Sternwarte: Jubiläum und Generationenwechsel

Sternwarte am TMG

Bild: Martin Strohal

Von Martin Strohal | 24.03.2026 21:01 | Keine Kommentare

Seit mehr als 20 Jahren prägt die Astronomie-AG am Thomas-Mann-Gymnasium das Schulleben – getragen vor allem von ihrem langjährigen Leiter Hartmut Aichert. Seiner Hartnäckigkeit ist es zu verdanken, dass vor zehn Jahren eine Sternwarte auf dem Dach des Schulzentrums installiert wurde. Nun will sich Aichert neuen Dingen zuwenden. Ein Nachfolger steht bereit.

Das Wetter war am vergangenen Freitagabend nahezu optimal zur Beobachtung des Himmels. Eine ganze Reihe an ehemaligen Schülerinnen und Schülern der Astronomie-AG sowie andere Interessierte hatten sich auf dem Dach des Thomas-Mann-Gymnasiums (TMG) eingefunden. Als es dämmerig wurde, ging es Schlag auf Schlag. Nach der Mondsichel zeigten sich Jupiter und Venus. Auch der vorbeifliegenden ISS wurde begeistert zugewunken.

Hartmut Aichert (rechts vor der Sternwarte, grüne Jacke) und Lukas Armbruster (rechts neben ihm)

Dass es die Sternwarte überhaupt gibt, ist Physiklehrer Hartmut Aichert zu verdanken. “Er ist ein Macher”, so Bernhard Kunz, langjähriger Kollege von Aichert, seit einigen Jahren im Ruhestand, der sich das Jubiläum nicht entgehen lassen wollte. “Er kurbelt viel an, hat viele Ideen und kann Schüler begeistern.”

Etwa 500 Stunden Arbeit, verbunden mit über 1.500 E-Mails habe er damals investiert, erinnert sich Hartmut Aichert. In Summe habe das Projekt etwa 130.000 Euro gekostet. Im Rahmen einer Dachsanierung, die damals durchgeführt wurde, habe sich die Gelegenheit ergeben, einen Betonring als Fundament für die Sternwarte anzubringen.

Hartmut Aichert

Nach 20 Jahren hat Aichert nun mit der Astronomie-AG aufgehört. “Ich hatte tolle Leute in der AG”, so Aichert rückblickend. Astronomie habe an der Schule eine große Tradition. Zu den schönsten Erinnerungen gehörten für ihn Sternwarten-Übernachtungen – Schlafen auf dem Dach der Schule und Versteckenspielen im Haus.

Astronomische Höhepunkte wie Merkurtransit, Venustransit, Sonnenfinsternis, Mondfinsternis nennt Aichert nur nebenbei. “So sehr interessiert es mich auf eine Weise auch wieder nicht”, sagt er. “Mir geht es um die Menschen.”

Er freue sich mehr, wenn Kinder über Sterne staunen, die Millionen Lichtjahre entfernt sind, als wenn er selbst die Sterne sehe. “Ich könnte auch mit ihnen ins Theater gehen.” Warum er sich dann trotzdem so für eine Sternwarte eingesetzt hat? Mit der Beobachtung von Sternen kenne er sich einfach “saugut” aus. Er könne stundenlang über das Universum erzählen. Aber: “Ich bin Lehrer wegen der Menschen.”

Mond und Venus am Blankenlocher Abendhimmel

Was will Aichert nun ohne Astronomie machen? Inzwischen leitet er an dem Gymnasium eine AG für Improvisationstheater. “Theaterarbeit ist so intensiv”, sagt er. Insbesondere beim Impro-Theater komme die Seele ein wenig zu Tage. “Das ist Psychotherapie.” Theater sei ein Mosaiksteinchen für ein gesünderes Leben. Vor fünfzehn Jahren habe er eine Theaterpädagogik-Ausbildung gemacht. “Jetzt bin ich endlich da.”

Mit Astronomie und der Sternwarte geht es trotzdem weiter am TMG. Mit Lukas Armbruster hat sich ein Nachfolger gefunden. “Vor zwei Tagen hat er zugesagt”, freut sich Aichert. Armbruster ist seit diesem Schuljahr Physik- und Mathelehrer am TMG und war zu seiner Schulzeit selbst Mitglied der Astronomie-AG von Hartmut Aichert.

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