte (wir berichteten). Eine außergewöhnlich lange Zeit in einem politischen Ehrenamt. Und diese Zeit hatte Gorenflo genutzt. Die geladenen Gäste in der Friedrichstaler Sängerhalle hatten einiges davon zu erzählen.

Gorenflo – der Macher

Hanspeter Gaal führte routiniert durch das Programm, das nicht in Druckform verteilt worden war, um die Besucher – darunter Politiker aus Stutensee und den Nachbargemeinden, Abgeordnete aus Land und Europa, Vertreter von Vereinen, Schulen, Kindergärten und Kirchen, aber auch Freunde und Verwandte – zu überraschen. Die Begrüßung des neuen Ortsvorstehers Lutz Schönthal wurde umrahmt von zwei Liedbeiträgen des Gesangvereins Sängerbund Friedrichstal. „Während andere noch darüber nachdachten, ob oder ob nicht, da hat er schon entschieden – und gehandelt“, beschrieb Schönthal seinen Vorgänger.

Oberbürgermeister Klaus Demal hob einige Friedrichstaler Großprojekte hervor, die in Gorenflos Amtszeit fielen wie die Weiterführung der Stadtbahn, die Beseitigung schienengleicher Bahnübergänge, die neuen Räumlichkeiten der Ortsverwaltung, Sanierung von Straßen und Gehwegen und die Weiterentwicklung von Friedrichstal als familienfreundlicher Wohnort, nicht zuletzt durch die Verwirklichung des Seniorenzentrums „Haus Edelberg“ und den Bau des Großspielplatzes „Wilde Düne“. Auch der Einsatz für die französische Partnerschaft sei hervorzuheben. „Jeder hier weiß, dass Sie sich immer für das Wohl Ihrer Mitmenschen in Stutensee und insbesondere in Ihrem Heimatort Friedrichstal eingesetzt haben“, so Demal.

Gorenflo – der Dicke-Bretter-Bohrer

„Ein bodenständiger Dicke-Bretter-Bohrer“ sei Gorenflo, meinte der Europaabgeordnete Daniel Caspary und spielte auf die Querspange Nord an – die sich vermutlich nie rechnen werde, die aber wichtig für die Menschen sei. Schon immer sei Gorenflo ein „Hinterbänkler im Gemeinderat“ gewesen, aber im positiven Sinn. Er habe einiges von hinten angeschoben und zum Erfolg gebracht.

Gorenflo – der Organisator

Dieter Hengst als Vertreter der Friedrichstaler Vereine bestätigte das. Gorenflo sei ein Organisationstalent, der „perfekte Veranstaltungsmanager“. Seit Mitte der 70er-Jahre bis zu seiner Wahl als Ortsvorsteher 1992 habe er im Amt des geschäftsführenden Vorsitzenden des Sängerbund Friedrichstal Erfahrung im Organisieren von Veranstaltungen sammeln können. Gorenflos Idee sei die Einführung des Marktplatzfestes anstelle eines kaum besuchten Straßenfestes gewesen. Auf sein Konto gehe der Weihnachtsmarkt um die Kirche, der schon beim ersten Mal ein großer Erfolg gewesen sei. „Der schönste Weihnachtsmarkt weit und breit“, sei zu hören gewesen. Auch der Flohmarkt bei der Kerwe, ein Paradies für Trödler, sei seine Idee gewesen. Und schließlich das Meisterstück: die Organisation der Friedrichstaler 300 Jahr-Feier.

Der evangelische Pfarrer Lothar Eisele betonte ebenfalls die Rolle des ehemaligen Ortsvorstehers als Organisator. Gorenflo habe die Idee eines Gottesdienstes auf dem Spielplatz „Wilde Düne“ gehabt, er habe als ehemaliger Bläser im Posaunenchor das Bläserkonzert im Rahmen des Weihnachtsmarktes etabliert. Und schließlich habe er geholfen, das Gebäude des evangelischen Kindergartens an die Stadt zu übergeben, die Betreuung der Einrichtung aber bei der Kirchengemeinde zu belassen.

Die Reihe der Grußworte wurde aufgelockert durch verschiedene Mundartgedichte, verfasst und vorgetragen von Else Gorenflo. Auch sie habe dem ehemaligen Ortvorsteher einiges zu verdanken wie den Auftritt bei diversen SWR 4-Veranstaltungen sowie den alljährlichen Mundartabend am Kerwe-Montag.

Zudem sorgten Tänzerinnen des TV Friedrichstal mit Irish Dance für große Begeisterung beim Publikum.

Nachdenkliches zum Abschied

„Ich bin glücklich und dankbar für die vergangenen 24 Jahre“, sagte Kurt Gorenflo zum Abschied. Er konnte sein Hobby zum Beruf machen und sich dem widmen, was er nach seiner Frau am zweitmeisten liebe: Friedrichstal. „Ich bedanke mich bei den Bürgerinnen und Bürgern, für die es sicherlich nicht immer leicht war, mit den neuen Ideen zurecht zu kommen und mit einem durchaus mal auch gradlinigen und kantigen Kerl, der sagt, was geht und was auch nicht geht.“

„Ich wünsche mir für Friedrichstal und Stutensee, dass die Kommunalpolitik die Weisheit besitzt, nach vorne zu gehen, neue Dinge in Angriff zu nehmen und zu wissen, dass man nicht immer alles bewahren kann“, sagte Gorenflo zum Schluss. „Denken Sie immer daran: Stillstand ist Rückschritt, und Rückschritt bedeutet Verlust. Und wer glaubt, er könne das bewahren, was er heute hat, ohne sich zu verändern, hat schon verloren.“

„Der Abschied von Kurt Gorenflo ist kein Grund zum Feiern“, meinte Moderator Hanspeter Gaal. Aber es gebe an diesem Tag – dem Tag der deutschen Einheit – drei Dinge zu feiern: Einigkeit und Recht und Freiheit. Daraufhin stimmten alle die Nationalhymne an, begleitet vom Posaunenchor unter Leitung von Rolf Seebach.

 

Bildquellen

  • Verabschiedung Kurt Gorenflo: Martin Strohal
Werbung