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“Wohnraum entwickeln mit weniger Flächenverbrauch”

Symbolbild

Bild: ngad/freepik.com

Pressemitteilung von Freie Wähler Stutensee | 11.03.2020 7:00 | 2 Kommentare

In unserer Reihe “Aus der Lokalpolitik” schreibt heute Klaus Mayer, Fraktionsvorsitzende der Fraktion der Freien Wähler im Stutenseer Gemeinderat. Es handelt sich hierbei um die subjektive Darstellung der Fraktion.

Die Technologieregion Karlsruhe ist ein Zuzugsgebiet, das bedeutet: Während anderenorts die Bevölkerung zurück geht (Stichwort demographischer Wandel: „wir werden immer weniger und immer älter“), haben wir das umgekehrte Phänomen, wir werden stetig mehr. Das liegt unter anderen daran, dass es in der Region ein großes Angebot an attraktiven Arbeitsplätzen in zukunftsorientierten Branchen gibt. Der Preisanstieg der letzten Jahre auf dem Wohnungsmarkt hat deutlich gemacht: Die Nachfrage ist hoch und das Angebot knapp. Es werden also neue Wohnungen gebraucht. In der Konsequenz bedeutet dies für die Kommunen, dass sie Flächen für den Wohnungsbau bereitstellen und darüber hinaus auch die entsprechende Infrastruktur schaffen müssen.

Flächen für den Wohnungsbau können und dürfen nicht nur im Außenbereich geschaffen werden, denn diese stellen eine wichtige und unersetzliche Ressource dar und sollten daher mit Bedacht eingesetzt werden. Wir werden unser Augenmerk künftig verstärkt auf die Entwicklung der Innenflächen richten müssen. Dies war seit vielen Jahren eine, u.a. in den Haushaltsreden, immer wieder vorgetragene Forderung der Freien Wähler. Um den Herausforderungen einer besseren Nutzung unser Flächen (zu wohnbaulichen, gewerblichen, landwirtschaftlichen oder Naturschutzzwecken) nachhaltig gerecht werden zu können, hat der Gemeinderat beschlossen die Stelle eines Flächenmanagers zu schaffen. Damit wird es nun möglich, konkrete Lösungsvorschläge für definierte Bereiche zu erarbeiten. Die Bebauung unserer Stadtteile hat noch weitgehend gewachsene, dörfliche Strukturen mit großen Grundstücken, Ökonomiegebäuden (Scheunen und Schuppen) und großen Gärten. Hier bieten sich Chancen innerörtliche Grundstücke aufzuwerten und Wohnraum zu schaffen, ohne wertvolle Außenflächen opfern zu müssen. Allerdings, gibt es auch große Herausforderungen:

  • die Flächen sind alle in Privateigentum und ein Umnutzung kann nur unter Beteiligung und mit Einverständnis der Bürgerinnen und Bürger gelingen;
  • die Verdichtung kann nur so maßvoll entstehen, dass ein langfristiges, sozialverträgliches Miteinander gewährleistet ist;
  • die „grüne Lunge“ unserer Stadtteile – wichtig für das Kleinklima – muss gewahrt bleiben und wertvolle Grüngerüste müssen erhalten blieben;
  • auch die heimischen Gärten sind enorm wichtige Lebensräume für Insekten, Reptilien und Vögel
  • Erschließung und ausreichend, tatsächlich nutzbare PkW Stellplätze auf Privatflächen müssen gesichert sein, unsere ohnehin schon überbordend zugeparkten Gehwege müssen vom ruhenden Verkehr befreit werden

Diesen Balanceakt, neue Nutzungen zu ermöglichen, den ortstypischen Charakter zu erhalten und den o.g. Herausforderungen zu begegnen, können wir nur schaffen, wenn alle – Verwaltung (insbesondere der Flächenmanager), Gemeinderat, Ortschafträte (insbesondere die OrtsvorsteherInnen) und Bürgerinnen und Bürger – konstruktiv zusammenarbeiten. Deshalb ist es sinnvoll dieses Thema in den Bürgerbeteiligungen zur Fortschreibung des Stadtentwicklungsplans explizit mit aufzunehmen.

Quelle: Freie Wähler Stutensee

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Kommentare

FH...

