Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

Im Vorfeld der Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema „Flächennutzungsplan“ am morgigen Dienstag (4. April, 19 Uhr in der Festhalle) positionieren sich die Beteiligten. Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein hatte heute Vormittag vermeldet, ein Modellwohngebiet dort zu unterstützen (wir berichteten). Auf Nachfrage von meinstutensee.de wollte Verbandsdirektor Gerd Hager nicht konkretisieren, wer die Initiative zu diesem Projekt unternommen hatte. Andere Flächen in Stutensee kämen aus seiner Sicht aufgrund raumordnerischer und städtebaulicher Kriterien, die er nicht genauer ausführte, weniger gut in Frage wie die ins Auge gefasste Fläche im Lachwald. Auf die Frage nach konkreten möglichen Ausgleichsmaßnahmen verwies Hager auf künftige Verfahrensschritte.

„Zusätzliche Baugebiete überflüssig“

Derweil haben sich auch die Stutenseer Naturschutzgruppen „Agenda-Gruppe Natur und Umwelt“, BUND-Ortsgruppe Stutensee und NABU gemeinsam mit dem Flächennutzungsplan an sich und der Bebauung des Lachwalds im Besonderen befasst.

„Wenn die bisherigen Informationen stimmen, sind in dem bereits gültigen Flächennutzungsplan (vor allem in den nördlichen Stadtteilen) schon heute deutlich mehr Flächen für die Wohnbebauung vorgesehen, als selbst nach Maximalprognosen bis 2030 benötigt werden. Damit ist die Ausweisung noch weiterer Flächen für zukünftige Baugebiete überflüssig“, stellen die Naturschützer in ihrer Stellungnahme fest, die meinstutensee.de vorliegt.

„Vergleichsweise hohe Artenvielfalt im Wald“

Außerdem wird die ökologische Bedeutung des Lachwalds in den Blick genommen: „Es handelt sich hier zwar nur um ein kleines Waldstück. Der Bewuchs des Lachwalds ist jedoch, sowohl von der Altersstruktur, als auch von der Artenmischung her, sehr vielfältig: Ältere Laub- und Nadelbäume wechseln sich ab, Jungwuchs aller Art wächst unter den Altbäumen, der Waldrand ist reich gegliedert. Entsprechend ist von einer vergleichsweise hohen Artenvielfalt sowohl bei Tieren als auch bei Pflanzen auszugehen. Hinzu kommt, dass der Lachwald als Trittstein zwischen Hardtwald und dem östlich gelegenen Landschaftsschutzgebiet eine hohe Bedeutung für die Biotopvernetzung in Stutensee hat. Auch diese Funktion würde bei einer Umwandlung von mehr als der Hälfte des Waldes in ein Wohngebiet entfallen. Hinzu kommt, dass der Verlust von Waldflächen anderweitig durch Aufforstung (mindestens) flächengleich auszugleichen ist. Das stellt die Frage: Wo soll diese Aufforstung erfolgen, und welche möglicherweise anderweitig ökologisch wertvollen Flächen sollen dafür in Anspruch genommen werden? Oder soll die Aufforstung auf gegenwärtig landwirtschaftlich genutzten Flächen erfolgen, die dann ihrerseits wieder anderweitig ersetzt werden müssten? Außerdem kann eine Neu-Aufforstung niemals einen über 60 bis 100 Jahre gewachsenen Waldbestand kurzfristig vollwertig ersetzen.“

Die Umweltgruppen kommen in ihrer Stellungnahme zu dem Ergebnis, „dass die geplanten Baugebiete insgesamt umweltschädlich, die Wohnbauflächen betreffend überflüssig sind und im übrigen die Bestrebungen der Stadt Stutensee konterkarieren, sich als ‚Liebenswerte Stadt im Grünen‘ zu präsentieren. Die Planungen sind deshalb abzulehnen.“

Bildquellen

  • Lachwald: Martin Strohal
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