Von meinstutensee.de-Reporter Sabrina Strohal

Am Freitag Abend hatte die evangelische Kirchengemeinde Friedrichstal alle Interessierten zu einer Infoveranstaltung über die „Zeltkirche“ ins Gemeindezentrum eingeladen. Zeltkirchenpfarrer Thomas Wingert und Zeltmeister Martin Heubach, beide aus dem Schwabenland, stellten den ungefähr 50 Interessierten ihr Projekt vor. Vor sechs Wochen hatten sie sich schon einmal mit dem Kirchengemeinderat getroffen. Da dieser die Zeltkirche in zwei Jahren gerne nach Friedrichstal holen möchte, kamen sie nun noch einmal, um ihre Ideen einem größerem Publikum zu präsentieren. Neben Friedrichstaler Bürgern waren auch Vertreter aus anderen katholischen und evangelischen Gemeinden der Umgebung gekommen.
Thomas Wingert ist seit 2014 Zeltkirchenpfarrer und Hauptreferent der Zeltkirche, Martin Heubach ist seit 2011 Zeltmeister und Diakon der Zeltkirche, er ist zudem Seelsorger und Nordic Walking-Trainer.

Was kann man sich unter Zeltkirche vorstellen?

Thomas Wingert und Martin Heubach machen nach eigenen Aussagen „Relitainment“, eine Mischung aus Religion und Entertainment. Sie wollen mit Leichtigkeit Glauben vermitteln. „Zelttage sind wie Düngetage, damit alles Vorhandene wieder neu spriest.“

Der Zeltmeister reist immer vier Tage, bevor es losgeht, mit dem Zelt, der kompletten Inneneinrichtung und seinem Wohnwagen in der Gemeinde an. Zwei bis drei Tage baut er mit zahlreichen fleißigen Helfern das Zelt auf. In Friedrichstal würde das Zelt auf der Wiese nördlich der evangelischen Kirche stehen. Das hatte der Ortschaftsrat kürzlich grundsätzlich genehmigt (wir berichteten). Zeltkirchenpfarrer und Zeltmeister wohnen die Zeit über in ihren Wohnwägen.

Das 500m² große Zelt bietet auf sehr bequemen Stühlen Platz für 650 Menschen. Wingert und Heubach erzählten, dass sie schon mal wegen über 1150 Besuchern ein „wegen Überfüllung geöffnetes“ Zelt hatten. Das Zelt wurde geöffnet und die Menschen saßen auch außen herum, um dabei zu sein. Das ginge allerdings nur, wenn das Wetter auch mit spielt. Bei Regenwetter müssten die Menschen, die keinen Platz mehr bekommen, wieder nach Hause geschickt werden.

Zeltkirche sei ein Fest – eine Gemeinde feiere unter Einbeziehung aller möglichen Vereine ein Fest. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. So habe Thomas Wingert schon mal einen Motorradgottesdienst gefeiert mit Segnung der Mottorradfahrer samt Fahrzeugen. Seniorennachmittage, Kinderbibeltage, Frauenfrühstück und Männervesper, Candle-Light-Abend für Paare oder sogar Feuerwehrshows fanden schon in der Zeltkirche statt. Das Programm wird dabei im und um das Zelt herum geboten. Der Zeltkirchenpfarrer nennt es gerne einen „Zelt (mach)- Abend, was bedeuet, dass kein Frontal-Gottesdienst stattfindet, sondern eine Plattform geboten wird, um Erfahrungen mit Gott zu sammeln. Um das Zelt herum gab es schon Programmpunkte wie z.B. Nordic Walking Kurse mit Martin Heubach, Kletterturm und Kreativangebote für Kinder oder Sportturniere. An den Abenden im Zelt können sich örtliche Musikvereine, Chöre, Sportvereine mit Vorführungen präsentieren. Die Gemeinde kann Mundartkünstler einladen oder Sketche, Kabarett, Theater vorführen – die beiden Hauptverantwortlichen berichteten aus einem sehr abwechslungsreichen Repertoire. Wichtig sei aber, „dass ein roter Faden durch den Abend geht“. Durch die Einbeziehung kommunaler Vereine wird die Zeltkirche zum Ortsereignis. Zu einem Fest gehöre auch immer die Bewirtung, hierbei sollten die Vereine helfen. Der Aufbau eines Küchenzeltes wäre möglich. Jeden Abend bieten die beiden Herren zudem für eine Stunde ein „Offenes Ohr“ im Wohnwagen an.

Die Vorteile eines Zeltes im Vergleich zum bekannten Kirchengebäude seien, dass die Hemmschwelle einzutreten niedriger ist, da ein Zelt transparenter ist, es hat keine Mauern und es erinnert an ein Fest- oder Bierzelt. Kinder gehen gerne in ein Zelt, es erinnert an Urlaub. Weiter zieht es durch seine Größe ganz alleine die Menschen an. Die Zeltkirche solle Menschen anlocken, die bereits in einem christlichen Glauben leben genauso wie auch Menschen, die noch auf der Suche nach einem Glauben sind.

Zweifel, ob es finanziell und organisatorisch machbar ist, solch ein Großprojekt in Friedrichstal auf die Beine zu stellen, gab es von manchen Besuchern. Bei der finanziellen Belastung beruhigte der Zeltkirchenpfarrer. Ausgaben habe man schon einige, aber es würde auch durch Konzerte, Bewirtung etc. so viel herein kommen, dass die meisten Gemeinden nach der Zeltkirche ein Plus zu verzeichen hätten. „Ist die Organisation überhaupt neben einem Job machbar?“ fragte Ortsvorsteher Lutz Schönthal. Wingert beantwortete das mit „Ja“, auch wenn es kurz vor dem Event und währenddessen viel zu tun gebe. Machbar sei es auf alle Fälle. Die Erfahrungen von Thomas Wingert sind, dass das Gemeindeleben nicht an den Vorbereitungen zur Zeltkirche leide, aber dass es schon gut wäre, das Gemeindeprogramm vorher herunterzufahren.

Wingert und Heubach berichteten durchweg positiv von bisher durchgeführten Zelttagen. Die Gemeinden profitieren oft sehr davon.

Wie geht es nun weiter?

Wenn sich die evangelische Kirchengemeinde Friedrichstal dafür entscheidet, bei der Zeltkirche mitzumachen, dann würde es den Zeitraum vom 21. April 2019 bis 5. Mai 2019 betreffen. Zeltkirche geht immer 15 Tage lang. Bis das große Zelt aufgebaut ist, dauere es immer ca. drei Tage und dann würde es sich nicht lohnen, nur für eine Woche Zeltkirche anzubieten. Außerdem brauchen Zelt sowie Programm ein paar Tage, um sich zu entfalten und Menschen anzulocken.

Der evangelische Kirchengemeinderat in Friedrichstal wird am 16. Mai in seiner Sitzung die Entscheidung fällen, ob dieses Projekt 2019 stattfinden soll. Sollte es zu einem Ja kommen, dann kommen die Herren Wingert und Heubach ein Jahr vor dem Projekt erneut nach Friedrichstal. 1,5 Jahre vorher sollten sich ein Kernteam aus mehreren Gemeinden und Arbeitsgruppen bilden.

Bildquellen

  • Infoveranstaltung Zeltkirche: Sabrina Strohal
Werbung