Tobias Walter: “Direkter und offener kommunizieren”

OB-Kandidat Tobias Walter

Bild: privat

Von Martin Strohal | 20.05.2026 6:47 | Keine Kommentare

Tobias Walter (CDU) tritt am 12. Juli 2026 zur Oberbürgermeisterwahl in Stutensee an. meinstutensee.de hat sich mit den aktuellen Kandidaten einzeln zum Gespräch getroffen, um mehr über ihre Ziele zu erfahren.

Der folgende Text ist eine Zusammenfassung des Gesprächs. Das vollständige Interview steht als Podcast am Ende der Seite zur Verfügung.

Person und Werdegang

Tobias Walter, 31 Jahre alt, ist in Stutensee‑Staffort aufgewachsen und hat 2014 am Thomas‑Mann‑Gymnasium Abitur gemacht. Anschließend absolvierte er eine zweijährige Ausbildung als Bankkaufmann mit Zusatzqualifikation bei der Landesbank Baden‑Württemberg in Stuttgart und studierte danach Volkswirtschaftslehre in Freiburg. Ein begonnenes Masterstudium in Philosophie setzte er zugunsten seines Berufseinstiegs aus; seit 2021 arbeitet er im Deutschen Bundestag. Politisch engagiert er sich seit der Schulzeit, hat eine Junge‑Union‑Gruppe mitgegründet und ist seit 2019 Mitglied des Gemeinderats, seit 2024 Fraktionsvorsitzender der CDU/FDP‑Fraktion. Er ist in mehreren Vereinen aktiv und Mitglied im „Forum Ordnungspolitik“ in Freiburg.

Als „heimliche Leidenschaft“ beschreibt er das bewusste Nichtstun an freien Morgen, was für ihn im hektischen Alltag einen seltenen, aber wichtigen Ruhepol darstellt. Mit Stutensee verbindet er ein ausgeprägtes Heimatgefühl, da er hier alle Bildungsstationen durchlaufen hat und Familie sowie Freundeskreis vor Ort leben.

Motivation und Rollenverständnis als Oberbürgermeister

Walter begründet seine Kandidatur mit seiner Verwurzelung in Stutensee und dem Wunsch, stärker gestaltend tätig zu sein. Er sei von Bürgerinnen und Bürgern wie auch von Gemeinderatskolleginnen und ‑kollegen zur Kandidatur ermutigt worden und habe die Entscheidung nach intensiven Gesprächen mit Familie und Freunden getroffen. Die Unterstützung über die eigene Fraktion hinaus – auch durch die SPD – sieht er als Ausdruck der in der Kommunalpolitik üblichen, weniger strikten Parteigrenzen.

Das Amt des Oberbürgermeisters versteht er als Kombination aus Repräsentanten nach außen, Vorsitzenden des Gemeinderats und Leiter der Verwaltung. In der Verwaltung will er eine offene Führungskultur etablieren, in der Kritik möglich ist, Feedback in beide Richtungen funktioniert und der Oberbürgermeister die Entscheidungen der Verwaltung nach außen mitträgt. Als Schwäche nennt er seinen Hang, sich sehr detailliert in Themen einzuarbeiten; er sieht die Notwendigkeit, stärker zu delegieren, ohne in Mikromanagement zu verfallen. Grundsätzlich sieht er sich als Moderator, Manager und vor allem politischer Gestalter mit ausgeprägtem Gestaltungswillen.

Jugend, Beteiligung und Angebote

Bei der Jugendbeteiligung verweist Walter auf seine eigene Erfahrung, sich bei der Kommunalwahl 2014 als junger Mensch nicht angesprochen gefühlt zu haben. Er betont, dass Jugendbeteiligung in Baden‑Württemberg gesetzlich vorgeschrieben sei, die Ausgestaltung aber von der Information bis zum Jugendgemeinderat reichen könne, und zeigt sich für verschiedene Modelle offen. Das aktuelle Jugendforum in Stutensee, in dem Jugendliche Themen erarbeiten und ihre Positionen in den Gemeinderat einbringen, funktioniere aus seiner Sicht gut, soll aber wachsen und systematischer werden. Entscheidend sei, Jugendliche frühzeitig und regelmäßig über anstehende Entscheidungen zu informieren, damit sie ihre Meinung einbringen könnten.

