Frank Burkard: “Potenzial heben”

Frank Burkard

Bild: privat

Von Martin Strohal | 20.05.2026 12:35 | Keine Kommentare

Frank Burkard (CDU) ist Bürgermeister der Gemeinde Kronau. Am 12. Juli 2026 tritt er bei der Oberbürgermeisterwahl in Stutensee an. meinstutensee.de hat sich mit den aktuellen Kandidaten einzeln zum Gespräch getroffen, um mehr über ihre Ziele zu erfahren.

Der folgende Text ist eine Zusammenfassung des Gesprächs. Das vollständige Interview steht als Podcast am Ende der Seite zur Verfügung.

Person und Werdegang

Frank Burkard, unabhängiger Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Stutensee, stellt im Interview seinen Werdegang und seine Ziele vor. Der studierte Soziologe und Volkswirt mit Schwerpunkt Personal- und Organisationsentwicklung war in einer Unternehmensberatung, im Europäischen Parlament und bei der Metropolregion Rhein-Neckar tätig und ist seit 2016 Bürgermeister von Kronau.

Motivation und Führungsstil

Er beschreibt sich als kommunikativen, verlässlichen Führungstyp, der beide Seiten anhört, Entscheidungen klar vertritt und Mitarbeitenden bewusst Entscheidungsspielräume gibt. Als Schwäche nennt er eine gewisse Übereifrigkeit, die er für das Amt aber als Vorteil sieht. Privat ist er langjährig in Vereinen aktiv und nennt Tanzen als seine liebste Freizeitbeschäftigung.

Burkard sieht in Stutensee “ein unglaubliches Potenzial”, das er gemeinsam mit den Bürgerinnern und Bürgern “heben möchte”. Es wäre ihm eine „echte Herzensangelegenheit“, die Stadt weiterzuentwickeln.

Jugend und Beteiligung

In der Jugendbeteiligung unterscheidet Burkard zwischen der in der Gemeindeordnung vorgeschriebenen Beteiligungsform und zusätzlichen, freiwilligen Formaten. Er zeigt sich offen für ein Jugendforum, das er als aktuell bewährtes Modell in Stutensee bezeichnet, und ist bereit, auch über einen Jugendgemeinderat zu sprechen, obwohl dieser nach seiner Einschätzung Nachteile haben könne. Darüber hinaus will er stärkere direkte Kontakte zu Jugendlichen, etwa über Sonderveranstaltungen und neue Wege in der Jugendarbeit, damit Jugendliche ihre Anliegen an Oberbürgermeister und Gemeinderat herantragen können. Entscheidend sei für ihn, Zusagen verlässlich umzusetzen und ehrlich zu kommunizieren, wenn Vorhaben nicht realisierbar seien.

Mit Blick auf die bislang stark in Blankenloch zentrierte Jugendarbeit im „Graubau“ spricht sich Burkard dafür aus, auch die nördlichen Stadtteile stärker einzubeziehen. Zentral sei ein ausreichendes Raumangebot, in dem sich Jugendliche treffen und Sport treiben können; vorhandene Anlagen könnten besser genutzt und, sofern es die Finanzlage erlaube, gezielt ergänzt werden.

Klima-, Lärm- und Verkehrspolitik

Beim kommunalen Klimaschutz will Burkard, dass die Stadt ihrer Verantwortung gerecht wird. Konkret kann er sich den Aufbau eines Nahwärmenetzes vorstellen und verweist auf eigene Erfahrungen in diesem Bereich. Voraussetzung sei eine ausreichend dichte Bebauung, damit sich ein solches Netz wirtschaftlich tragen könne; mit Engagement sei dies aus seiner Sicht leistbar.

Bezogen auf den 2025 verabschiedeten Aktionsplan für Mobilität, Klima und Lärmschutz spricht sich Burkard dafür aus, bereits beschlossene Maßnahmen grundsätzlich umzusetzen. Er wolle nicht als jemand auftreten, der ausdiskutierte Planungen wieder aufrolle, sondern die Stadt voranbringe. Nur wenn sich Maßnahmen als nicht realisierbar erwiesen, müsse dies offen kommuniziert und nach Alternativen gesucht werden.

Für die Bahnstrecke Mannheim–Karlsruhe, die in die Planfeststellung geht, fordert er einen maximalen Lärmschutz, im Idealfall über gesetzliche Mindeststandards hinaus. Auch eine Tunnellösung kann er sich vorstellen und plädiert dafür, mit einer Maximalforderung in die Verhandlungen zu gehen.

Bauen, Sanieren und Innenentwicklung

Angesichts eines sanierungsbedürftigen kommunalen Gebäudebestands betont Burkard die Bedeutung von Fördermitteln. Er verweist auf seine bisherigen Erfolge bei der Einwerbung von Fördergeldern und will „Zug um Zug“ vor allem im Bereich Brandschutz schnell vorankommen, um Probleme wie jüngst bei der Kernzeitbetreuung in Blankenloch zu vermeiden. Zusätzlich fordert er ein Sicherungskonzept, das verhindert, dass derzeit noch nicht zur Sanierung anstehende Gebäude weiter verfallen und später kaum noch wirtschaftlich sanierbar sind.

