Wenn in der närrischen Fünften Jahreszeit die Scheinwerfer in den Festhallen angehen, betritt Silvana Weis die Bühne nicht etwa in glamouröser Abendgarderobe. Ihr Erkennungszeichen seit zwei Jahrzehnten: Der Kittel, die Klobürste auf dem Kopf oder in der Hand und eine unverwechselbare Prise Bodenständigkeit. Seit nunmehr knapp 30 Jahren ist die gebürtige Karlsruherin eine feste Größe in der regionalen Fastnachtsszene – allen voran beim Karnevalclub „Die Piraten“ in Blankenloch.
Vom Zuschauen zur eigenen Leidenschaft
Der Weg auf die Bretter, die für sie heute die Welt bedeuten, begann 1993 eher beiläufig. Als ihre damals siebenjährige Tochter Nicole in der Tanzgarde der „Piraten“ anfing, musste Silvana Weis als erziehungsberechtigtes Mitglied in den Verein eintreten. Doch beim bloßen Zuschauen im Saal sollte es nicht lange bleiben. „Ich habe mir das bei der Prunksitzung angeschaut und gesagt: Nächstes Jahr will ich auch auf die Bühne“, erinnert sie sich rückblickend.
In der Kampagne 1996/97 feierte sie schließlich ihr Debüt. Damals noch mit Verstärkung an der Seite – erst im Duo mit Vereinskollegin Ilona Nagel, später gemeinsam mit Roland Hartmann und in einem musikalischen Zwiegespräch mit Trompetenbegleitung. Die gesammelte Praxiserfahrung aus fast zehn Jahren Partner-Reden legte den Grundstein für den Schritt in die Eigenständigkeit. Seit der Kampagne 2000/2001 steht Silvana Weis als Solistin im Scheinwerferlicht.
Professionelles Handwerk und das Phänomen „Klofrau“
Dass eine gelungene Büttenrede kein Zufallsprodukt ist, unterschätzt das Publikum häufig. Um ihr Handwerk von Grund auf zu lernen, absolvierte Silvana Weis 2006 ein mehrtägiges Büttenredner-Seminar der Vereinigung Badisch-Pfälzischer Karnevalvereine in Speyer. Dort lernte sie den dramaturgischen Aufbau einer Rede und feilte an Gestik und Mimik. Ein entscheidender Kniff, den sie bis heute beherzigt: „Immer die Hände in die Taschen stecken oder Requisiten festhalten, damit man das Publikum nicht durch wilde Handbewegungen ablenkt.“
Ihre Paraderolle fand sie schließlich in der Figur der „Klofrau“. Inspiriert von Profis aus dem Fernsehen erfand sie eine Figur, die nah am Alltag ist und Platz für pointierte Anekdoten bietet. „Die besten Geschichten schreibt das Leben“, erklärt Weis. Ob Notizen aus Zeitungen, Alltagsbeobachtungen oder Missgeschicke aus dem Bekanntenkreis – über das ganze Jahr hinweg sammelt sie Ideen, um sie im Herbst zu einer neuen Rede mit rotem Faden zu verweben. Dabei verzichtet sie bewusst auf konkrete Namen oder Kommunalpolitik, um niemanden persönlich zu verletzen.
Über die Vereinsgrenzen hinaus gefragt
Während viele Büttenredner ausschließlich beim Heimatverein auftreten, sprach sich das Talent von Silvana Weis schnell herum. Seit über zwei Jahrzehnten reist sie schon von Sitzung zu Sitzung im Karlsruher Umkreis, darunter nach Schöllbronn, Durlach, Pforzheim und Singen. Selbst bei Seniorennachmittagen, Geburtstagen und Hochzeiten ist die humorvolle Rednerin als Unterhaltungsgast gefragt. Zudem engagierte sie sich jahrelang im Kinderfasching und schlüpfte dort in die Rolle des Clowns „Rosa“.
Dass der Weg nicht immer hürdenfrei verlief, verschweigt Weis nicht. Neben dem enormen Lampenfieber vor jedem Auftritt gab es auch schwere persönliche Momente. Der plötzliche Tod ihres Ehemannes, der sie über viele Jahre hinweg zu ihren Auftritten gefahren hatte, führte zu einer einjährigen Pause in der Kampagne 2024. Doch das Hobby und die Liebe zum Karneval zogen sie wieder zurück auf die Bühne.
Blick nach vorne
Mit über 60 Jahren denkt die gelernte Einzelhandelskauffrau Silvana Weis noch lange nicht an den Ruhestand. Trotz mancher Umbrüche im eigenen Verein und wechselnden Generationen bleibt ihr Ziel klar: Menschen zum Lachen zu bringen. Für die anstehenden Auftritte arbeitet sie bereits an neuem Material – mit gewohnter Akribie, viel Humor und natürlich der treuen Klobürste.
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Bildquellen:
- Silvana Weis: Martin Strohal
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