Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

Am Samstag, den 22. April, war Landschaftsarchitektin Anja Grün extra aus Freudenstadt angereist, um Fragen zum Friedrichstaler Großspielplatz „Wilde Düne“ zu beantworten. Der Spielplatz war im Oktober 2015 eröffnet worden (wir berichteten). Ortsvorsteher Lutz Schönthal hatte den Begehungstermin organisiert, weil er immer wieder Fragen und Vorschläge von Eltern bekommen hatte. Aufgrund des nasskalten Wetters waren allerdings nur eine Handvoll Interessenten gekommen.

Anja Grün, die den Spielplatz damals geplant und die Umsetzung betreut hatte, freute sich über den Termin. Sie wolle nicht nur Fragen beantworten, sondern auch die Erfahrungen der Benutzer hören, um daraus für künftige Projekte zu lernen.

Duftgarten

Für wen ist der Spielplatz gedacht?

Laut Beschilderung an den Eingängen ist der Spielplatz nur für Kinder bis 14 Jahren geeignet. „Das ist aus Haftungsgründen so“, erklärte Anja Grün. Bei älteren Kindern/Jugendlichen bestehe die Gefahr, dass sie die Geräte unsachgemäß nutzen würden, z.B. Beklettern des Schaukelgestells. Wenn dabei Unfälle auftreten, sei die Stadt als Betreiber nicht verantwortlich. Nichtsdestotrotz sei der Spielplatz für alle Generationen gedacht. „Die Schaukel hat keine Obergrenze“, erläuterte Grün. „Die Konstruktion hält auch Erwachsene aus.“

Auch die Balancierstrecke sei gut für Erwachsene geeignet. „Auch viele Ältere wollen sich hier ausprobieren“, so Grün. „Vielleicht auch zusammen mit ihren Enkeln.“ Besonders für Senioren sei der Duftgarten mit Hochbeeten eingerichtet worden. Dabei handele es sich um einen geschützten Bereich außerhalb der Spielfläche, der Senioren aus dem nahegelegenen Haus Edelberg als Ziel für Spaziergänge dienen kann. Hier könnten sie Kinder beim Spielen beobachten.

Warum gibt es keine Wasser-Matsch-Anlage?

Vielfach sei die Frage gestellt worden, warum die Sandfläche nicht um einen Wasserbereich ergänzt worden sei. „Wir haben hier noch keinen Wasseranschluss“, bedauerte die Planerin. Es sei zu teuer gewesen, die Entfernung bis zur Wohnbebauung zu überbrücken. Allerdings sei ein entsprechender Anschluss tatsächlich vorbereitet, so dass der Spielplatz entsprechend ergänzt werden könnte, sobald die Wohnbebauung in einigen Jahren näher an den Spielplatz herangerückt ist.

Verschiedene Schwierigkeitsgrade

„Es muss sich für Kinder lohnen, älter zu werden“, betonte Anja Grün. Die verschiedenen Spielelemente seien deshalb für unterschiedliche Altersgruppen geeignet. Die kleine Rutsche ist mit Treppe auch für Kleinkinder erreichbar, während der Rutschturm nur über eine steile Leiter erklommen werden kann. Der Zugang sei extra schwieriger, damit Kinder auch mit 5 oder 6 Jahren noch etwas entdecken können. Jüngere sollen nicht alles erreichen können. Spielen sei Lernen, die Kleinen sollten nicht überfordert werden.

Aufteilung des Spielplatzes

Der Spielplatz sei in Spielräumen geplant und nicht als eine große, überschaubare Fläche angelegt. Insbesondere Pflanzen und Anhügelungen grenzen die einzelnen Räume voneinander ab. Die Pflanzen selbst seien auch zum Bespielen, z.B. für Verstecke, gedacht. „Es handelt sich nicht um einen Ziergarten“, erklärte Anja Grün.

