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Naturschutzgruppen lehnen Bebauung des Lachwalds ab

Lachwald

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 03.04.2017 21:30 | 10 Kommentare

Im Vorfeld der Bürgerinformationsveranstaltung zum Thema “Flächennutzungsplan” am morgigen Dienstag (4. April, 19 Uhr in der Festhalle) positionieren sich die Beteiligten. Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein hatte heute Vormittag vermeldet, ein Modellwohngebiet dort zu unterstützen (wir berichteten). Auf Nachfrage von meinstutensee.de wollte Verbandsdirektor Gerd Hager nicht konkretisieren, wer die Initiative zu diesem Projekt unternommen hatte. Andere Flächen in Stutensee kämen aus seiner Sicht aufgrund raumordnerischer und städtebaulicher Kriterien, die er nicht genauer ausführte, weniger gut in Frage wie die ins Auge gefasste Fläche im Lachwald. Auf die Frage nach konkreten möglichen Ausgleichsmaßnahmen verwies Hager auf künftige Verfahrensschritte.

“Zusätzliche Baugebiete überflüssig”

Derweil haben sich auch die Stutenseer Naturschutzgruppen “Agenda-Gruppe Natur und Umwelt”, BUND-Ortsgruppe Stutensee und NABU gemeinsam mit dem Flächennutzungsplan an sich und der Bebauung des Lachwalds im Besonderen befasst.

“Wenn die bisherigen Informationen stimmen, sind in dem bereits gültigen Flächennutzungsplan (vor allem in den nördlichen Stadtteilen) schon heute deutlich mehr Flächen für die Wohnbebauung vorgesehen, als selbst nach Maximalprognosen bis 2030 benötigt werden. Damit ist die Ausweisung noch weiterer Flächen für zukünftige Baugebiete überflüssig”, stellen die Naturschützer in ihrer Stellungnahme fest, die meinstutensee.de vorliegt.

“Vergleichsweise hohe Artenvielfalt im Wald”

Außerdem wird die ökologische Bedeutung des Lachwalds in den Blick genommen: “Es handelt sich hier zwar nur um ein kleines Waldstück. Der Bewuchs des Lachwalds ist jedoch, sowohl von der Altersstruktur, als auch von der Artenmischung her, sehr vielfältig: Ältere Laub- und Nadelbäume wechseln sich ab, Jungwuchs aller Art wächst unter den Altbäumen, der Waldrand ist reich gegliedert. Entsprechend ist von einer vergleichsweise hohen Artenvielfalt sowohl bei Tieren als auch bei Pflanzen auszugehen. Hinzu kommt, dass der Lachwald als Trittstein zwischen Hardtwald und dem östlich gelegenen Landschaftsschutzgebiet eine hohe Bedeutung für die Biotopvernetzung in Stutensee hat. Auch diese Funktion würde bei einer Umwandlung von mehr als der Hälfte des Waldes in ein Wohngebiet entfallen. Hinzu kommt, dass der Verlust von Waldflächen anderweitig durch Aufforstung (mindestens) flächengleich auszugleichen ist. Das stellt die Frage: Wo soll diese Aufforstung erfolgen, und welche möglicherweise anderweitig ökologisch wertvollen Flächen sollen dafür in Anspruch genommen werden? Oder soll die Aufforstung auf gegenwärtig landwirtschaftlich genutzten Flächen erfolgen, die dann ihrerseits wieder anderweitig ersetzt werden müssten? Außerdem kann eine Neu-Aufforstung niemals einen über 60 bis 100 Jahre gewachsenen Waldbestand kurzfristig vollwertig ersetzen.”

Die Umweltgruppen kommen in ihrer Stellungnahme zu dem Ergebnis, “dass die geplanten Baugebiete insgesamt umweltschädlich, die Wohnbauflächen betreffend überflüssig sind und im übrigen die Bestrebungen der Stadt Stutensee konterkarieren, sich als ‘Liebenswerte Stadt im Grünen’ zu präsentieren. Die Planungen sind deshalb abzulehnen.”

