Von meinstutensee.de-Reporter Martin Strohal

meinstutensee.de exklusivmeinstutensee.de trifft sich mit den Ortsvorstehern der Stutenseer Stadtteile sowie der Vorsitzenden des Stadtteilausschusses Blankenloch und will erfahren, was im vergangenen Jahr erreicht werden konnte, welche Themen gerade aktuell sind und welche Überlegungen es für die Zukunft gibt. Teil 1 unserer Interview-Reihe ist das Gespräch mit Kurt Gorenflo, Ortsvorsteher in Friedrichstal.

Ist es dem Ortschaftsrat im vergangenen Jahr gelungen, die Friedrichstaler Interessen gegenüber dem Gemeinderat angemessen zu vertreten? Wo konnte er Erfolge erzielen, mit welchen Entscheidungen sind Sie weniger glücklich?

Wir sind immer eingebunden. Man darf als Ortschaftsrat auch nichts beantragen, von dem man weiß, es kommt nicht. Sonst wird man unglaubwürdig. Man muss immer auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Im vergangenen Jahr wurden in Friedrichstal viele Sachen gemacht: In der Schule, im Kindergarten Sonnenschein, es wurde der Erfolgsschlager „Wilde Düne“ gebaut, wir hatten die Gehwegsanierung in drei Straßen. Dabei geht es auf einen Vorschlag des Ortschaftsrats zurückgeht, dass kein Flickwerk gemacht wird, sondern eine durchgehende Sanierung der Wege vom einen zum anderen Ende. Das liegt teils noch im Argen in Stutensee. Man hört auch immer wieder Klagen von Bürgern, dass das besser werden muss. Dann gibt es natürlich die Sanierung im Schöneichenjagen, die auf zwei Jahre verteilt ist, mit 1,8 Mio. EUR.

Neubaugebiete und Seniorenzentrum

Kurt GorenfloWie hoch ist der Siedlungsdruck auf Friedrichstal? Werden nach dem laufenden 3. Unterabschnitt von „Wohnen mit der Sonne“ weitere Baugebiete folgen?

Es gibt drei Hauptabschnitte, und mit dem 3. Unterabschnitt von Hauptabschnitt 1 haben wir den ersten. Durch den Bau des Kinderspielplatzes und der Erweiterung des Haus Edelberg, haben wir bestimmte Dinge schon rausgenommen. Das wird ja auch nochmal ein Großprojekt, mit ungefähr der gleichen Größe nochmal. Die Ausrichtung auf Einzelzimmer kommt, weshalb die dann fehlenden Zimmer nachgebaut werden. Dazu kommen zwei Demenz-Stationen, dann soll noch sehr viel betreutes Wohnen dazu kommen, und schließlich noch ein Gemeinschaftshaus, in das evtl. ein Arzt oder Therapeut kann, evtl. auch Räume für die Stadtverwaltung, worauf ich bestehe, weil das alte Rathaus noch etwas vor sich hin kümmern wird.

Das alte Rathaus ist ja nicht gerade das Schmuckstück des Ortes. D.h. dort passiert in absehbarer Zeit sanierungsmäßig oder umwidmungsmäßig nichts?

Beim alten Rathaus ist das Problem, dass es nicht allein zu betrachten ist, sondern auch zum einen mit dem Bauhof zusammenhängt – der Bauhof soll anders organisiert werden, der Bauhofleiter scheidet in einem Jahr aus, es soll eine zentrale Einrichtung in Blankenloch geben – und zum anderen mit der Feuerwehr. Irgendwann wird eine „Feuerwehr Nord“ kommen, aber wann der Zeitpunkt da ist, weiß man noch nicht. Dann ist die große Frage: Soll man das alte Rathaus im jetzigen Zustand erhalten? Was erhalten wir? Wir werden auf alle Fälle nicht barrierefrei, was sehr schwierig ist. Für mich ist das alte Rathaus nicht das prägende Gebäude am Marktplatz, sondern das Oskar-Hornung-Haus mit der Kirche. Das alte Rathaus steht ja nicht unter Denkmalschutz, sondern war früher auch mal eine Gaststätte. Aber da schwankt im Ortschaftsrat noch, ob man das machen kann, aber irgendwo muss man die Zeit reifen lassen.

Also in absehbarer Zeit passiert da nichts?