Die Schaukelanlage sei mit Absicht am hinteren Rand des Spielplatzes platziert und von Pflanzen umgeben, um Unfälle zu vermeiden. Durch die Lage gebe es für Kinder keinen Anlass, direkt an den Schaukeln vorbeizulaufen, um ein anderes Ziel zu erreichen, und dabei möglicherweise mit schaukelnden Kindern zusammenzustoßen.

Sechseck-Schaukel mit Absprungsicherung

Welchen Sinn erfüllt der Bügel an den Schaukeln?

Eine häufig gestellte Frage betrifft die Bügel an den Schaukeln. Sind diese nicht falsch herum montiert? „Bei diesen Bügeln handelt es sich um Absprungsicherungen“, erläuterte Anja Grün. Deshalb befänden sie sich bewusst innen und sind aufgrund von Sicherheitsbestimmungen auch Pflicht. Die Kinder schaukeln in der Sechseckschaukel aufeinander zu. Die Bügel sollen verhindern, dass sie beim Schaukeln nach vorne abspringen und dabei mit anderen Kindern kollidieren. Das Berühren der Füße beim Zusammentreffen in der Mitte der Schaukelanlage sei hingegen nicht gefährlich.

Keine Kleinkindschaukel?

Bei Ortsvorsteher Lutz Schönthal ist der Vorschlag vorgebracht worden, eine der Schaukeln doch durch eine Kleinkindschauel zu ersetzen. Planerin Anja Grün lehnte das aus zwei Gründen ab. Zum einen müssten schaukelnde Kleinkinder immer von einem Erwachsenen betreut werden. Dieser könne sich in der Mitte der Sechseckschaukel aber aus Sicherheitsgründen gar nicht aufhalten. Zum anderen verwies Grün auf ihr Prinzip „Es muss sich für Kinder lohnen, älter zu werden“. Kleine Kinder sollten sich zuerst mit der Urwaldschaukel beschäftigen, auf die sie sich z.B. bäuchlinks legen könnten. Das schnellere Schaukel sei dann den älteren Kindern vorbehalten, die es auch schon selbst können. „Wir wollen Kindern Dinge anbieten, die sie selber machen können.“

Reparatur der Seilbahn

Die Seilbahn funktioniere derzeit nicht so wie gedacht. Das Gefälle sei nicht groß genug. Das Startelement soll deshalb demnächst etwas höher gesetzt werden. Dabei wird auch das Seil straffer gespannt.

Materialien und Sicherheit

Der Spielplatz sei sehr naturnah gestaltet. Es sei viel Holz, Eiche und Robinie, die beide sehr haltbar sind, zum Einsatz gekommen. Alle Sicherheitsvorschriften wie Abstände, Fallschutzmaterialien usw. seien selbstverständlich eingehalten und abgenommen worden. Die teils recht breiten Wege berücksichtigen das Befahren durch Fahrzeuge von Bauhof und Gärtnern, z.B. um Sand austauschen zu können. Im Übrigen werde der Spielplatz bis Ende 2017 noch von der Gartenbaufirma betreut, die ihn angelegt hat. Ab nächstem Jahr geht die Betreuung auf den städtischen Bauhof über.

Fehlende Toilette

Von vielen Eltern wurde das Fehlen einer Toilette beklagt. Ortsvorsteher Schönthal verwies dabei auf den fehlenden Wasser- und Abwasseranschluss in der Nähe des Spielplatzes. Möglicherweise ließe sich eine Absprache mit dem Haus Edelberg treffen, um eine dortige Toilette nutzen zu können.

Weitere Rückmeldungen

Landschaftsarchitektin Anja Grün freut sich weiterhin jederzeit über Rückmeldungen jeder Art, um daraus zu lernen. Wer seine persönlichen Erfahrungen mit dem Spielplatz – ob positiv oder negativ – mitteilen möchte, kann sie über Ortvorsteher Lutz Schönthal erreichen.

Bildquellen

  • Begehung „Wilde Düne“: Martin Strohal
  • Begehung „Wilde Düne“: Martin Strohal
  • Begehung „Wilde Düne“: Martin Strohal
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