Bahn präsentiert Linienvarianten: Stutensee weiter dabei

Freifläche zwischen Friedrichstal und Spöck - in der Auswahl für einen möglichen Trassenverlauf

Beitragsbild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 06.06.2022 20:29 | 1 Kommentar

“Durchgehende Linienvarianten” – darum ging es beim jüngsten Dialogforum der Bahn zum Thema Ausbau/Neubau der Bahnstrecke zwischen Karlsruhe und Mannheim. Nachdem bisher nur einzelne Abschnitte untersucht worden waren, zeigten die Planer der Bahn nun erstmals durchgehende Linienverläufe zwischen den beiden Knotenpunkten auf. Während die Untertunnelung Friedrichstals erst einmal vom Tisch ist, bleibt der Trassenverlauf zwischen Friedrichstal, Spöck und Staffort weiter im Spiel.

Sechzehn durchgängige Hauptlinienvarianten hat die Bahn skizziert. Vier davon linksrheinisch, sechs rechtsrheinisch und weitere sechs queren den Rhein, betreffen also beide Seiten. Sie alle können in mehr als 50 Kombinationsmöglichkeiten zusammengestellt werden, so die Bahn. Alle Linien können auf einer interaktiven Karte eingesehen werden. „Wir begrüßen die nach wie vor ergebnisoffene Herangehensweise auch mit linksrheinischen Varianten und den konstruktiven Dialog“, kommentierte der Vorsitzende des Regionalverbandes, Landrat Christoph Schnaudigel.

Wie ist Stutensee betroffen? Die linksrheinischen Verläufe berühren Stutensee, das rechts des Rheins liegt, nicht. Zwei der rheinquerenden Verbindungen kommen jedoch von Speyer, queren bei Mechtersheim den Rhein, führen zwischen Rußheim und Huttenheim hindurch, südwestlich von Graben-Neudorf vorbei und stoßen dann auf Stutenseer Gemarkung. Wie in der Segmentbetrachtung schon zu sehen war, führt der Verlauf südwestlich an Spöck vorbei, zwischen Meierhof und Hernauhof und direkt am Stafforter Baggersee vorbei, bis er auf Höhe von Waldbrücke auf den Verlauf der Autobahn trifft.

Trassenverlauf über Stutenseer Gemarkung

Eine weitere rheinquerende Variante stößt schön viel weiter nördlich auf die Autobahn A5 und führt an ihr – östlich von Staffort – vorbei in Richtung Karlsruhe. Wie die Bürgerinitiative bereits deutlich gemacht hat, würde diese Variante einen Großteil des Waldes entlang der Autobahn kosten.

Von den sechs rechtsrheinischen Linien kommt eine von Graben-Neudorf – die dortige Ortsdurchfahrt wurde zurückgestellt, vielmehr wird die Trasse östlich um den Ort herumgeführt – verläuft dann in Richtung Friedrichstal und zweigt zwischen Friedrichstal und Spöck ab, um am Stafforter Baggersee vorbei zur Autobahn zu führen. Vier weitere Varianten biegen schon weiter nördlich der Stutenseer Gemarkung in Richtung Autobahn ab: bei Karlsdorf-Neuthard, bei Hambrücken, bei St. Leon-Roth oder bei Schwetzingen. Sie alle führen die Autobahn entlang, östlich von Staffort vorbei in Richtung Karlsruhe.

Die Hälfte der sechzehn Hauptlinien betreffen somit Stutensee: drei durchschneiden die Gemarkung, fünf führen östlich von Staffort an der Autobahn entlang.

Vorschläge aus der Öffentlichkeit wie der Bau jeweils eines neuen Gleises entlang der bestehenden Bahntrassen Karlsruhe – Graben-Neudorf – Mannheim sowie Karlsruhe – Bruchsal – Mannheim wurden zurückgestellt wegen Eingriffen in die höchste Raumwiderstandsklasse. Auch ein Tunnel entlang der Bestandsstrecke durch Blankenloch und Friedrichstal wird von den Planern nicht weiterverfolgt. Ein Auftauchen zwischen den Ortschaften würde die erforderlichen Längsneigungen nicht einhalten und sei aus technischer Sicht nicht möglich. Deshalb müsste der Tunnel 17 Kilometer lang sein. Da es oberirdische Alternativen gebe, würden diese zunächst weiterverfolgt. Eine Linienführung entlang der L559 über Blankenloch nach Weingarten wurde nicht aufgenommen wegen nicht möglicher oberirdischer Durchbindung in Friedrichstal.

In den nächsten Monaten will die Bahn die Anzahl der Linienverläufe weiter auf die ernsthaft in Betracht kommenden reduzieren. Für Ende September ist das nächste Dialogforum geplant. Die aktuellen Unterlagen sind auf der Projektwebsite der Bahn zu finden.

forum Kommentare

-kwg-

Das wird eine sehr spannende Geschichtsentwicklung der gewollten und ungewollten Entscheidungen nehmen. Wenn man sich die sich anbietenden Landschaften, die Kosten der verschiedenen Trassen mit möglichster Vermeidung von teuren Tunnellösungen und die offensichtliche Machtlosigkeit der an den Entscheidungen immer noch beteiligten Kommunen, zu diesem Projekt einmal anschaut, dann wird das Konzentrat immer dicker und es scheiden bei der nächsten Runde wieder einige Varianten aus – Am Ende der 50 Kombinationsmöglichkeiten bleibt eine übrig, und ich habe jetzt schon ein ganz dummes Gefühl, dass ein Weg der Vielen, ganz sicher diesmal nicht nach Rom führt. Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt für die junge Liste und ihre Zukunftsvisionen gekommen, ihre große jugendliche Gefolgschaft “Friday for Stutensee” hinter sich in großen Scharen zu versammeln, vorausgesetzt sie werden auch über das Projekt von allen Seiten umfassend informiert.


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