Wir sind jetzt mittendrin in der Haushaltsplanung, was man evtl. machen könnte. Aber zu erhalten ist fast nicht viel, der Stand der Elektrik… Obwohl wir jetzt sogar WLAN drin haben für die Sitzungen. Wir haben halt viel anderes gehabt. Man muss da schon mal rangehen, aber im Moment ist die Verwaltung auch voll beschäftigt mit dem Asyldruck.

Zurück zum Haus Edelberg: Wie groß wird der Neubau flächenmäßig etwa?

Das zieht sich fast hoch bis zum Spielplatz. Bei der jetzigen Bebauung fängt es an,  da kommt erst das Gemeinschaftshaus hin, dann folgen die verschiedenen Stationen und hinten das betreute Wohnen. Die Gesellschaft will das betreute Wohnen evtl. nur vermieten, was auf der einen Seite gut ist, aber ich kann mir vorstellen 50% vermieten, 50% Eigentum. Denn wenn jemand heute sein Haus verkauft und den Betrag übrig hat, will er das nicht auf die Bank bringen, sondern will wieder Eigentum schaffen, damit er weiß: Ich habe die Kosten nicht bis zu meinem Lebensende. Und darum werden wir jetzt die Verhandlungen führen müssen. Das Projekt Edelberg ist jetzt auch in andere Hände übergegangen. Der Erbauer der Edelberg-Häuser, der Herr Gerhard Leibfried, der vorgestern (20.01.2016) gestorben ist, hat das vor seinem Tod schon in eine größere Gesellschaft übergehen lassen. Ich muss sagen, das Haus Edelberg war so ein bisschen ein Alleingang von mir und dem Ortschaftsrat. Ich bin mal mit einem Plänchen zur Haus-Edelberg-Gruppe gegangen und habe gefragt, ob man da mal was machen kann, wo ich mich vorher erkundigt habe. Da ist der rausgekommen und dann sind wir so weit vorgedrungen, dass wir in Friedrichstal einen unheimlichen Vorsprung gehabt haben. Und die Angebote waren sehr gut, und der Gemeinderat hat nur noch „ja“ sagen müssen. Zum Schluss hat noch der ehem. Ortsvorsteher von Spöck, Linsen, gemeint, wenn wir jetzt die Querspange Nord bekommen, müsste er das Edelberg kriegen. Aber das war dann nicht der Fall. Der Platz war halt gut. Die 100 Plätze wurden belächelt, was soll man 100 Plätze bauen? Aber das war halt das Konzept, mit eigener Küche, das rentiert sich. Und die werden noch größer heutzutage. Die ganzen Verwaltungen und Räume usw. Und man sieht, es ist 100% ausgebucht.

Kindergärten und Schule

Interview Kurt GorenfloUnd steht der 2. und 3. Hauptabschnitt von diesem Baugebiet irgendwann noch an oder erst in 20 oder 30 Jahren?

Der Siedlungsdruck im Großraum Karlsruhe soll 50.000 betragen in den nächsten paar Jahren. Wir könnten das alles verkaufen. Aber man kann ja nicht alles zumachen. Das muss man auch verkraften mit Kindergärten, die ganze Infrastruktur. Wir haben ja schon viel gemacht. Im evang. Kindergarten Regenbogen sollen 1,2 Mio. EUR investiert werden. Es gibt einen Anbau mit Bistro, Zimmer für Betreuer und die Leiterin und einem Mehrzweckraum. Eine sehr gute Planung, muss man sagen. Im alten Gebäude hat man unten zwei Gruppenräume und oben zwei Gruppenräume. Und in die Gruppenräume hat man Würfel reingebaut für die Sanitäranlagen. Es gibt also keine zentralen Sanitäranlagen, sondern jede Gruppe hat ihre eigene. Das ist jetzt das Neueste, weil es für die Betreuerinnen wesentlich besser ist, wenn sie ein Kind aufs Klo begleiten, sind sie nicht so weit weg von den anderen. Ansonsten wird ein Aufzugschacht gebaut, aber der Aufzug nicht. Das wollen wir vom Ortschaftsrat mal überprüfen lassen. Wir haben die Sporthalle vor 40 Jahren so gebaut, dass eine Tribüne reinpasst, und wir haben bis heute noch keine. Drei Gruppen gibt es im katholischen Kindergarten und vier Gruppen bei der Schule im „Sonnenschein“, dort haben wir auch zwei dazugebaut. Dann haben wir den langen Kindergartenengpass in Friedrichstal erst mal überwunden. Kinderbetreuung ist heute eine sehr wichtige Sache. Die Schule ist leider nur noch eine Grundschule, die Hauptschule ist tot. Ob das der richtige Weg war… Die Einrichtung ist da, gute Hauptschüler sind auch gesucht worden. Aber damit müssen wir jetzt leben. Die Grundschule könnte evtl. sogar mal dreizügig werden. Man ist jetzt dabei, die Mensa für die Schule zu machen, die Betreuung wird immer größer. Ich glaube, 75 bis 80 haben wir zu betreuen auch mit Mittagessen, und da brauchen wir eine kleine Mensa. Nicht zum Selberkochen, sondern mit Anlieferung. Da sind jetzt noch die Verhandlungen mit der Stadt und der Schule, ob man sie in den jetzigen Räumen unterbringt, ob man was anbauen will usw.

