Zentrale Wasserenthärtung kommt

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Bild: Arcaion/pixabay.com

Von Martin Strohal | 19.11.2019 21:45 | Keine Kommentare

Seit 2014 wird in Stutensee darüber diskutiert, ob in den Wasserwerken eine zentrale Wasserenthärtung installiert werden soll oder nicht. Der formelle Beschluss wird zwar erst am 11. Dezember in der Sitzung des Zweckverbands Wasserversorgung Mittelhardt gefällt. Der Stutenseer Gemeinderat stimmte bei seiner gestrigen Sitzung jedoch mehrheitlich dafür. Neben Stutensee ist noch Bruchsals Stadtteil Büchenau Mitglied im Zweckverband, der das Vorhaben angestoßen hatte.

Die Stutenseer Stadträtinnen und Stadträte haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Der Beschluss fiel mit 14 zu 9 Stimmen alles andere als einstimmig aus. Dabei gingen die Meinungsunterschiede quer durch die Fraktionen.

Im Frühjahr hatte es zwei Bürgerbeteiligungsveranstaltungen gegeben (wir berichteten), bei denen die Besucher sich mit sehr großer Mehrheit für das Vorhaben aussprachen.

Ein Knackpunkt, der in der gestrigen Gemeinderatssitzung vielfach angesprochen wurde: Es handelt sich um ein Luxusprojekt. Es sei weder technisch noch gesundheitlich notwendig, das Wasser zu enthärten. Folge sei aber, dass alle Bewohner Stutensees den höheren Wasserpreis zu zahlen haben, ob sie weiches Wasser wollen oder nicht.

“Der Wasserpreis liegt auch nach der Erhöhung noch im Schnitt des Landkreises und deutlich unter dem Landesdurchschnitt”, verglich Nicole LaCroix (CDU). “Unser Wasser hat eine hervorragende Qualität”, entgegnete Thomas Hornung (ebenfalls CDU). Er wolle den Luxus nicht jemandem aufdrängen, der ihn gar nicht wolle. Zudem verwies er auf den Sanierungsstau bei Wasser- und Klärwerken sowie das Rohrnetz, das bereits 15 Jahre über Lebenserwartung genutzt werde. All diese Sanierungen würden den Wasserpreis ganz ohne Wasserenthärtung schon deutlich erhöhen.

“Wir haben in der Fraktion eine heterogene Meinung”, stellte Sven Schiebel (Freie Wähler) fest. In den Dialogveranstaltungen habe es jedoch ein klares Votum der Bürger für die Enthärtung gegeben. Diesem Wunsch wolle er nachkommen. Sein Fraktionskollege Manfred Beimel hatte Informationen in der Region eingeholt. Alle Gemeinden, die bereits eine Wasserenthärtung installiert haben, würden sich nur positiv darüber äußern, berichtete er. Zudem wäre im Publikum der Sitzung – es waren weniger als zehn Besucher anwesend – mehr los gewesen, wenn es in der Bevölkerung größere Bedenken gäbe, befand er.

Die SPD-Fraktion stimmte mehrheitlich, aber auch nicht einstimmig, für das Projekt. Es sei nachhaltig und umweltschonend, erläuterte Wolfgang Sickinger. Schließlich verlängere weiches Wasser die Lebensdauer von Geräten und Armaturen, man spare an Waschmitteln und Entkalkern. Ein Gutachter habe die Unbedenklichkeit der Einleitung des Konzentrats in die Gewässer bescheinigt. Ansonsten werde es in Zukunft viele weitere private Entkalkungsanlagen geben, die man nicht unter Kontrolle habe.

Gegen das Vorhaben positionierten sich die Grünen. “Die Zusatzkosten von 50 Cent pro Kubikmeter sind eine erhebliche Bürde für Menschen mit geringem Einkommen”, so Volker Stelzer. Auch die Einleitung des Konzentrats sehe man kritisch.

“Jeder, der weiches Wasser mag, kann sich einen Entkalker selbst einbauen”, fand Tobias Walter (Junge Liste). Das Projekt sei eine reine Komfortmaßnahme. Deshalb stimme er dagegen.

Nach den Angaben bei der Bürgerinformationsveranstaltung werde der Wasserpreis von 91 Cent pro Kubikmeter wegen der anstehenden Sanierungen auf 1,10 Euro steigen. Die Wasserenthärtung schlage mit etwa 50 Cent zu Buche, woduch ein Wasserpreis von 1,59 Cent enstehe. Da es bis zum Baubeginn zu Baupreissteigerungen kommen kann, könnte der Preis auch höher liegen. Der Landesdurchschnitt liege bei 2,01 Euro.

Mitte Dezember entscheidet der Zweckverband Wasserversorgung Mittelhardt, anschließend geht es in die Detailplanung. Eine Inbetriebnahme der Anlage wird nicht vor Ende 2021/Anfang 2022 erfolgen.

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  • Wasserhahn Leitungswasser: Arcaion/pixabay.com

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