Im Oktober 2025 zogen die Kinder des Stafforter Waldkindergartens in das evangelische Gemeindehaus um. Bauliche und brandschutztechnische Mängel hatten zur Schließung des Gebäudes auf dem Kindergartengelände geführt. Der Gemeinderat beschloss eine Neuerrichtung analog zu den städtischen Naturkindergärten. Wie geht es jetzt weiter?
Bei einer Ortsbegehung im Jahr 2023 fand die Stadtverwaltung statt einer genehmigten Schutzhütte eine etwa doppelt so große Anlage vor mit mehreren Zubauten für eine dauerhafte Nutzung. Sie beurteilte den Zustand als “materiell rechtswidrig”.
“Wesentliche Defizite waren eine nicht abgesicherte Schlafmöglichkeit im Dachraum, ein nicht abgenommener Ofen, teils im Nassbereich befindliche Elektroinstallationen, eine große Menge brennbaren Inventars, fehlende Rauchwarnmelder sowie die sanitären Gegebenheiten”, erläutert die Stadtverwaltung auf Anfrage.
Als Zwischenlösung wurden die Kinder im Oktober 2025 im nicht weit entfernt liegenden Gemeindehaus untergebracht. Dieses war zuvor von Kindern des Michaeliskindergartens genutzt worden.
Der Gemeinderat beschloss im März 2025 die Weiterführung der Einrichtung in städtischer Trägerschaft sowie die Errichung eines Midi-Moduls wie bei den beiden Naturkindergärten. Schon damals stand eine dauerhafte Nutzung des Gemeindehauses zur Diskussion, schied jedoch aus, weil sich die Stadtverwaltung nicht auf Erbpacht einlassen wollte.
Dies hat sich nun verändert, was zu Irritationen bei Eltern geführt hat. Die Kirchengemeinde habe Bereitschaft signalisiert, das Gebäude an die Stadt zu vermieten. “Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Wald und zum bisherigen Standort ist diese Lösung fachlich und organisatorisch sehr gut geeignet und ermöglicht weiterhin die Umsetzung des bestehenden waldpädagogischen Konzepts”, so die Einschätzung der Stadtverwaltung.
Im Rahmen der Haushaltsberatungen hat der Gemeinderat die Verwaltung aufgefordert, eine entsprechende Mietlösung zu prüfen. Dennoch wurde die Umsetzung eines Midi-Baus für 2027 in den Haushalt eingestellt. Im laufenden Jahr wird es somit nicht zu einem Neubau kommen, nur zum Abbruch des Bestandsgebäudes.
Der Elternbeirat des Waldkindergartens zeigt sich unzufrieden mit der Situation. In den vergangenen 20 Jahren – der Kindergarten wurde 2004 eröffnet – habe die Stadt wenig Geld in die Einrichtung investiert. Wann ein Neubau für die Einrichtung zur Verfügung stehe, sei derzeit unklar. Nun entstehe der Eindruck, die Stadt wolle Kinder drängen, in den Naturkindergarten nach Friedrichstal zu wechseln, wo es freie Plätze gibt. Zudem wolle die Stadtverwaltung über das pädagogische Konzept diskutieren.
Im März oder April sollen Workshops stattfinden, bestätigte die Stadtverwaltung. Ziel sei es, die Ausgestaltung des Konzepts als Waldkindergarten nochmals zu prüfen und weiterzuentwickeln. “Welche Schwerpunkte will der Kindergarten setzen und vertiefen und was braucht es dafür jeweils – um solche Fragen geht es.” Eine Frage sei dabei auch, wo es feste Waldplätze gebe, nachdem am aktuell eingerichteten Waldplatz Fälle von Vandalismus zu beklagen seien.
Zu unterscheiden sei zwischen einem Natur- und einem Waldkindergarten. In einem Naturkindergarten haben die Kinder feste „Indoor“-Zeiten. Unter dem Blickwinkel Naturkindergarten sei das Gemeindehaus insofern keine Option, so die Stadtverwaltung. Für tägliche Aufenthalte und entsprechende kindgerechte Angebote im Haus seien die Räumlichkeiten ungeeignet.
Anders sähe das für einen Waldkindergarten aus: Unter dem Blickwinkel Waldkindergarten böte das Gemeindehaus durchaus eine Option etwa als Schutzraum für Sturmtage als auch als Raum für ein Büro und Teamräume für das Personal.
Ende Februar hat eine Informationsveranstaltung mit der Leiterin des Amtes für Bildung, Kultur und Soziales, Eva Böker, stattgefunden. Auf dem Kindergartengelände soll eine Jurte aufgebaut werden.
“Einige empfinden die Prüfung des Konzepts als Hinhaltetaktik, andere hat der Abend vorsichtig hoffnungsvoll gestimmt”, berichtete eine Elternvertreterin im Nachgang. “Es wird sich in den nächsten Wochen zeigen, welche Taten folgen, was vom Gesagten umgesetzt wird.”
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