Bei Jugendangeboten verweist er auf ein breites bestehendes Spektrum durch Sport‑ und Kulturvereine sowie die städtische Jugendarbeit über den „Graubau“. Ergänzend spricht er sich für offene Jugendarbeit insbesondere in den nördlichen Stadtteilen aus. Statt neuer Gebäude will er vorhandene Räume in Kooperation mit Vereinen nutzen, etwa den neu geförderten Jugendraum des TV Friedrichstal, der regelmäßig gemeinsam mit der städtischen Jugendarbeit bespielt werden könnte.

Klima, Lärm und Verkehr

Die Stadt hat sich das Ziel gesetzt, die Stadtverwaltung bis 2030 klimaneutral zu machen, was Walter als sehr ambitioniert bewertet. Er hält eine Verschiebung des Zieldatums für möglich, sieht den Fokus aber auf einem realistischen Fahrplan. Haupthebel sei der kommunale Gebäudebestand – vor allem Schulen, Kindergärten und Vereinsgebäude –, deren energetische Sanierung viel Zeit und Geld brauche. In den nächsten fünf bis sieben Jahren sieht er die umfassende Sanierung des Schulzentrums als zentrales Projekt. Ergänzend nennt er eine strategische Umstellung beim Energieeinkauf (Ökostrom, Wärmepumpen), Effizienzmaßnahmen in der Verwaltung sowie den Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere Photovoltaik auf städtischen Dächern und geeigneten Flächen.

Der 2025 erstellte Aktionsplan für Mobilität, Klima und Lärmschutz darf aus seiner Sicht nicht „in der Schublade“ bleiben, sondern muss umgesetzt werden. Während die Lärmbelastung durch Autobahn und Bahntrasse nur begrenzt auf kommunaler Ebene beeinflussbar sei, sieht er beim Parken konkreten lokalen Handlungsbedarf. Blockierte Gehwege und Engstellen, durch die Feuerwehrfahrzeuge nicht mehr kommen, will er durch klarere Regelungen und einen verstärkten Vollzugsdienst angehen; dazu wurde bereits fraktionsübergreifend eine zusätzliche Stelle beschlossen.

Bauen, Sanieren und Wohnraum

Walter beschreibt die Haushaltslage als angespannt, aber nicht hoffnungslos, da noch liquide Mittel vorhanden seien, die jedoch für viele Vorhaben benötigt würden. Angesichts eines deutlichen Sanierungsstaus, etwa bei der Unterführung Eichendorffstraße oder beim ehemaligen Luisenheim, der bisherigen Unterkunft des Michaeliskindergartens, plädiert er für eine ehrliche Bestandsaufnahme und klare Prioritäten. Schulen und Kindergärten haben für ihn oberste Priorität. Er setze auf eine Gebäudestrategie, die gemeinsam mit dem Gemeinderat die Reihenfolge der Sanierungen festlegt.

Beim Wohnraum verweist er auf den Zuzugsdruck in der “Boomregion um Karlsruhe”. Ohne bauliche Weiterentwicklung drohten weiter steigende Preise, wodurch vor allem junge Menschen kaum noch Wohnraum in Stutensee fänden. Neue Baugebiete am Ortsrand hält er daher grundsätzlich für nötig, allerdings mit Augenmaß. In Blankenloch und Büchig fehlen ihm aktuell konkrete Flächenvorstellungen, während er in den nördlichen Stadtteilen – perspektivisch Staffort mit „Im Unterfeld II“ – mehr Entwicklungspotenziale sieht. In Staffort wolle er einer möglichen Überalterung und langfristig gefährdeten Infrastruktur (z.B. Grundschule) entgegenwirken.