… vieles richtig, was Herr Mayer schreibt, leider werden aus dem ersten Abschnitt nicht die notwendigen Konsequenzen und Forderungen gezogen: Die fortschreitende Konzentration in Ballungszentren auf Kosten von strukturschwachen Gebieten – letztere speziell im Osten, aber auch in weiten Teilen der alten Bundesrepublik – bei abnehmender Gesamtbevölkerung ist kein Naturgesetz! Wir werden hier bei uns deshalb stetig mehr, um Herrn Mayer zu zitieren, nicht, weil bei uns die Geburtenrate so hoch wäre, sondern weil es einen enormen Zuzug vornehmlich jüngerer aus den abgehängten Regionen gibt. Hier muss (von der „großen“ Politik) angesetzt werden, um mit gezielter und nachhaltiger Förderung (insbesondere im Bereich der Wirtschaftsansiedlung), die im Grundgesetz geforderten „gleichwertigen Lebensverhältnisse“ in ganz Deutschland zu erreichen. Erst das bringt die notwendige Entlastung auf dem hiesigen Wohnungsmarkt. Alles andere ist Herumdoktern an Symptomen ohne das ursächliche Problem zu lösen. Leider ist der kommunale Hebel hier sehr kurz…
Nebenbei: Obiges Phänomen – im Kleinen – erleben wir gerade mit der Schließung der Volksbank-Filiale in Staffort. Solange alle großen Infrastrukturmaßnahmen (Stadtverwaltung, weiterführende Schulen, neues Schwimmbad, neue Industriegebiete, etc.) nahezu komplett in Blankenloch angesiedelt werden und sich Blankenloch – gemäß Vorgaben – genauso stark wie ganz Rest-Stutensee entwickeln soll (z.B. eben Bevölkerungszuwachs), wird insbesondere der kleinste Stadtteil zunehmend abgehängt, obwohl auch der Stafforter für die Blankenlocher „ganz-Stutensee-Infrastruktur“ als Steuerzahler aufkommt…