Dass eine kommt, ist aber schon entschieden?

Es gibt ja schon eine Essensausgabe in der Schule mit 70 Essen. Aber das ist nicht im besten Zustand, weil es zu eng ist. Die essen in verschiedenen Schichten. Das klappt jetzt so. Aber das wird nicht rückwärts gehen, sondern die Tendenz steigt. Die Kinderbetreuung ist ein Mittelpunkt. Ich bin jetzt über 35 Jahre im Gemeinderat. Früher haben wir gescholten, was die Kindergärten kosten, dann haben wir im Haushaltsplan weitergeblättert, da ist über Kinderbetreuung nichts gesprochen worden, wir haben nur Zuschüsse gegeben. Fast alles war in kirchlicher Hand. Und heute gibt es Unter-3-Angebote usw. Das ist alles gekommen. Das sind halt schon Kosten, wo die Gemeinde Geld bezahlt. 1100 bis 1200 EUR kostet ein Unter-Dreijähriger monatlich für die Gemeinde.

Flüchtlinge

Sie hatten das Thema Flüchtlinge schon angesprochen. Friedrichstal hat ja von allen Stutenseer Stadtteilen als erstes die Gemeinschaftsunterkunft gehabt.

Ja, wir haben 2,5 Jahre die Last von Stutensee getragen. Aber das ist hervorragend gelaufen, dank der ehrenamtlichen Betreuung. Unser Landrad Schnaudigel war öfters hier, weil es hier so gut läuft.

Kurt GorenfloBleiben die Container dort bestehen?

Wie die ganze Entwicklung geht, weiß man nicht. Die Container hätten ja von Seiten des Landratsamts wieder weggesollt. Dann hat man aber den Ausgleich gemacht, dass man sie da lässt und dafür nicht so viel Anschlussunterbringung braucht. Das wäre ja auch Unsinn gewesen, die so schnell wieder abzubauen. Erst hat die Stadt vorgesehen gehabt – aber da hat der Ortschaftsrat reingegrätscht -, die Container vom Landratsamt für Anschlussunterbingung zu übernehmen und GU. Da habe ich gesagt: Ihr könnt an zwei Stellen nicht direkt nebeneinander GU und AU machen. Da blickt doch keiner mehr durch! Macht doch nur GU.

Es gibt jetzt auch einen Koordinationskreis für die Flüchtlingshilfe. Frau Hufschmidt koordiniert das. Aber wir haben keine Probleme im Moment und in den vergangenen Jahren. Allerdings die Belegung der GU: zwei Familien Syrer, drei Familien aus Afghanistan und der Rest Balkan, der ja keine Zukunft hat. Balkan wird vermutlich abgeschoben. Dass muss jetzt massiv bereinigt werden, vom Balkan, vielleicht auch Afghanistan und anderes mit. Und dann muss man bei Syrien schauen, ob wir auch was bereinigen können, denn die Million können wir nicht nochmal verkraften. Nicht unbedingt finanziell. Aber was hilft es den Syrern, wenn wir noch eine Million und noch eine Million aufnehmen? Das schaffen wir ja nicht.

Ist geplant, dass auch eine Anschlussunterbringung nach Friedrichstal kommt?

Ja, da sind wir noch im Werden. Aber es wird auch mal Anschlussunterbringung nach Friedrichstal kommen.

