Freie Wähler: Einzelhandel vor Ort erhalten

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Pressemitteilung von Freie Wähler Stutensee | 23.10.2019 7:00 | Keine Kommentare

In unserer Reihe “Aus der Lokalpolitik” schreibt heute Klaus Mayer, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Stutenseer Gemeinderat. Es handelt sich hierbei um die subjektive Darstellung der Gruppierung.

Die Digitalisierung schreitet mit großen Schritten voran. Das Internet ist schon lange zu einem gigantischen Marktplatz geworden, auf dem Daten, Informationen aber auch Dienstleistungen und Waren gehandelt werden. Der Online-Kauf liegt voll im Trend. Laut einer Umfrage haben 80 Prozent der Bevölkerung schon mindestens einmal in einem Online-Shop eingekauft, 4 Prozent kaufen täglich im Web ein und jeweils 14 Prozent shoppen einmal bzw. mehrmals wöchentlich. Tendenz steigend! Das klassische Warenhaus und der Laden um die Ecke haben es zunehmend schwer, sie stecken in der Krise. Wir sehen die Auswirkungen auch in Stutensee: Wir sehen mehr Fahrzeuge von Paket- und Lieferdiensten als wir Läden in unseren Stadtteilen haben, nicht nur für die Lieferung, sondern auch für die Rücksendung von Waren, die umgetauscht werden oder zu viel bestellt und dann doch nicht gekauft werden.

Und genau an diesem Punkt lohnt es sich einmal kritisch nachzufragen, ob dies auch eine gesunde und nachhaltige Entwicklung ist. Wir sollten uns fragen, inwieweit wir unser soziales Leben, unsere Umwelt und unsere Gewerbeinfrastruktur mit einem bewussten Einkaufsverhalten beeinflussen können. „Abstimmen mit den Füßen“ nannte man das früher; heute müsste man wohl eher sagen „Abstimmen mit oder ohne Mausklick“.

Zugegeben, Einkaufen im Internet hat seine Vorteile. Online gibt es fast alles, das Warenangebot des E-commerce ist dem des Einzelhandels überlegen. Und bestimmt lassen sich sehr spezielle Artikel, die vor Ort nicht zu bekommen sind, über das Internet relativ einfach beziehen. Als Verbraucher sollten wir uns bewusst machen, dass es beim Einkaufen vor Ort um mehr geht als um den Erwerb einer Ware. Den allergrößten Teil dessen, was wir konsumieren, von Lebensmitteln über Bekleidung bis hin zu Unterhaltungsartikeln und Freizeitbedarf, können wir problemlos ortsnah bekommen, entweder in Stutensee oder in den Nachbargemeinden. Vor Ort Einkaufen heißt:

  • Frische Waren ohne lange Transportwege, ohne Plastikverpackungen und ohne internationale Großkonzerne, die kräftig daran verdienen und keine bzw. nur sehr geringe Steuern zahlen.
  • Arbeitsplätze in der Region sichern. Der handwerklich arbeitende Bäcker oder Metzger, die freundliche Verkäuferin, der direkt vermarktende Landwirt sind Beispiel für Menschen aus unserer Stadt und unserer Region, die für uns Verbraucher arbeiten und dies auch in Zukunft gerne tun wollen.
  • Qualifizierte Beratung durch Fachpersonal. Das wirkt sich unter Umständen auf den Preis aus, aber als Kunde werde ich dann auch ein Produkt erwerben, das am ehesten meinen Vorstellungen und Wünschen entspricht.
  • Einkaufserlebnis mit allen Sinnen: sehen, riechen und probieren. Das geht nur im Fachgeschäft und nicht im Internet.
  • Ökologisch, denn es gibt keine langen Anfahrtswege, weniger Verpackung und damit weniger Müll.
  • Soziale Gerechtigkeit, denn Fachgeschäfte, kleine und mittelständische Unternehmen vor Ort bilden eine eigenständige Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsweise ab und sichern einen Wirtschaftskreislauf.
  • Kommunikation, denn beim Einkaufen haben wir Gelegenheit Freunde, Bekannte und Menschen aus unserem Ort zu treffen, mit ihnen zu reden, Neuigkeiten austauschen und soziale Kontakte zu pflegen. Gerade für Alleinwohnende oder für ältere Menschen ist dies ein wichtiger Faktor gegen die Vereinsamung.

Wir können mit unserem Einkaufsverhalten also erheblichen Einfluss ausüben. Aber auch die Stadt muss weiterhin ihren Beitrag leisten, um die wohnortnahe Versorgung zu sichern. Mit der Ansiedlung des Einkaufsmarktes in Staffort vor einigen Jahren, beispielsweise, ist gelungen, was lange Zeit für unmöglich gehalten wurde: Stutensees kleinsten Stadtteil mit einer Vollversorgung vor Ort auszustatten. Wir müssen weiterhin in allen Stadtteilen, nicht nur in den Gewerbegebieten sondern auch in den Innenbereichen, Voraussetzungen schaffen und verbessern, um Einzelhandel anzusiedeln.

Den Trend gegen die Internet-Kaufhäuser, gegen die zahllosen Lieferfahrzeuge und gegen die damit verbundene Flut von Verpackungsmüll müssen wir kreativ angehen und dabei auch von anderen Städten lernen. In Karlsruhe gibt es mittlerweile mehrere lokale Shopping Apps, die Information und Bestellung per Smartphone mit einem echten Einkaufserlebnis in einem Geschäft in der City verbinden. In Ettlingen lässt sich mit den „Ettlinger Platzhirschen“ das online Stöbern mit dem Kauferlebnis vor Ort verbinden. Informationsplattformen wie „KaufDA“ geben im Internet einen Überblick über lokale Angebote.

Stadtverwaltung und örtlicher Handel müssen im Rahmen der „Digitalisierungsstrategie Stutensee 4.0“ gemeinsam innovative Konzepte entwickeln um Einkaufsmöglichkeiten und Arbeitsplätze in Stutensee zu sichern. Aber auch im auszuarbeitenden Stadtentwicklungsplan müssen die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort ein wichtiger Faktor sein. Dabei gilt es auch insbesondere für fußläufig erreichbare Nahversorger innerorts und nicht nur am Ortsrand liegende zu sorgen, um allen Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit zu geben, ihren Einkauf selbst erledigen zu können.

Quelle: Freie Wähler Stutensee

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