-kwg-

Was müssen unsere Urväter und Urmütter für kurzsichtige und unegoistische Menschen gewesen sein, weil sie das auf Blankenloch und Büchig zukommende Unheil der Überbevölkerung nicht rechtzeitig erkannt haben. Vor ca. 200 Jahren bestand der Ort Blankenloch aus insgesamt 139 -nennen wir es einmal vorsichtig – Wohngebäuden. Der Ort Büchig aus 14 bebauten und 15 unbebauten Grundstücken. Es gab die Hauptstroß (Dorfstroß) (beginnend an der Linkemer Stroß bis ungefähr zur heutigen Wiesenstrasse) – die Eggstoiner Gass (bis zur Höhe Neue Strasse)- die Witzegass und die Kerchgass, und noch ein paar kleinere Gässlen. Wie das bekannte Rathausgässle. Und genau dazwischen die Dorfbach – mit all den fremdartigen, nicht oriental anmutenden Gerüchen durch den Magen gegangener Ortskultur. Das war sozusagen Alt-Blankenloch, wie es leibte und lebte. Und dann ging es plötzlich rund. Hatte man 1804 noch 807 Seelen zu verzeichnen, so hat sich diese Anzahl 100 Jahre später mehr als verdoppelt, und bis 1933 mehr als verdreifacht. Bis 1974 waren es dann 7900 Bürger in Blankenloch und Büchig. Der eigentliche Bauboom begann 1960 und die ehemals verträumten Dörfer erlebten einen unglaublichen Aufschwung. Bebauungsplan auf Bebauungsplan folgte. Von 1960 bis heute hat sich die Einwohnerzahl von 3900 auf 12800 hochgeschaukelt. Wer hat sich denn in dieser Zeit noch für den Erhalt eines ortstypischen Charakters interessiert? Aus über zwanzig Bebauungsplänen, die mit entsprechendem Flächenverlust einhergingen, wurden großzügige Grundstücke mit stolzen Wohngebäuden aller Art, aus dem guten ertragsreichen Hardtboden gestampft. Ortsvorsteher und Gemeinderäte waren auch an dem Bauboom beteiligt. Äckerlen und Wiesen sorgten dafür. Und diese wurden zu großartigem Bauland, und somit zu einer Art Nebenerwerb. Söhne und Töchter hatten die freie Wahl, wo sie denn ihr neues Domizil errichten mögen. Im Norden am Nibelungenring, oder im Süden in der hohen Eich – in der Kleinlach in Büchig oder vielleicht der Alten Bach entlang. Heutige Bauflächengrößen haben eine andere Entwicklung genommen, was allerdings in erster Linie mit den rasant gestiegenen Baulandpreisen zusammenhängt. Das führt aber eben auch dazu, dass Vegetarier nun näher an Nachbars Außengrillplatz wohnen, und sich somit Konflikte wegen belästigender Röststoffdüften in aller Heftigkeit ergeben können. Schade eigentlich, dass sich dadurch eine Folge menschlichen Miteinanders, in die total falsche Richtung entwickelt hat. Während früher der Nachbar mal schnell über den Zaun sprang, wenn überhaupt einer da war, um gemeinsam ein Bier zu trinken oder eine gegrillte Wurst vom Holzkohlegrill zu essen, werden daraus nun Belästigungen die in der heutigen Zeit vor Gerichten ausgetragen werden. Dass es früher Kümmerer gab, die die Arbeit zum Wohnort geholt und gebracht haben und nicht umgekehrt, ja was war denn da dran falsch? Wie hätte sich die Landschaft und die Menschheit um Stutensee entwickelt, wenn sie ihr Feierabendbäuerlesdasein behalten hätte? Jetzt da es uns gut geht, müssen wieder Resourcen geschützt und Innenflächen verdichtet werden. Muss ein Flächenmanager das Werk vollenden, das andere lange übersehen haben. Müssen innerörtliche Grundstücke herhalten, und das dann auch noch sozialverträglich. Gleichzeitig sollen aber grüne Lungen und Grüngerüste der Stadtteile erhalten werden. Heimische Gärten sind enorm wichtig. Na jetzt aber. Was ist los? Größere Widersprüche kenne ich nicht.
Ich bin dankbar, dass ich bei meinen Erkundungen auf die 1995 erschienene Ortschronik von Heinz Bender zurückgreifen konnte. Die Zahlen sind verlässlich. Deshalb empfehle ich allen, sich die Luftbilder im Buch wieder einmal anzuschauen, um diese nicht von Stillstand geförderte Entwicklung von Blankenloch und Büchig nachvollziehen zu können. Dass sich die Infrastruktur der Versorgung durch Discounter an die Peripherien verschoben hat, dass den Tante Emma-Läden im Kern der Dörfer der Garaus gemacht wurde, und dass im Ortskern noch lebende alte Urblankenlocher demnächst vor lauter Baukräne und Baukrach im Hinterhof ihre Restlaufzeit verbringen werden, macht mich schon sehr nachdenklich. Von den Blankenlocher und Büchiger Entscheidungsträgern im Gemeinderat wohnen allesamt bis auf eine Rätin, in einem früher oder später durch Bebaungsplan ausgewiesenen Wohngebiet. Genau dort wo sich früher in der grünsten aller Lungen von Blankenloch und Büchig, der quakende Frosch, der dahinschreitende Storch, der Has` und der rote Fuchs bei einem friedlichen Stelldichein und eine gute Nacht gewünscht haben. Also liebe Stadtweiterentwickler und demokratisch gewählte Bürgervertreter. Besinnen sie sich der zurückliegenden Besiedlungsgeschichte und Ihrer künftigen Verantwortung in Entwicklungsfragen, auch früheren Entscheidungsträgern gegenüber. Lassen sie die Kirche im Dorf, auch wenn der räumliche Abstand dahin immer größer werden sollte. Übrigens ist die derzeitige Wohnlage auch aus anderen Stadtteilen stammenden Rätinnen und Räte, von denen ihrer Blankenlocher Kolleginnen und Kollegen nicht besonders abweichend. Von einer dem Flächenmanager zu überlassenden Innenverdichtungsproblematik, kann also bei 95% aller Ratsmitglieder auch in Zukunft keine Rede sein.
Die unverbaubare Aussicht sollte also in vielen Fällen auf alle Fälle erhalten bleiben. Na denn. Bleibt alle gesund und bleibt frei von Coronaviren. Alles Gute.