Werden dafür Gebäude gesucht oder ist auch angedacht, irgendwo etwas zu bauen wie z.B. im Seegrabenweg in Blankenloch?

Ja, Seegrabenweg und in Spöck kommt ja die Planung, wo gebaut werden soll. Und in Staffort soll auch gebaut werden. Wie gesagt: Wir waren jetzt drei Jahre Tabellenführer beim Asyl. Bevor sich nicht in allen Stadtteilen etwas geregt hat, nehme ich es nicht auf die öffentliche Tagesordnung. Das muss man auch ganz klar sagen. Ich weiß nicht, ob die Gemeinschaftsunterkunft ewig bestehen bleibt – das ist aber nur Spekulation von mir. Ich sehe, dass das Landratsamt es für sinnvoller hält, größere GUs zu betreiben, weil das einfacher zu behandeln ist. Dann könnte ich mir auch vorstellen, hier AU unterzubringen. Das ist aber ein Privatgebäude, das vom Landratsamt angemietet ist. Aber ich schätze, dass es für das Landratsamt einfacher ist, wenn sie 400 oder 500 an einer Stelle haben als 50 einzelne Stellen mit 50.

Wobei das Konfliktpotenzial unter den Bewohnern dann größer ist…

Ja, gut. Wir können keine Häuser anmieten oder Wohnungen und die dann reinsetzen. Und wie der Tübinger OB sagt: Bei der Arbeit, die er sich mit Wohnungsbeschlagnahme macht, kann er gleich ein ganzes Haus bauen in der Arbeitszeit. Wir hatten das in Friedrichstal beim ersten Asyl vor 20 Jahren. Da waren die Flüchtlinge auf einzelne Häuser verteilt. Da gab es große Missstände mit den Nachbarn. Das ist schon schwierig. Oder wie gestern jemand im Asylkreis berichtet hat: Sie müssen die Leute hintragen. Wenn sie mal turnen gehen wollen, die schaffen das nicht selbst zum Turnverein. Für jedes Projekt muss man sie in der GU abholen und wieder zurückbringen. Das ist schon schwierig. Manche verweigern auch: Ältere Frauen wollen nicht Deutsch lernen. Die können nicht richtig schreiben und lesen. Einfach ist das nicht. Es ist nicht jeder Arzt oder Zahnarzt, der aus Syrien kommt.

Aber mit der einheimischen Bevölkerung klappt das ganz gut, mit den vielen Ehrenamtlichen?

Das klappt gut, weil ja der Kontakt nicht groß ist. Es geht ja keiner in so ein Haus rein. Das Gegenseitige ist nicht da. Das sind die Betreuer und andere, die reingehen. Aber der normale Bürger… Waren Sie schon drin?

Hier nicht. Wir waren in Blankenloch (siehe Bericht).

Das war aber auch nur durch Ihren Job! Und ich habe ja immer gesagt: GU ist eine Einrichtung des Landratsamts. Wir unterstützen das Ehrenamt, dieses und jenes, aber ich misch mich da nicht ein. Und die Koordination der Ehrenamtlichen ist auch nicht einfach. Da kommt sich jeder als wichtiger vor. Aber muss froh sein, dass so viele das machen.

Sanierungsbedürftige Gebäude

Noch eine Frage zu alten Gebäuden: Nach dem alten Rathaus gibt es auch noch das alte Bahnhofsgebäude, das ja auch keine Augenweide ist. Wissen Sie, wem das gehört und was damit passieren soll?

Das gehört einem Privatmann, nicht mehr der Bahn.

Aber da wir bei alten Gebäuden sind, kann ich Ihnen was Erfreuliches berichten: Die „Rose“ [Ecke Wallonenstraße/Rheinstraße-Ost, Anm. d. Red.] wird im nächsten Jahr saniert. Es gibt sechs Wohnungen in der „Rose“, die zu mieten sind, mit einer Deckenhöhe von 3,20/3,50 m. Die fangen nächstes Jahr an. Das ist wirklich ein Meilenstein, dass die „Rose“ noch dazu kommt. Auch die beiden neuen Häuser auf dem Grundstück des ehem. Autohauses „Giraud“ sind gelungen. Und auch das ehem. Tapetenhaus Maurer, das der Mitbürger aus der Türkei saniert hat, war ja ein Geschäftshaus, und das ist auch gelungen, finde ich.