Bildquellen

  • Lachwald: Martin Strohal

Kommentare

-msm-

Die Tatsache, dass nun auf die Schnelle der Regionalverband um Hilfe gebeten wurde, der dann als juristischen Winkelzug ein Modellwohngebiet aus dem Hut zaubert, zeigt dass die Stadt genau weiß, dass es in der heutigen Zeit einfach nicht geht ohne Not einen Wald zu roden. Unsere Kinder lernen schon im Kindergarten den Wert der Natur, resp. des Waldes zu schätzen und mahnen uns Erwachsene schonend damit umzugehen. Und jetzt sagen wir den Kleinen, sorry, aber die Menschen im Rathaus hacken den Wald um, weil sie das Geld wollen. Das nenne ich Vorbildfunktion! Es gibt hinreichend andere Stellen, an denen man beliebig Modellwohngebiete planen kann (im übrigen waren die Plattenbauten ebenfalls mal ein Modellwohngebiet, um günstig Wohnraum zu schaffen). Lasst uns den Lachwald, sonst bleibt vom Slogan liebenswerte Stadt im Grünen, bald nur noch …. Stadt ….. .

Rainer Badent

Während heute in vielen Großstädten auf teurem Grund Waldflächen als Naherholungsgebiete entstehen, denkt man in Stutensee darüber nach, ein genau solches funktionierendes System zu zerstören. “Wald stirbt für Häuser”, diesen Rückschritt in die Steinzeit der Städteplanung dann auch noch pseudowissenschaftlich als “Modellversuch” zu titulieren ist schon starker Tobak. Laßt bitte den Lachwald so, wie er ist!

Walderhaltung ist äußerst wichtig für das Klima und die damit verbundene Lebensqualität in Ballungsräumen. Bei konkurrierenden Nutzungsinteressen sollte nicht außer Acht gelassen werden, wie wichtig Wald u.a. für die Grundwassererhaltung ist. Wo soll diese Vernichtungsspirale noch hinführen?
“Stutensee – Natur nah dran”, diesen Titel hat Stutensee nun wirklich nicht verdient.

Die Walderhaltung ist für mich besonders wichtig. Die Stadtverwaltung sollte mal in Sachen Neubaugebiet Spöck in die Gänge kommen.

In Büchig wird ja gerade das Neubaugebiet Lachenfeld bebaut – und nun schon die nächste Erweiterung in Büchig? Weil Wohnplatz fehlt??

Bei der Informationsveranstaltung am 04.04.17 in der Festhalle wurde den Büchiger Bewohnern und Gegnern der Bebauung des Lachwaldes vorgeworfen, Eigeninteressen zu vertreten. Ein sich zu Wort meldender Immobilienmakler und ein Mitglied des Gemeinderates (CDU), Architektin (div. Kindergärten in Stutensee, Mensa Stutensee, Sporthalle Stutensee, Spechaahalle,….) handeln natürlich ganz uneigennützig ……

-msm-

Sollte der Erhalt von Grünzäsuren und Wald nicht im Interesse und zum Nutzen aller Bürger sein? Diese Veranstaltung am 04.04. in der Festhalle hat sehr betroffen gemacht, denn es geht doch immer nur um Geld und Gewinn, und da scheut man sich auch nicht sozial schwächere Menschen als Druckmittel gegen den Naturschutz auszuspielen und als Krönung zu orakeln, daß man – bei Verhinderung dieses Projekts – Schuld an Altersarmut trägt!?

Wer dafür stimmt den Wald abzuholzen und Schutzzonen missachtet, ist nicht mehr wählbar!!! – So einfach ist das. Die Bürger sind doch nicht dumm und erst recht nicht machtlos ausgeliefert.

Wie kann man nur in der heutigen Zeit auf die Idee kommen, einen Wald nur des Geldes wegen abzuholzen? Wehrt euch gegen diesen Wahnsinn!
Am 24.04.17 in der öffentlichen Gemeinderatsversammlung wird das Ganze abgesegnet. Natürlich ein klein wenig verschlüsselt durch Übergabe an den Nachbarschaftsverband. Aber damit haben dann unsere gewählten Gemeindevertreter das Abholzen und Bebauen offiziell durchgewinkt. Es ist also höchste Eisenbahn, das zu stoppen! Die Lebensqualität in Büchig hat durch das Neubaugebiet Lachenfeld schon genug gelitten, aber leider war auch hier vor Jahren schon jeder Widerstand zwecklos. Wo bleibt die Vernunft? Wir haben nur diese eine Erde!

Wie wäre es, wenn man eine DEMO organisieren würde? Vielleich kann man damit den Wahnsinn nicht stoppen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt und man hätte sich gewehrt und alles probiert! WER KENNT SICH MIT DEMO ORGANISATION AUS? Es gibt bestimmt sehr viele Menschen die mitmachen würden! Es geht um unsere Stadt und wie sie in Zukunft aussieht, ob Stutensee dann wirklich noch lebens – und liebenswert ist!


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