Finanzen, Einsparungen und Schwerpunkte

Im Bereich Finanzen will Walter zentrale Schwerpunkte erhalten. Dazu zählen die Vereinsförderung, die aus seiner Sicht das vielfältige ehrenamtliche Angebot und damit die Lebensqualität in Stutensee entscheidend mitträgt, sowie Umwelt‑ und Naturschutzmaßnahmen wie Blühwiesenprogramme, mit denen schon mit vergleichsweise geringen Mitteln viel erreicht werden könne. Außerdem betont er die Pflichtaufgaben Kinderbetreuung und Schulen, bei denen trotz knapper Kassen nicht gespart werden dürfe.

Einsparpotenzial sieht er bei externen Gutachten, Beratung und zugekauften Dienstleistungen. Zudem fordert er mehr Haushaltsklarheit: In der Vergangenheit seien immer wieder hohe Defizite geplant worden, die faktisch nicht in gleicher Höhe angefallen seien, weil Mittel mangels Umsetzung der Projekte nicht abflossen. Im Haushalt 2026 habe der Gemeinderat das Defizit durch solche Korrekturen auf rund 3,6 Millionen Euro reduziert. Gleichwohl warnt er, dass die Stadt damit aktuell auf Kosten ihrer Substanz lebe, da Abschreibungen auf Gebäude und Infrastruktur hoch seien.

Zusammenhalt, Verwaltungskultur und Ehrenamt

Den Zusammenhalt der Stadtteile beschreibt Walter als prägendes Merkmal Stutensees. Die charakterstarken Ortsteile mit eigenen Traditionen und Vereinen sollen ihre Eigenständigkeit behalten, zugleich aber stärker zusammenwachsen. Stadtteilübergreifende Vereine und Initiativen sieht er als wichtigen Ansatzpunkt.

In der Verwaltung will er eine stärkere Dienstleistungsorientierung etablieren. Konkret nennt er die Öffnung der Bürgerbüros auch für spontane Vorsprachen zusätzlich zum Terminssystem, um die Verwaltung niederschwelliger zugänglich zu machen. Zugleich fordert er eine bessere Kommunikation über Bearbeitungsstände und mögliche Verzögerungen, damit Verwaltungsprozesse für Bürgerinnen und Bürger nachvollziehbarer werden.

Vereine, Feuerwehr und Ehrenamt will er weiterhin unterstützen. Die Vereinsförderung soll im Dialog überprüft und bei Bedarf strukturell angepasst werden, etwa durch regelmäßige Runden mit Vorständen und eine mögliche stadtweite Interessenvertretung. Gegenüber der Feuerwehr kündigt er an, den neuen Feuerwehrbedarfsplan konsequent umzusetzen. Dieser sieht langfristig drei Standorte vor; während in Spöck vor allem Sanierungsbedarf besteht, sind in der Mitte und im Süden der Stadt umfangreiche bauliche Maßnahmen bis hin zu Neubauten nötig.

Erfolgskriterien

Die Stadtverwaltung und er als Oberbürgermeister würden künftig anders kommunizieren, beschreibt Tobias Walter einen der Punkte, an denen er sich nach zwei, drei Jahren messen lassen will. “Direkter und offener.” Nach den ersten Jahren seiner Amtszeit werde es “hoffentlich” viele Baustellen geben, die von Sanierungsmaßnahmen städtischer Gebäude zeugen. Nicht zuletzt solle es eine neue Kultur im Rathaus geben. Er wolle mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung sprechen, um sich ein gesamtes Bild zu machen von der Stimmung im Rathaus. Hier brauche es einen neuen Stil.

Das Interview wurde am 23. April 2026 geführt.

Zu den Interviews mit den weiteren Kandidaten:

Korrektur: Tobias Walter hat Volkswirtschaftslehre studiert, nicht Betriebswirtschaftslehre, wie ursprünglich geschrieben.

Bildquellen:

  • Gespräch OB-Kandidat Tobias Walter: Annika Strohal
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