Ist das bei der „Rose“ ein Privatmann oder ein Investor?

Das macht ein Privatmann aus Neckargmünd. Im Moment sprechen die Zinssätze für Vermietung und nicht für Verkauf. Wenn Sie eine gute Vermietung haben, haben Sie einen 4-Prozenter oder 5-Prozenter, und wenn Sie zur Bank gehen, haben Sie 0,5 %. Darum auch Edelberg Vermietung. Wenn Sie 5 % haben, hat ein Bauträger 7-8 %. Ein Bauträger hat ja immer 3-4 % mehr.

Jugendbetreuung

Noch eine Frage zur Jugendbetreuung: So eine gab es ja früher im Ort, wie wir gehört haben.

Schläft im Moment, Ruhe sanft…

Gibt es Pläne, das wieder aufleben zu lassen?

Jugendbetreuung wurde in den vergangenen Jahren von der Hauptverwaltung auf- und wieder zugemacht. Und es ist auch sehr schwierig heute, Jugendbetreuung zu machen. Es waren eine zeitlang einige, v.a. Mädchen, da. Wir haben gute Jugendbetreuung bei den Vereinen. Aber Jugendzentren sind immer schon schwierig gewesen. Entweder sind die Jugendzentren vom Gymnasium besetzt gewesen oder von den Hauptschülern. Aber Hauptschüler und Gymnasien waren nie beide in Jugendzentren. Ich selber war vor 30 Jahren in einem Ausschuss für Jugendzentren vom Landratsamt, das sind immer sehr viele Aufwendungen. Es zieht ja immer das Große, das Caribi-Feriendorf und solche Sachen mit Filmen usw. Und dann hat sich halt die Welt gedreht. Die kleinen Kästchen [er zeigt auf das Smartphone, das unser Gespräch aufzeichnet]. Wir haben jetzt einen wunderschönen Spielplatz, das ersetzt mehr als ein Jugendzentrum.

Und die Jugendhütte, die es vorher schon gab…

Das war mal ein erster Schritt. Wir haben sie jetzt auch wieder ein bisschen sauber gemacht. In der Zwischenzeit sind 6 Jahre vergangen oder 7, in denen die Jugendhütte steht. Manche haben gesagt: Nach einem halben Jahr ist die abgefackelt. Da habe ich gesagt: Ach, es gibt so viele Hütten im Wald, die auch immer noch stehen. Dass es sie reizt, die mal anzumalen… Gegen die Spinner von Sprayern kann man halt nichts machen. Zur Einweihung des Spielplatzes mussten wir die Hütte halt neu streichen, sonst hätten wir uns blamiert.

Auswirkungen der Bahnstrecke

Wohnbebauung ist in Friedrichstal ja häufig bis an die Bahnstrecke dran. Ist da schallschutztechnisch noch etwas geplant oder möglich?

Interview GorenfloSchallschutz ist da: die Wände und der Damm. Mehr kann man nicht machen. Die Vorteile der Bahn… Alle Vorteile bringen eben auch Nachteile mit sich. Wir sind dankbar, dass wir die Bahnstrecke haben. Der Haltepunkt ist jetzt barrierefrei. Wir haben auch gegen den Willen mancher Bürger den Haltepunkt verlegt. Und wenn ich die Autos sehe, die unten gestanden haben, stehen oben weniger. Es war die Empfehlung der AVG, den Haltepunkt zu den Menschen zu bringen, weil die Entwicklung von Friedrichstal Richtung Süden geht. Ich habe gerade letztens mit einem Neubürger gesprochen: Einer seiner Gründe, warum er nach Friedrichstal gezogen ist, war die Bahn und dass er auch nach Norden wegkommt. Nach Süden haben wir ja die Stadtbahn. Nach Norden kommt man sonst nicht weg. Und mit der Bahn kommt man bis Mannheim als große Umsteigestation. Wir sind halt geteilt und leben damit, haben viele Unterführungen. Eine zu wenig, die uns die Bürger weggenommen haben.

Sie meinen die, die südlich des neuen Haltepunkts noch geplant gewesen war?