Neue Baugebiete im Außenbereich hält Burkard derzeit nicht für angezeigt. Stattdessen setzt er klar auf Innenentwicklung und möchte die Einwohnerzahl etwa stabil halten, was aufgrund demografischer Entwicklungen durchaus Zuzug bedeute. Vorrangig will er leerstehenden Wohnraum mobilisieren und bestehende Gemeinderatsideen weiterentwickeln. Hinzu kämen Beratungsangebote, Möglichkeiten wie Bebauung in zweiter Reihe sowie Maßnahmen, um das Wohnumfeld attraktiver zu machen, um Vermieterinnen und Vermieter zu motivieren, leerstehende Wohnungen wieder auf den Markt zu bringen.

Finanzen und Stadtwerke

In der Finanzpolitik betont Burkard zwei Bereiche, in denen er trotz knapper Kassen nicht sparen will: Vereine sowie Kinder- und Jugendbetreuung. Vereine seien für ihn „unsere Zukunft“, leisteten umfangreiche Jugendarbeit und stärkten sowohl die Stadtteile als auch die Gesamtstadt. Auch bei der (teilweise freiwilligen) kommunalen Förderung von Betreuungseinrichtungen will er keine Kürzungen.

Zur Verbesserung der Einnahmesituation schlägt Burkard die Gründung von Stadtwerken Stutensee vor. Sein Modell sieht ein Joint Venture mit den Stadtwerken Calw vor, bei dem Stutensee 51 Prozent, Calw 49 Prozent halten soll. Die Stadtwerke sollen zunächst Gas und Strom in Stutensee vertreiben und mittelfristig den Anteil erneuerbarer Energien und Wärme ausbauen, wofür geeignete Dach- und Freiflächen identifiziert werden müssten. Darüber hinaus könnten die Fachleute der Stadtwerke auch beim Thema Wasserversorgung unterstützen; insgesamt erwartet Burkard aus den Stadtwerken zwar keinen Haushaltsausgleich, aber eine spürbare Verbesserung der Finanzlage.

Stadtteile, Ehrenamt und Zusammenhalt

Beim innerstädtischen Zusammenhalt setzt Burkard auf eine Mischung aus starker Stadtteilidentität und gesamtstädtischem Bewusstsein. Er möchte den individuellen Charme der Stadtteile erhalten und deren Profil schärfen, zugleich aber mit gemeinsamen Formaten das Gefühl einer Stadtgemeinschaft stärken. Als Beispiele nennt er ein regelmäßiges „Stutenseefest“ sowie gemeinsame Sportveranstaltungen nach dem Vorbild der „Mini Olympics“ in Bruchsal. Zugleich könne ein gemeinsames Leitmotiv – etwa das Thema Fahrrad oder andere Schwerpunkte – helfen, die Stadt zu einen. Das müsse aber in einem Beteiligungsprozess mit Vereinen und Bürgerschaft entwickelt werden.

Vereine, Feuerwehr und Ehrenamt sieht Burkard als zentrale Partner. Er kündigt an, verlässlich ansprechbar zu sein, zugesagte Unterstützung einzuhalten und bei Vereinsveranstaltungen präsent zu sein. Zudem will er die Vereinsförderrichtlinien überarbeiten und die Fördermittel direkt an die Vereine vergeben, statt über Stadtteile zu verteilen, um Ungleichgewichte zwischen Stadtteilen mit vielen oder wenigen Vereinen zu vermeiden.

Rolle als Oberbürgermeister und Verwaltungsmodernisierung

Seine künftige Rolle als Oberbürgermeister versteht Burkard als Mischung aus politischem Gestalter, Ideengeber, Motor und Moderator. Er sieht eine wichtige Aufgabe darin, Gemeinderat und Verwaltung näher zusammenzubringen, da es derzeit Spannungen gebe. Gleichzeitig will er die Verwaltung klar an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten und etwa im Bürgerbüro wieder Dienstleistungen ohne Termin ermöglichen – allerdings in enger Abstimmung mit den Beschäftigten.

Ausblick und eigene Messlatte

Zum Abschluss formuliert Burkard drei Punkte, an denen sich seine Arbeit in zwei bis drei Jahren messen lassen soll. Erstens will er eine neue, positive Rückkopplungskultur zwischen Rathaus und Bevölkerung schaffen und persönlich gut erreichbar sein. Zweitens nimmt er sich die Gründung der Stadtwerke Stutensee vor, wofür er allerdings die Unterstützung des Gemeinderats benötigt. Drittens möchte er mindestens ein bis zwei größere Sanierungsvorhaben so weit voranbringen, dass absehbar ist, dass sie in eine tragfähige Lösung münden.

Das Interview wurde am 13. Mai 2026 geführt.

Zu den Interviews mit den weiteren Kandidaten:

Bildquellen:

  • Interview mit Frank Burkard: Annika Strohal
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