Bahn: Noch 20 Linienvarianten im Rennen

Bahnstrecke Karlsruhe - Mannheim

Beitragsbild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 23.09.2022 20:17 | 2 Kommentare

Auf der Suche nach einem geeigneten Trassenverlauf für die Bahnverbindung Karlsruhe – Mannheim hat die Bahn aktuelle Ergebnisse mitgeteilt. Im Rahmen des 7. Dialogforums erläuterten die Projektverantwortlichen, wie sie die bisher fünfzig theoretisch möglichen Linienvarianten auf zwanzig “ernsthaft in Betracht kommende Linienvarianten” reduziert haben. Der Streckenverlauf quer über Stutenseer Gemarkung ist weiterhin im Spiel.

Fünfzig Linienvarianten hatten die Planer der Bahn im Juni präsentiert. Seitdem haben genauere Untersuchungen stattgefunden. Maßgeblich waren dabei fünf Kriterien aus den Bereichen „Umwelt“, „Raumordnung“ und „Verkehr/Wirtschaft“.

Querung Stutenseer Gemarkung

In Bezug auf Stutensee ist der Abschnitt zwischen Friedrichstal und Spöck, vorbei am Stafforter Baggersee zur Autobahn A5, weiterhin in der engeren Auswahl. Zerschneidungs- und Trennwirkungen sind im bisherigen Prozess nicht berücksichtigt worden. Das wurde im Dialogforum, das diese Woche stattgefunden hat, kritisiert. Die Verantwortlichen des Projekts wiesen darauf hin, dass eine Vorauswahl auf Grundlage eines einzelnen Kriteriums einen Planungsfehler darstelle. Dies bringe auch ein Ungleichgewicht gegenüber den anderen Schutzgütern wie etwa Natura-2000-Gebiete.

Das Kriterium Zerschneidungs- und Trennwirkungen werde im anstehenden Variantenvergleich mitberücksichtigt. Das berichtet die Firma ifok, die den Prozess moderiert, in einer Pressemitteilung.

Von den zwanzig, weiterhin in Betracht kommenden Varianten, befinden sich 16 rein auf der rechten Rheinseite und nur noch eine auf der linken. Drei Varianten beginnen links und queren den Rhein im Verlauf. Alle wurden geprüft auf Raumwiderstände, Streckenlänge, komplexe Ingenieursbauwerke sowie die Anbindung an andere Strecken. Fast alle Varianten schneiden bei den Raumwiderstandsklassen schlecht ab (Bewertung “ungünstig”). Darunter auch der Verlauf über Stutenseer Gemarkung. Lediglich zwei Varianten haben in keiner Kategorie eine ungünstige Bewertung. Die Bahn will das jedoch nicht als Vorentscheidung verstanden wissen. Auch die bislang ausgeschiedenen Varianten seien lediglich zurückgestellt und könnten im Bedarfsfall wieder ins Spiel kommen.

Die nächste Sitzung des Dialogforums ist für November 2022 geplant. Bis dahin sollen die verbliebenen zwanzig Linienvarianten detaillierter untersucht werden.

Das Bahnprojekt Mannheim–Karlsruhe ist Teil des Gesetzes zum Ausbau der Schienenwege des Bundes. Ziel ist, dass mehr Züge international zwischen den Häfen Rotterdam und Genua fahren können.

forum Kommentare

FH...

… Vorsicht: Von den 20 weiterzuverfolgenden Varianten betreffen sechs (!) Stutensee: LR4-M5, R2-M2, R2-M3, R2-M6 (liegen alle zwischen F’tal und Spöck) sowie R6-M2 und R6-M3 (liegen parallel zur A5 und betreffen damit Staffort). Von diesen 6 sind nur die R2-Varianten in den Raumwiderstandsklassen „rot“. LR4-M5 (also eine Variante zwischen F’tal und Spöck) ist hier sogar „grün“! Die beiden R6-Varianten sind die einzigen, die bei keinem Kriterium (s. Text oben) negativ abgeschnitten haben, also die Varianten an der A5 bei Staffort. So viel zur Einordnung.
Positiv zu bemerken ist, dass die Gutachter die Anregung aufnahmen, die Trenn- und Zerschneidungswirkung als sog. „Leitkriterium“ (= Hauptkriterium) zu berücksichtigen.

Stutenseer

@FH: Absolut richtig, da muss man sehr aufpassen. Am Ende vom Tag wird es aber sowieso ne Variante entlang der A5, alles andere macht einfach kein Sinn.


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