Ja, die Fußgängerunterführung beim Spielplatz. Ungefähr auf Höhe des Spielplatzes wäre eine Unterführung gekommen, zum Teil für schnellere Erreichbarkeit der Haltepunkte von Schöneichenjagen aus, zum anderen aber nur eine Rad- und Fußwegunterführung. 10 % fürs schnellere Erreichen, 90 % als sichere Unterführung für Kinder und Fahrradfahrer. Und jetzt, wenn die Weiterentwicklung kommt…  Das war ein Unsinn, zum Schluss haben wir das halt nicht mehr retten können. Die AVG auch nicht. Aber wir hätten das gebaut mit 85% Zuschuss! Das gibt’s heute nicht mehr! Und von den verbleibenden 15 hätten nochmal 7,5% das Landratsamt übernommen. Ist zwar alles Geld. Aber das ist eins der schwierigsten Themen, den anderen Stadtteilen Spöck und Staffort, die die Züge nicht haben – Blankenloch hat sie ja zum Teil -, zu vermitteln, wie wichtig Unterführungen sind. Die Querspange Nord war ja auch ein riesen Debakel, als das gebaut worden ist. Aber wir haben es dann doch geschafft. Wenn wir die heute nicht hätten und die Leute alle über die Nordumgehung müssten… Gerade die schwächeren Verkehrsteilnehmer! Aber wir sind halt spät angesiedelt, 1699. Da haben wir das bisschen Land zugewiesen bekommen vom Markgrafen. Und dann ist die Bahnlinie gekommen, und da hat keiner damit gerechnet, dass man mal über die Gleise muss. Man hat dann die ersten Straßen gebaut, aber nicht damit gerechnet, dass so viel kommt.

Und dass es mal ICEs geben wird…

Das ist klar. Aber durch die Schnellbahnstrecke haben wir auch schnell unsere Schranken wegbekommen und dafür die Unterführungen und auch zum Teil Umgehungsstraßen schneller gebaut bekommen als andere. Wenn man überlegt: Früher sind alle LKWs durch die Rheinstraße gefahren. Die Laster von Stuttgart sind dort durch die Rheinstraße…

Parken und Geschwindigkeitsbegrenzung

Noch eine Frage von Anwohnern aus dem Neubaugebiet: Die Parkplatzsituation in der Berliner Allee sei etwas suboptimal, weil dort, wo man parken könnte, Bauminseln sind, und wo der Parkstreifen ist, sind in der Regel Einfahrten, so dass man dort gar nicht parken kann. An der Situation wird sich vermutlich nichts mehr ändern?

Nein, da wird sich nichts mehr ändern. Und wir werden wieder mehr Fahrzeuge bekommen. Und jeder Bürger weiß, wie viel Quadratmeter Wohnraum und Zimmer er braucht, er weiß aber nicht, wie viele Garagen. Wir haben hier in der Berliner Allee 42 das Glück des Edeka-Parkplatzes. Wenn wir den nicht hätten, hätten wir Chaos. Zumal hier auch eine Arztpraxis vorgesehen war. Das sieht man ja in Blankenloch, da ist es enger beim neuen Ärztehaus. Aber ich sage immer: In der Schweiz, glaube ich, gibt es die Verordnung, dass es eine Plakete gibt, die einen bestimmten Betrag kostet, damit darf man sein Auto außen hinstellen. Und wenn wir die haben, haben wir nicht mehr so viele Autos draußen. Von Garagen halte ich nicht viel, weil viel drin steht, bloß nicht das Auto. Da ist eine Tiefgarage wieder anders.

Wegen Geschwindigkeitsbegrenzungen: 30 wird oft nicht eingehalten, v.a. von Zulieferfahrzeugen zum Seniorenzentrum, so zumindest die Beobachtungen.

Wir hoffen, dass die auch mal einen Strafzettel bekommen, so wie ich letzt. Man muss ja sagen: Wir haben vor über 20 Jahren flächendeckend 30 eingeführt in Friedrichstal. Wir haben dadurch bestimmt nicht überall 30. Aber wir haben keine 60 mehr. Das muss man sagen. Wir haben „rechts vor links“. Z.B. die Friedrichstaler Allee war früher Vorfahrtsstraße und die Parkstraße, als es die Unterführung noch nicht gab. Da gab es jeden Monat einen oder zwei Unfälle. Schwere Unfälle haben wir in Friedrichstal durch 30 und „rechts vor links“ nicht mehr. Und dass es Überschreitungen gibt, das passiert doch uns auch, wenn wir ehrlich sind.

Nahversorgung und Blick in die Zukunft

Welche Ideen und Planungen gibt es vom Ortschaftsrat für die nächsten Jahre für Friedrichstal?

Wir werden vorschlagen, dass wir uns evtl. Räume sichern beim Haus Edelberg, weil das für viele Dinge gebraucht wird wie Familienzentrum, auch Ortschaftsratssitzungen, auch die Vereine brauchen gelegentlich Räume usw. Meine Gedanken gehen auch dahin, dass wir das Bürgerbüro umlegen, da es hier sehr engräumig ist, aber wir das halt genommen haben, weil es barrierefrei ist und das alte auch nicht mehr das war…
Vorstellungen hat man immer. Aber wir müssen sehen, dass wir vier Stadtteile sind. Und wir werden immer mit den laufenden Arbeiten überrollt. Es gibt immer Lobbys. Das ist die Kinderbetreuung. Und es gibt immer Stiefkinder. Das sind die Gehwege, wo jeder Bürger seinen Gehweg erneuert haben will. Hier das Mittelmaß zu finden, ist wichtig. Aber Friedrichstal hat sich ja sehr gut entwickelt, glaube ich. Ich möchte nur eine Zahl nennen: Vor 40 Jahren bei der Eingemeindung hatten wir 500 Einwohner weniger als Spöck, heute haben wir 1200 mehr. Und das ist schon eine Sache, glaube ich. Wie das Haus Edelberg und verschiedene Sachen, haben wir doch einen Schwerpunkt gesetzt, den die anderen Stadtteile nicht haben, außer Blankenloch. Unsere Schule ist sehr gut, unsere Sporthalle ist neu gemacht, wir haben jetzt zwei Bolzplätze, und die Vereinsarbeit in Friedrichstal ist auch gut, glaube ich. Wir haben nicht alle Vereine doppelt, aber die Vereine sind gut, und ich glaube, es lässt sich in Friedrichstal leben.
Auch die Nahversorgung. Die kleinen Läden sind leider nicht mehr da. Früher hatten wir drei Bäcker und drei Metzger. Heute haben wir halt nur noch Edeka und andere Sachen, einen Metzger haben wir noch. Blumenladen fehlt, da haben wir nur was Kleines, aber das geht auch. Es geht eben mehr in Richtung „groß“, zu den Konzernen. Die haben ihre bestimmten Vorschriften, ziehen ihren Kreisel, und dann hat sich’s erledigt. Das ist das gleiche, was Karlsruhe immer schelten kann, was Stuttgart bekommt, können wir sagen, was Blankenloch bekommt und was bekommen wir nicht. Deshalb müssen wir in die Nischen rein. Aber wir haben die Ansiedlung eines Hagebaumarkts in Friedrichstal, wo man viel bekommt, wo sicher auch ein Geschäft gesagt hat: Jetzt rentiert sich’s für mich nicht mehr. Das wird überall kommen, dass nicht mehr die alten Eigentümer mit ihren eigenen Räumen sind, die Anmietung von Räumen ist eben sehr teuer. Und was auch noch dazu kommt: der Internethandel. Man sieht’s, man klickt’s, macht jeder. Und sechs, sieben Paketautos fahren morgens durch die Straße und verteilen es. Das wird auch eine Umstellung für den Einzelhandel geben, das ganze Internetgeschäft. Mit dem Prozentsatz, mit der kostenlosen Lieferung usw.

Noch eine letzte Frage: Sie sind ja schon seit Anfang der 90er-Jahre Ortsvorsteher. Haben Sie schon Überlegungen angestellt, wie lange Sie das noch machen wollen, oder lassen Sie das auf sich zukommen?

Das lasse ich auf mich zukommen. Es gibt Überlegungen, aber dazu will ich heute noch nichts sagen.

Herr Gorenflo, vielen Dank für das Gespräch!

Bildquellen

  • Kurt Gorenflo: Dirk Gebhardt
  • Interview Kurt Gorenflo: Dirk Gebhardt
  • Kurt Gorenflo: Dirk Gebhardt
  • Interview Gorenflo: Dirk Gebhardt
  • Interview Kurt Gorenflo: Dirk Gebhardt
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